Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Autorin Maja Hoock empfiehlt diese Woche Kunst im Baumarkt, in einer alten Brauerei und aus der Ukraine.

Hamburg: [new]kraine

Das Wortspiel, das der Fotoausstellung "[new]kraine" ihren Namen gibt, verrät bereits viel über ihren Inhalt. Es geht um neue Sichtweisen auf ein Land, bei dem viele Westeuropäer an wenig mehr denken als an seine sowjetische Vergangenheit oder die Klitschko-Brüder.

Drei ukrainische und ein deutscher Künstler zeigen die Ukraine sowohl aus der Innen- als auch aus der Außenperspektive. Der Hamburger Fotograf Maik Freudenberg versucht mit seinen Fotografien nicht das Andersartige zu zeigen, sondern das Normale. Jeder findet hier einen Platz, der in den Augen des Fotografen das zweitgrößte Land Europas ausmacht: ein behaarter, braungebrannter Männerrücken vor strahlend blauem Meer, eine einsame blonde Frau auf einem verlassenen Klettergerüst. Freudenbergs farbintensive Bilder zeigen, dass vieles bei uns ganz ähnlich ist. Oder eben ganz anders.

Die Ausstellung wird am 18. September eröffnet und ist bis 1. Oktober zu sehen.

Nürnberg: El Dorado. Über das Versprechen der Menschenrechte

El Dorado, das sagenhafte Goldland, in dem es Hunger und Armut nicht mehr gibt, wurde bis jetzt noch nicht entdeckt. Die Hoffnung darauf besteht in manchen Köpfen noch immer. Darin sehen die Veranstalter der gleichnamigen Ausstellung in der Nürnberger Kunsthalle eine Metapher für die Sehnsucht nach einer Zeit, in der die Menschenrechte nicht nur versprochen, sondern auch eingehalten werden. 16 Künstler zeigen mit Skulpturen, Installationen, Fotografien und Zeichnungen auf, dass diese Ära noch lange nicht angebrochen ist. Dabei wird nicht nur Offensichtliches wie die Verletzung des Rechts auf körperliche Unversehrtheit durch Krieg angeprangert. Mal plakativ, mal hintergründig zeigen viele der Arbeiten, dass Chancengleichheit oft eher eine Worthülse, als eine Tatsache ist. Zum Beispiel Martha Roslers Fotomontage, in der eine schöne Frau im Abendkleid lächelnd einen Vorhang über eine flammende Kriegsszene wirft. Oder die schäbigen Wellblechhütten in Oliver Bobergs Fotografie "Kleiner Slum 1", die aussehen, als könnten sie jederzeit zusammenbrechen. So wird deutlich, dass nach dem "El Dorado der Menschenrechte“ auch noch lange gesucht werden muss. Zumindest eine Gruppe Jugendlicher hat ihr Goldland bereits gefunden; wenn auch nur als Fotografie auf einem Leuchtkasten von Danica Dakić.

Die Ausstellung "El Dorado. Über das Versprechen der Menschenrechte" ist im Rahmen des Themenschwerpunktes "Alles was Recht ist!" im Kunstkulturquartier noch bis zum 15. November in der Kunsthalle Nürnberg zu sehen.

Freiburg: Gebräu 1

Es brodelt in der alten Ganter-Brauerei in Freiburg. Die junge Fotografie-Elite aus Deutschland, Österreich und der Schweiz trifft sich im äußersten Süden des Landes um ihre Arbeiten zu präsentieren. Auf 900 Quadratmetern hell gekachelter Fläche sind ab dem 18. September Fotos von 13 Künstlern zu sehen, darunter etwa die Porträts des diesjährige Werbefotopreisträgers Christian Breevaart. Mit nacktem Oberkörper blicken seine jungen Porträtierten schüchtern in die Kamera oder auf den Boden. Die Atmosphäre der leeren Halle verstärkt den Eindruck der Schutzlosigkeit noch. Auch die bedrückend nahe Ansicht einer Augenoperation von Daniela Groz passt in die Kühle der stillgelegten Kachelhalle. Vielleicht vergessen manche Besucher dabei, dass sie sich in einer Traditionsbrauerei befinden.

"Gebräu 1“ eröffnet am Freitag, den 18. September, in der Freiburger Ganter-Brauerei und endet am 9. Oktober.

Frankfurt am Main: Dude, where's my career?

"Dude, where’s my career?", also "Kumpel, wo is’ meine Karriere?“, ist nicht nur der Name eines Handbuchs für Studienabgänger, sondern auch bezeichnend für die Situation der Absolventen der Städel-Kunsthochschule in Frankfurt am Main. Sie haben ihr Studium beendet, werden nun auf den freien Kunstmarkt entlassen und müssen sich gegen harte Konkurrenz durchsetzen. Darum ist die provokant gestellte Frage auch der Titel für die diesjährige Abschlussausstellung der 27 jungen Künstler. An zwei Ausstellungsorten zeigen sie Skulpturen, Videoinstallationen, Fotografien und Malerei; täglich wird eine Performance beide Häuser miteinander verbinden. Vielleicht können die Absolventen durch diese Ausstellung schon einen Vorgeschmack darauf bekommen, wie es denn nun mit der zukünftigen Karriere steht.

"Dude, where’s my career?" wird am Freitag, 18. September, eröffnet und endet am 4. Oktober.

Hamburg: Encastrable. Antoine Lejolivet & Paul Souviron

Am Samstag, den 19. September finden diejenigen Genugtuung, die keine Lust mehr auf Kunst in statischer Museumsatmosphäre haben. Antoine Lejolivet und Paul Souviron machen sich frei von der Ortsgebundenheit vieler Ausstellungen. Sie performen ihre Kunst direkt dort, wo sie ihre Materialien dazu finden: im Baumarkt. Aus Wellblech, Einkaufswagen und orangefarbenen Mützen lassen sich hervorragend Installationen errichten. Auf die für eine Vernissage üblichen Häppchen und Getränke wollen die beiden Künstler trotz aller Subversivität nicht verzichten. Spätestens bei der geplanten Führung durch den Ausstellungsraum Baumarkt wird die Geschäftsführung wohl aufmerksam werden. Nun ja, ein Rauswurf ist vermutlich sowieso eingeplant. Und wie erfährt man den geheimen Ort? Hinterlässt man seine Mailadresse oder Handynummer auf der Internetseite der Ausstellungsreihe "PARASITES – illegal exhibitions“, bekommt man 24 Stunden vor der Vernissage eine Nachricht, welcher Baumarkt nun auserkoren wurde. Das französische Wort "encastrable“ heißt im Deutschen übrigens soviel wie "einbaubar". Besser hätte der Titel der illegalen Ausstellung im Heimwerkerparadies kaum gewählt werden können.