Gib mir Fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Diesmal mit Cornelius Völker, "Chinesische Dinge", "Die Nacht der Villa Massimo Rom in Berlin", "Die Peredwischniki" und "Das Digitale Unheimliche"

Wuppertal: Cornelius Völker

Für den Maler Cornelius Völker gibt es kein noch so alltägliches, banales Motiv, das er nicht in ein Gemälde verwandelt: vom kleinformatigen Meerschweinchen bis hin zur riesigen Schokoladentafel, von Feuerzeug, Badeschlappen und Küchentüchern bis hin zu Halbfiguren, die Feinripp-Unterwäsche tragen.

Der 1965 in Kronach geborene Künstler arbeitet mit der gesamten Bandbreite malerischer Möglichkeiten. Mal trägt er die Farbe klassisch mit dem Pinsel auf, mal dick gespachtelt, geschmiert oder geschüttet, und andere Male verstreicht er sie dünn und fein. In vielen Bildern sind Duktus und Handschrift deutlich zu erkennen, in anderen erscheint die Farbe fast wie maschinell aufgetragen. Völkers Malerei bewegt sich zwischen den Polen Abstraktion und Gegenstand, zwischen Thema und Komposition. Dabei verfolgt er einen konzeptuellen Ansatz, indem er selbstreflexiv die malerischen Mittel thematisiert: die Wirkung von Materialität, vom Auftrag und vom Ausdruck der Farbe. Auf seine ganz eigene Art greift er sowohl die Bildsprache Alter Meister als auch der Pop Art auf. Die Ausstellung in der Kunsthalle Wuppertal gibt einen Überblick über sein malerisches Schaffen der letzten 20 Jahre.

Von der Heydt-Kunsthalle, Wuppertal, 26. Februar bis 27. Mai

Frankfurt: Chinesische Dinge

China hat sich in den vergangenen 30 Jahren grundlegend verändert. Mit großer Geschwindigkeit hat sich das alte China auf diffuse Weise zu einer international-modernen Lebensform entwickelt. Was lässt sich da als chinesisch bezeichnen? Die "Popcorn Idea Factory" aus Peking möchte mit ihrer Reihe "Essentially Chinese" Geschichten erzählen, die sich hinter alltäglichen Dingen des modernen Chinas verstecken. Aus dieser Reihe ist auch die Ausstellung "Chinesische Dinge" im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst entstanden, die auf dem gleichnamigen Buch basiert, das 2008 erschienen ist. Das Projekt wird von der Suche nach Dingen motiviert, die eine spezifische chinesische Qualität haben. Diese werden in der Ausstellung hinsichtlich ihrer gesellschaftlich-kulturellen Bedeutung vorgestellt. Auch wenn die ausgewählten Dinge zunächst banal erscheinen, verraten sie aus kulturanthropologischer Sicht viel über ein Land, das wir in seiner Alltagskultur oft kaum kennen. 2011 wurde die Ausstellung in Peking während der Beijing-Design-Woche gezeigt. In Frankfurt wird diese jedoch um eine "deutsche Definition" erweitert. Unter dem Motto "Was sind für Sie Chinesische Dinge" haben Besucher des Museums und Interessierte passende Dinge zusammengetragen, die in wechselnden Präsentationen den aus Peking gelieferten Dingen zur Seite gestellt werden.

Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt, 23. Februar bis 27. Mai

Berlin: Die Nacht der Villa Massimo Rom

Eine energiegeladene Performance bildet den Auftakt der Nacht der Villa Massimo Rom im Berliner Martin-Gropius-Bau. Sie ist eine Gemeinschaftsproduktion des Komponisten Saam Schlamminger, des Designers Peter Zizka sowie der Tänzerin und Choreografin Soo-Jin Yim Heil. Diese sowie neun weitere Stipendiaten des Jahrgangs 2011 der Villa Massimo stellen Arbeiten vor, die während ihres Aufenthalts in Rom entstanden sind oder speziell für den Abend geschaffen wurden. Zum sechsten Mal ist die Villa Massimo Rom für eine Nacht zu Gast im Martin-Gropius-Bau. Fotografien, Bilder, Videoarbeiten und raumgreifende Installationen von Via Lewandowsky, Julia Schmidt und Maria Sewcz werden in den Ausstellungsräumen zu sehen sein. Matthias Graf von Ballestrem und Andrea Hartmann sind mit Architekturmodellen und Skizzen vertreten. Jan Weiler liest Gedichte und Lutz Seiler Auszüge aus seinem Essay "Fußball in Rom", die von einer Diashow untermalt werden. In zwei gemeinsamen Konzerten werden Werke der Komponisten Marc Sabat und Sven-Ingo Koch zu hören sein. Gespielt werden ihre Kompositionen von dem Sonar Quartett, dem weltberühmten Klarinettisten Chen Halevi, der Flötistin Lucia Mense, dem Gitarristen Seth Josel und dem Schlagzeuger Dirk Rothbrust. Der von der Stadt Rom inspirierte Abend beginnt heute um 19.30 Uhr.

Martin-Gropius-Bau, Berlin, 23. Februar, 19.30 bis 22.30 Uhr, Eintritt frei

Chemnitz: Die Peredwischniki – Maler des russischen Realismus

Mit dem Ziel der künstlerischen Freiheit gründete sich die Gruppe Peredwischniki 1870 in Sankt Petersburg. Mit Porträts, Landschafts- und Genredarstellungen brachen die Künstler die in Inhalt und Form erstarrte traditionelle Akademienmalerei auf. Die Peredwischniki verwendeten eine freiere Malweise und hellere Farben als die traditionelle dunkle Farbepalette jener Zeit. Ihre Motive entnahm die Künstlergruppe der russischen Gesellschaft. In realistischem Stil malten sie arme Landarbeiter, politische Aktivisten und Gefangenschaft ebenso wie mythologische Themen oder die idyllische russische Landschaft. Schnell entwickelte sich die Peredwischniki-Bewegung zu einer treibenden Kraft in der russischen Kunst. Ganz im Sinne ihres Namens (Wanderer) organisierte die Künstlergruppe bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1923 zahlreiche Wanderausstellungen, um ihre Kunst auch über Moskau und Sankt Petersburg hinaus bekannt zu machen. Die Kunstsammlungen Chemnitz präsentieren jetzt 90 Werke dieser Kunstbewegung, die bisher nur selten in Deutschland zu sehen waren.

Kunstsammlungen Chemnitz, 26. Februar bis 28. Mai

Oldenburg: Das Digitale Unheimliche

Die Ausstellung unternimmt den Versuch, das Unheimliche der technischen Entwicklung zum Ausdruck zu bringen. Die Arbeiten von acht internationalen Künstlerinnen und Künstlern machen Impulse des Unheimlichen erfahrbar, die von medien- und technikspezifischen Eigenschaften ausgehen. In "Das Digitale Unheimliche" wird der Besucher durch seinen eigenen Bezug beispielsweise zu Film, Fernsehen oder Internet als Betrachter, Benutzer oder Konsument angesprochen. Die Hamburgerin Cordula Ditz macht zum Beispiel mit ihrer Videoarbeit deutlich, dass das Unheimliche tief in unserem kollektiven Bildgedächtnis verankert ist. Sie entfernte alle Szenen des italienschen Horrorfilms "Suspiria", in denen Personen vorkommen. Doch durch die Filmschnitte, Kameraführung, Geräuschkulisse und Lichteffekte wird die angstbehaftete Atmosphäre auch durch die menschenleere Montage transportiert. Der österreichische Künstler David Moises zeigt einen scheinbar geisterhaft belebten Automaten, aus dem eine mechanische Hand zum Vorschein kommt, die sich selbstständig ausschaltet. So führt er uns die Ungewissheit über die Funktionsweisen technischer Geräte vor. Mit weiteren unheimlichen Arbeiten von Peter Campus, Bogomir Doringer, Torsten Lausmann, Bjørn Melkus, Bernd Oppl und Liddy Scheffknecht zeigt das Oldenburger Edith-Russ-Haus ein vielfältiges Spektrum an Medienkunst.

Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Oldenburg, 23. Februar bis 20. Mai