Gib mir Fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Diesmal mit "Berlin zeichnet", Chris Killip, "Wir sind alle Astronauten", Josephine Pryde und "Mengeles Schädel"

Kiel: Berlin zeichnet

Die Stadtgalerie Kiel befragt das Medium der Zeichnung: Unterschiedlichste Vertreter der Kunstszene Berlins werden mit Zeichnungen auf Papier vorgestellt. Die Kunstmetropole Berlin wächst stetig, und die Lebendigkeit der Kunstszene übt eine große Faszination auf Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt aus. Die Kieler Ausstellung "Berlin zeichnet" nimmt diese künstlerische Kraft der Stadt Berlin zum Anlass, um ein breites Spektrum an zeichnerischen Stilen zu präsentieren.

22 künstlerische Positionen umfassen eine Zeitspanne von fast 50 Jahren; sowohl Arbeiten aus den sechziger Jahren, als auch frisch aus den Ateliers kommende Werke werden gezeigt. Beispielsweise sind Arbeiten von Daniel Richter, Takehito Koganezawa, Jonathan Meese, Marc Brandenburg, Ralf Ziervogel, Rainer Fetting, Dieter Goltzsche und Jorinde Voigt zu sehen. Das Spektrum der Zeichnung, die sich als autonomes Kunstwerk schon seit langem etabliert hat, reicht von Studie und Skizze über Dokumentation und Porträt bis hin zu Fantasiegebilden. Durch das Zeichnen wird nicht nur ein Abbild der Welt geschaffen, sondern auch eine Facette des Spiegelbildes vom künstlerischen Selbst zum Vorschein gebracht.

Stadtgalerie Kiel, 4. Februar bis 9. April

Essen: Chris Killip

Die Schwarzweißfotografie bedeutet für Chris Killip eine Konzentration auf das Inhaltliche. Der größte Teil seines fotografischen Schaffens entstand im Norden Englands. Hier fotografierte Killip auch für sein Projekt "In Flagrante", das er 1988 als Fotobuch veröffentlichte und mit dem er internationale Anerkennung erhielt. Sein Interesse bei dem Projekt, an dem er zwischen 1975 und 1987 arbeitete, galt der Beziehung der Menschen zu ihren Lebensräumen. Der 1946 geborene britische Fotograf beschäftigt sich in seinen langfristigen Dokumentationen hauptsächlich mit dem alltäglichen Leben der britischen Arbeiterklasse. Seine Bildserien schließen sich zu einer Form fotografischer Erzählung zusammen, die durch Killips persönlichen Blick auf die Landschaft und die Menschen seines Heimatlandes bestimmt wird. Seine Fotografie bewegt sich "zwischen Distanz und Nähe, zwischen sachlicher Beschreibung und subjektiver Stellungnahme". Diese konzentrierte Sichtweise auf regionale und lokale Gegebenheiten, die bereits der britischen Dokumentarfotografie in den siebziger Jahren eine neue Perspektive gegeben hatte, kann vielleicht auch in der heutigen globalisierten Welt zu einer förderlichen Reflexion führen.

Museum Folkwang, Essen, 4. Februar bis 15. April

Friedrichshafen: Wir sind alle Astronauten – Universum Buckminster Fuller im Spiegel zeitgenössischer Kunst

Rastloser Erfinder, Vorausdenker, Visionär – Richard Buckminster Fuller wollte unser Wohnen und unsere Fortbewegung revolutionieren, er wollte die Mathematik neu erfinden und war schon früh auf Nachhaltigkeit bedacht. Der Amerikaner war von der Idee besessen, eine perfekte architektonische Form zu entwerfen, die er in seinen geodätischen Kuppeln gefunden zu haben glaubte. Durch diese sphärischen Gewölbe, deren Substruktur aus Dreiecken besteht, wurde Fuller auch bekannt; vor allem durch die "Biosphère", den von ihm konstruierten Ausstellungspavillon der USA für die Expo 67 in Montreal. Fuller faszinierte durch seine Erfindungen nicht nur Architekten und Stadtplaner, sondern auch zahlreiche zeitgenössische Künstler. Dieser Anziehungskraft widmet sich die Ausstellung "Wir sind alle Astronauten" im Zeppelin Museum Friedrichshafen, die in Kooperation mit dem Marta Herford entstanden ist. Sie zeigt das Denken und Wirken des Erfinders im Spiegel zeitgenössischer Kunst. Künstler wie Ai Weiwei, Björn Dahlem und Tomás Saraceno sind nur einige von vielen, die sich dem visionären Formenrepertoire Fullers bedienen. Werke von insgesamt 19 Künstlerinnen und Künstlern werden in Friedrichshafen neu arrangiert zu sehen sein, die das utopische Potential Buckminster Fullers in ihren Arbeiten reflektieren.

Zeppelin Museum Friedrichshafen, 3. Februar bis 6. Mai

Düsseldorf: Josephine Pryde

Die Ausstellung "Miss Austen Enjoys Photography" im Kunstverein in Düsseldorf zeigt einen Rückblick auf Josephine Prydes fotografisch-bildnerisches Arbeiten aus zwei Jahrzehnten. Die britische Künstlerin wurde 1967 in Ainwick geboren und arbeitet bevorzugt mit dem Medium Fotografie. Mit einer aktuellen, vor Ort entstandenen fotografischen Arbeit schafft die Künstlerin eine Art Rahmenerzählung und macht in dieser ihre eigene Retrospektive zum Gegenstand. Für die Neuproduktion wurde ein Aufnahme-Set in der Ausstellung aufgebaut. "Miss Austen Enjoys Photography" zeigt das vielfältige Spektrum Prydes künstlerischen Schaffens, das um die Spannung kreist, konzeptuelle und visuelle Strategien gegeneinander auszuspielen. In ihren Serien "Therapie Thank You" und "Therapie Thank You Thank You", die 2010 entstanden sind, kombiniert sie großformatige Fotografien mit Objekten. Bilder von Stoffdrapierungen und Faltenwürfen stellt sie Mobiles gegenüber, die aus Schleifen, Fleischerhaken und geflochtenen Körben bestehen. So ergeben sich Zusammenhänge zwischen den einzelnen Werken. Die britische Künstlerin Josephine Pryde macht in ihren Zusammenstellungen auch immer wieder das Ausstellen und seine Bedingungen selbst zum Thema. So diskutiert ihre Schau im Kunstverein Düsseldorf "Ausstellen" konzeptionell sowohl aus künstlerischer als auch institutioneller Perspektive.

Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf, 4. Februar bis 9. April

Frankfurt: Mengeles Schädel – Der Aufstieg der forensischen Ästhetik

Der Titel der Ausstellung "Mengele’s Skull" ist dem gleichnamigen Buch von Thomas Keenen und Eyal Weizmann entlehnt. In diesem wird die forensische Identifizierung der 1985 ausgegrabenen Leiche des Nazi-Arztes Joseph Mengele diskutiert. Die Ausstellung zeigt Arbeiten der Filmemacherin und Künstlerin Hito Steyerl, in denen sie auf die Thesen des Buches reagiert. Die forensische Untersuchung von Mengeles Überresten läutet eine Wende ein, indem Gegenstände, hier menschliche Gebeine, als Zeugen vergangener Ereignisse auftreten. Aber wie funktioniert diese Erstellung von forensischen Beweismitteln, welche Rolle spielen Technologien wie 3D-Scans und biomedizinische Daten? Steryl rekonstruiert in ihrer Installation "The Kiss", die im Hauptraum des Portikus Frankfurt zu sehen ist, durch forensische 3D-Technologien ein Ereignis aus dem Bosnienkrieg. Eine paramilitärische Einheit entführte 1993 eine Gruppe Passagiere aus einem Zug, die nie wieder gesehen wurden. Die Identität eines Entführten ist bis heute unbekannt. Steryl beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit der Abwesenheit verlässlicher Informationen und Daten. In einem weiteren Film, ihrem Zweikanal-Video "Leibniz Skull", thematisiert sie die Gewissheiten und Ungewissheiten forensischer Identifizierungsmethoden. Der Kurator Anselm Franke präsentiert Hito Steryls Arbeiten in Kombination mit Dokumentar- und Quellenmaterial.

Portikus Frankfurt, 4. Februar bis 6. Mai