Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Diesmal mit: Plamen Dejanoff, Danh Vo und der Freiheitsstatue, Teresa Burga und einem Gastspiel des California Arts Institute

Kassel: Danh Vo

Bei der Berliner Leistungskunstschau "Based in Berlin" gab es schon mal zwei Finger zu sehen, jetzt in Kassel auch den ganzen Rest: Die Hände, Arme, die Tafel – ja, die ganze Miss Liberty liegt in der Kunsthalle Fridericianum.

Der Künstler Danh Vo hat in China eine Replik in Originalgröße der New Yorker Freiheitsstatue bauen lassen, ihre Einzelteile dürfen nun bewundert werden: Das Symbol Amerikas, zerlegt und nachgebaut. So sieht man das dünne Kupferblech aus dem die Freiheitstatue gebaut wurde aus nächster Nähe. Die Arbeit folgt einer Strategie, die Vo schon früher verwendete, als er beispielsweise deutsche Autos in Thailand kopieren ließ. Hier kombiniert er die Skulptur mit einem Readymade, der Schreibmaschine des "Una-Bombers" Theodore Kaczynski, der in den USA über 18 Jahre lang Bombenanschläge verübte. Das Unbehagen eines taumelnden Imperiums – Danh Vo braucht dafür keine großen Worte, auch keine Konzepte, die in langen Katalogtexten erklärt werden.

Danh Vo. July, IV, MDCCLXXVI. Kunsthalle Fridericianum. 1.10 - 31.1.

Hamburg: Plamen Dejanoff

In der bulgarischen Weltkulturerbestadt Veliko Tarnovo gibt es ein Sportstadion, zahlreiche Tanz- und Gesangsensembles, eine Laien-Oper, ein Operetten- und ein Freilichttheater, ein Sinfonieorchester, ein Schauspielhaus, 18 Kirchen und andere Gotteshäuser sowie 15 Museen, darunter eine Gemäldegalerie und ein Bezirksmuseum. Der 1970 in Sofia geborene Plamen Dejanoff würde das Kulturangebot der Stadt gern noch um ein Open-Air-Kino, eine Bibliothek, Künstlerateliers und zusätzliche Ausstellungsräume bereichern. Wie die Künstlerkolonie, die er sich vorstellt, am Ende aussehen soll, darauf gibt ein bronzener Pavillon einen Vorgeschmack, den der Künstler im Juni in der Hamburger Hafencity aufstellte. Weitere Modelle, Bodenplatten und Materialstudien zu Dejanoffs seit 2006 für Bulgarien entwickeltem „Bronzehaus“-Projekt stellt nun der Hamburger Kunstverein aus, der auch Zeichnungen und Objekte von Vorbildern wie Donald Judd, Gordon Matta-Clark oder Le Corbusier ankündigt.

Kunstverein Hamburg („Der Kunstverein, seit 1817“) 1.10. – 30.12.

Stuttgart: Teresa Burga

Teresa Burga hält sich eher an bereits bestehende städtische Strukturen: Für „Urbane Landschaft 19...“ etwa schlug die peruanische Künstlerin Ende der siebziger Jahre eine Rundumvermessung der Plaza de Armas in Lima vor. Neben Raummaßen sollten auch Licht, Wetter, Geräusche und astronomische Daten in ihre Erhebung einfließen. Für „Selbstporträt. Struktur. Report. 9.6.1972“ hatte sich Burga bereits selbst vermessen. Für eine andere Installation wurde 1980/81 das allen Idealmaßen trotzende Profil der peruanischen Durchschnittsfrau erstellt. Der Württembergische Kunstverein würdigt die außerhalb Perus kaum bekannte frühe Vertreterin lateinamerikanischer Konzeptkunst nun mit einer über 100 Zeichnungen, Installationen, Objekte, audiovisuelle und interaktiven Arbeiten umfassenden Retrospektive. Neben pseudowissenschaftlichen Vermessungen werden in „Die Chronologie der Teresa Burga: Berichte, Diagramme, Intervalle / 29.09.11“ auch eine Reihe unbrauchbarer Apparaturen („Nutzloses Spielzeug“, 1972/73) und vier aus dem Fernsehprogramm vom 27. Dezember 1973 herausgefilterte „Botschaften“ ausgestellt. Für letztere zerlegte Burga unter anderem die jeweils ausgestrahlten Informationen in ihre Einzelbuchstaben, um sie auf 27 Schreibmaschinenseiten zu abstrakten Mustern anzuordnen.

"Die Chronologie der Teresa Burga: Berichte, Diagramme, Intervalle / 29.09.11“ Württembergischer Kunstverein Stuttgart 30.9. – 8.1.2012. Am Samstag, 1. Oktober, führt die 76-jährige Künstlerin um 14 Uhr gemeinsam mit den Kuratoren Dorota Biczel, Miguel A. López und Emilio Tarazona durch ihre Ausstellung.

Essen: CalArts Plays Itself

Richard Wagners Gesamtkunstwerkkonzept inspirierte Walt Disney bei der Idee für eine private Kunsthochschule ebenso wie das interdisziplinär ausgerichtete deutsche Bauhaus. Schließlich fand er bei seinen Trickfilmproduktionen für Künstler aller Disziplinen Verwendung: Das von Disney 1961 eröffnete "California Institute of Arts" (kurz CalArts) bildet seit 50 Jahren neben Trickfilmzeichnern, Regisseuren, Schauspielern und Drehbuchautoren auch Tänzer, Komponisten und Bildende Künstler aus. Berühmte Filmemacher wie Tim Burton („Nightmare Before Christmas“) oder Pixar-Trickfilmregisseur- und –produzent John Lasseter („Toy Story“, „Cars“) gingen in Valencia im Los Angeles County durch Disneys Schule. Wer möglicherweise in ihre Fußstapfen tritt, lässt sich vom 29. September bis 2. Oktober beim Festival „CalArts Plays Itself“ herausfinden, das das „Performing Arts Choreographische Zentrum“ (PACT) im Rahmen der Ruhrtriennale in Essen austrägt. In den Duschen, Fluren, Studios und auf den Terrassen der ehemaligen Waschkaue der Zeche Zollverein präsentieren CalArts-Studierende aktuelle Skulpturen, Klang- und Videoinstallationen, Fotos und Filme.

PACT Zollverein, 29.9.-2.10. Am Donnerstag (29.9.) wird um 19 Uhr ein Best-of der Experimental- und Animationsfilmklassen gezeigt. Am Freitag (30.9., 20 Uhr) bieten die Studierenden ein Musik- und Performanceprogramm, am Samstag Tanz (Samstag, 1.10., 19 Uhr) und Filme (1.10., 20 Uhr). Ausstellung (mit Installationen und Peformances): 29.9. ab 18 Uhr, 20.9. und 1.10. ab 15 Uhr, 2.10. ab 12 Uhr.

Karlsruhe: Denisa Lehocka und Boris Ondreicka

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Denisa Lehocka sammelt Äste und Steine, Kreidestücke und Klebeband, um sie mit ihren täglichen Zeichnungen auf Notiz- und Notenpapier auszustellen. Boris Ondreicka war mal Sänger einer der wichtigen slowakischen Punkbands, hat in der slowakischen Filiale einer internationalen Werbeagentur gearbeitet und als Kurator Aktionen veranstaltet, wie ein Gipfeltreffen von Künstler Thomas Hirschhorn und Kurator Roland Fleck: Hirschhorn boykottierte die Schweiz, Fleck Österreich, sie trafen sich in Bratislava auf neutralem Grund. Nun stellen Denisa Lehocka und Boris Ondreicka gemeinsam im badischen Kunstverein aus, sie lassen ihre Werke sich gegenseitig kommentieren – es ist ihre erste umfangreiche Werkpräsentation in Deutschland.

Try to describe the colour of pure (still) water, my dear. Badischer Kunstverein, Eröffnung 29. September, 19 Uhr. 30.9-27.11.