Gib mir Fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Die Highlights der Woche, diesmal mit: Eva Rothschild, METAmART, Luke Fowler+Toshiya Tsunoda, Gareth Moore, Lara Almarcegui, Florian Germann

Hannover: Eva Rothschild

Abstrakte Skulpturen in linearer Formensprache präsentiert die irische Künstlerin Eva Rothschild im Kunstverein Hannover. "Hot Touch" – der Name ihrer ersten Einzelausstellung in Deutschland – verrät, dass den Besucher keineswegs nüchterne Gestaltungen erwarten. Rothschild spielt in ihren minimalistischen Figuren mit dem Gegensatz von klaren Linen und natürlichen Formen. Sie verwendete dabei verschiedene Materialien wie Leder, Ton oder Holz die sie mit industriellem Metall verbindet.

Ein Höhepunkt der Präsentation ist die Fotoreihe "People with Snakes", wofür die Künstlerin kürzlich ein Shooting im Kunstverein initiiert hatte. Freiwillige Bürger aus Hannover und Umgebung, sowie der ein oder andere Mitarbeiter des Kunsthauses, wurden zusammen mit Königspython, Kornnatter oder Boa abgelichtet. Ein "Hot Touch" von Mensch und Tier, bei dem den Betrachtern abwechselnd heiß und kalt wird.

Kunstverein Hannover. 19. November 2011 bis 29.01.2012

Wien: METAmART. Experimentelle Kunstmesse

"Experimentelle Kunstmarktforschung" wird auf der METAmART Verkaufsmesse im Kunsthaus Wien betrieben. Wie sollte Kunst vermarktet und verkauft werden? 14 neue "Marktmodelle" werden vorgestellt, jeder Künstler bietet insgesamt zwei Werke innerhalb dieser Modelle an. Die bisher gängigen Strategien werden dabei überspitzt genutzt. Beispielsweise darf ein Verkaufsraum nur mit Dresscode betreten werden ("Kravattenpflicht und Perlenkettenpflicht"), in einem anderen werden die Werke nur anonym angeboten, dürfen nur in Einheitsgrößen (zum Beispiel ein Quadratdezimeter) oder zu einheitlichen Preisen verkauft werden. Gleichzeitig dient die Messe als Kommunikationsforum für Künstler und Interessenten. Bei einem so genannten "Ausstellungsparcours" stellen dann nächste Woche verschiedene junge Künstler ihre Sichtweisen und mutmaßlichen Methoden vor, um auf dem Kunstmarkt zu überleben. "Wie inszeniere ich mich und meine Kunst am besten? Mache ich meine Kunst mit den neuen Medien nicht zum Opfer des Konsums? Was nutzen soziale Netzwerke?", sind nur einige der Fragen, die gestellt werden.

Kunsthaus Wien. 16. bis 20. November (Die Marktmodelle), 24. November 2011 bis 19. Februar 2012 (Der Ausstellungsparcous)

Bielefeld: Luke Fowler+Toshiya Tsunoda; Gareth Moore

Von diesem Samstag an steht der Bielfelder Kunstverein bis Ende Januar 2012 im Zeichen des 16-Millimeter-Films. Mit "Imprint/Field/Surface" haben sich die Künstler Luke Fowler und Toshiya Tsunoda zu einem Ausstellungprojekt aus Bild und Ton zusammengeschlossen, und für "Children’s Films" hat Gareth Moore Kurzfilme von Künstlerkollegen zu einem Ganzen gefügt. Die Verbindung von Sehen und Hören steht im Zentrum von Fowlers und Tsunodas Schaffen. Der Engländer Fowler stellt auf seine Weise filmische Porträts auf 16 mm-Basis her. Dabei collagiert er eigene Aufnahmen, Archivmaterial und Neuinterpretationen von Texten, welche die Protagonisten selbst fast in den Hintergrund treten lassen. Toshiya Tsunoda konzentriert sich auf das Hören. Er nimmt Geräusche im Außenraum auf ("Field Recording") und verdichtet sie zu Kompositionen, die wir mit dem menschlichen Gehör auf diese Weise in unserer Umgebung nie wahrnehmen können. Die Ausstellung in Bielefeld besteht aus einer gemeinschaftlichen Arbeit, einer Videoarbeit von Fowler sowie vier Collagen und zwei Klanginstallationen von Tsunoda.
Gareth Moore wartet mit einem gänzlich anderen Projekt auf: Er produzierte einen Film, der ausschließlich für Kinder gedacht ist. Er besteht aus fünf Kurzfilmen seiner Künstlerkollegen Ulla von Brandenburg, Keren Cytter, Geoffrey Farmer, Julia Feyrer und Harrel Fletcher. Vorbild für Moore waren dabei die "Children’s Tapes" des amerikanischen Aktionskünstlers Terry Fox. Die Vorführung birgt eine Besonderheit, mit der Moore das gängige Kunstpublikum unterwandert: Der Film läuft nicht im Kunstverein, sondern wird wöchentlich als eine Art Wanderkino in verschiedenen Bielefelder Schulen, Kinder- und Jugendzentren gezeigt. Er darf ausschließlich nur von Kindern gesehen werden, Erwachsene dürfen ihn nur in Begleitung eines Kindes anschauen.

Kunstverein Bielefeld. Luke Fowler & Toshiya Tsunoda; Gareth Moore, 19. November 2011 bis 29. Januar 2012

Bremen: Lara Almarcegui

Wenn man sich aufmerksam durch eine Stadt bewegt, dann sieht man sie hin und wieder: ungenutzte Bauflächen, die zwischen Häuserzeilen als Brachland verwildern. Man fragt sich, was für eine Architektur denn als nächstes dort entstehen wird oder ob dort überhaupt noch etwas gebaut werden soll. Genau diesen Flächen widmet sich die spanische Künstlerin Lara Almarcegui in ihrer ersten Ausstellung auf deutschem Boden, "Brachflächen, Grabungen, Baustoffe". Sie betrachtet diese Flächen als Freiheitsräume und Ausgleich zur urbanen Architektur. In den vergangenen Jahren dokumentierte und archivierte sie akribisch die Daten dieser Gebiete in verschiedenen Städten der Welt. Ihr Augenmerk legte sie auf historische, geografische, ökologische und soziale Aspekte. Zu sehen sind die Ergebnisse als Installationen, Pläne, Fotos und Broschüren, die das Fortschreiten des jeweiligen Städtebaus dokumentieren. Die Künstlerin möchte diese leeren Räume schützen oder zumindest konservieren, sie sollen für bestimmte Zeit oder dauerhaft keinen baulichen Eingriffen ausgesetzt sein. Für Bremen hat sie daher ein neues Projekt ins Leben gerufen: Für ein Terrain im Stadtgebiet Überseehafen erstellte sie eine Broschüre über seine Geschichte, Gegenwart und Zukunft erstellt. Ein weiteres Werk aus der Vergangenheit ist "Konstruktionsmaterial Lunds Centrum". Eine schriftliche Vergrößerung aller baustofflichen Daten, aus denen das Zentrum der dänischen Stadt Lund besteht.

Künstlerhaus Bremen. 19. November 2011 bis 12. Februar 2012

Zürich: Florian Germann

Nun also der Poltergeist. Nachdem der Schweizer Künstler Florian Germann sich in einer seiner letzten Ausstellungen dem Phänomen der Werwölfe widmete, baut er nun eine Versuchsanordnung zu Geisterscheinungen und ihrer physischen Form, dem Elektroplasma. Unter dem Titel "The Poltergeist Experimental Group" spinnt er in seiner ersten institutionellen Einzelausstellung eine Geistergeschichte. Germann ist gelernter Steinmetz und hat als Restaurator gearbeitet, daher gilt seine besondere Aufmerksamkeit dem Material. Auch im Züricher Migrosmuseum wird er in einer geheimen Aktion vor Ausstellungsbeginn die Arbeiten "aktivieren". Dieser Aktivierungs-Prozess ist für den Betrachter nur noch als Spur an den Objekten ablesbar.

Migrosmuseum Zürich. Eröffnung Freitag 18. November, 18 Uhr, bis 15. Januar 2012.