Gib mir Fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Diesmal mit Mariella Mosler, Benefiz-Kunstauktion "LebensKünstler", Ryoji Ikeda, Cologne Contemporaries und Sandra Vásquez de la Horra

Gießen: Mariella Mosler – Semiglot

Mariella Mosler dienen verschiedene, zum Teil sehr ungewöhnliche Materialien als markantes ästhetisches Mittel. Die Bandbreite reicht von Alltagsmaterialien wie Wellpappe oder Plastikfolie über Hanfstricke und Sand bis hin zu Süßigkeiten wie Fruchtgummi oder Liebesperlen. Im Umgang mit diesen Materialien schafft Mosler großflächige, präzise, geometrische und ornamentale Strukturen.

Die 1962 in Oldenburg geborene Künstlerin ist vor allem seit ihrer documenta-Teilnahme 1997 durch ihre Aufsehen erregenden großflächigen Boden- und Wandarbeiten bekannt. In der Ausstellung "Semiglot" in der Kunsthalle Gießen zeigt Mosler eine speziell für den Raum entworfene Bodeninstallation aus zirka 650 Kilogramm bunten und silbernen Zuckerperlen. Die Materialität der Süßigkeiten unterstreicht den Charakter des verspielten Ornaments, der auf den Gegensatz der konzeptionellen Strenge durch die geometrischen Formen trifft. Weiterhin sind über 60 Arbeiten aus Moslers Werkreihe der "Masken" zu sehen, die an der zentralen Schauwand der Halle installiert sind. Ihr jeweils individuelles Auftreten durch die unterschiedliche Bearbeitung und Materialität spannt einen Bogen vom Kult- und Traditionsobjekt bis hin zum billigen Gruseleffekt. Auch das Publikum kann sich an dem Masken-Kabinett beteiligen: In einem museumspädagogischen Workshop mit der Künstlerin sollen weitere Masken entstehen, die ebenfalls in der Kunsthalle präsentiert werden.

Kunsthalle Gießen, 29. Januar bis 1. April

Hamburg: Benefiz-Kunstauktion "LebensKünstler"

Werke von Beuys, Bock oder Rehberger kaufen und dabei etwas Gutes tun, nach dieser Devise funktioniert die Benefiz-Kunstauktion "LebensKünstler". Bereits zum sechsten Mal findet die Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten der NCL-Stiftung nun schon in Hamburg statt. Auch diesmal kann sich die Künstlerliste sehen lassen. Im Angebot sind unter anderem Druckgrafiken von André Butzer und David Schnell zum Schätzpreis von 625 beziehungsweise 400 Euro, eine Gemeinschaftsarbeit von Joseph Beuys und Harald Naegli für 750 Euro und eine Collage von John Bock zum Schätzpreis von 3000 Euro. Die Werke wurden von Künstlern und Galerien gespendet. Der Erlös der Auktion, die von Christie’s Deutschland-Geschäftsführerin Christiane Gräfin zu Rantzau durchgeführt wird, kommt der Erforschung der seltenen Kinderkrankheit NCL (Neurale Ceroid Lipofuszinose) zugute. Jährlich erkranken in Deutschland 15 bis 20 Kinder an der tödlich verlaufenden Stoffwechselkrankheit – offenbar zu wenige für eine Forschungsoffensive der Pharmaindustrie. Genau dafür setzt sich die gemeinnützige NCL-Stiftung ein.

Hamburg Marriott Hotel, 30. Januar, 19 Uhr

Berlin: Ryoji Ikeda

Sehr cool, clean und oft ultraschnell sind die audiovisuellen Performances des Japaners Ryoji Ikeda: Zu Techno-Beats und anderen elektronischen Klängen flackern in stockfinsteren Räumen und Hallen geometrische Schwarzweißmuster auf Wänden und Boden. Dabei werden Sinustöne, Klangimpulse oder Rauschen in visuelle Informationen wie zum Beispiel Strichcodes oder Zahlen übersetzt. Mit seinen minimalistischen Spektakeln hat der in Paris lebende Komponist und Klangkünstler, der sich unter dem Namen "Cyclo." mit dem Künstler Carsten Nicolai zusammen getan hat, schon Ausstellungshäuser wie das Centre Pompidou oder den Millenium Dome in London bespielt. Im Hamburger Bahnhof in Berlin verbindet er nun zwei Räume im Obergeschoss durch Komposition miteinander: Ihre symmetrische Architektur wird einerseits im Ausstellungstitel "db" visuell gespiegelt (der außerdem für die Maßeinheit "Dezibel" steht). Andererseits wird mit einer einfachen Schwarz-Weiß-Zuteilung die Grundlage für den nächsten coolen Flimmereffekt gelegt.

Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin, 28. Januar bis 9. April

Köln: Brussels Cologne Contemporaries

Bereits zum fünften Mal laden junge Kölner Galerien am Freitag, den 27. Januar, zu gemeinsamen Eröffnungen und Rundgängen ein. Begleitet wird das Ereignis in diesem Jahr von einer Ausstellung im Carlswerk in Kölln-Mühlheim am 28. und 29. Januar, zu der auch sechs Galerien aus Brüssel eingeladen sind. So wird die CC in diesem Jahr zur BCC: Brussels Cologne Contemporaries. In den vergangenen Jahren wurden in Köln und Brüssel, die als wichtige Produktionsstätten internationaler Gegenwartskunst gelten, zahlreiche Galerien gegründet, die den Fokus auf neue Positionen legen. Eine Auswahl wird am Wochenende im Carlswerk zu sehen sein, wobei es nicht um ein gemeinsames Thema geht, sondern um ein Spektrum junger zeitgenössischer Kunst aus jeweils lokaler Perspektive. Diese subjektive Bestandsaufnahme wurde von der in Brüssel lebenden polnischen Kuratorin Agata Jastrzabek und der Kölner Kuratorin Vanessa Joan Müller aus den Programmen von rund 20 Galerien und Projekträumen zusammengestellt. Zu sehen gibt es in der Gruppenausstellung beispielsweise Arbeiten von Alexandra Hopf, die vom Kölner Projektraum "Zero Fold" vertreten wird. Gleichzeitig zeigt auch "Zero Fold" selbst eine Gruppenausstellung unter dem Titel "Shift", die vom Künstler Christian Aberle konzipiert wurde. Die gezeigten Arbeiten beschäftigen sich mit der "Möglichkeit, eine abweichende Sicht der Dinge bildlich darzustellen und auf diese Weise zu transportieren". Ob beim Galerien-Rundgang oder in der Gruppenausstellung im Carlswerk, bei der Brussels Cologne Contemporaries gibt es jede Menge neue künstlerische Positionen zu entdecken.

Brussels Cologne Contemporaries, Köln, 27. Januar 18-22 Uhr gemeinsame Eröffnungen, 28./29. Januar 12-18 Uhr Galerien-Rundgang & Ausstellung im Carlswerk

Oldenburg: Sandra Vásquez de la Horra

Sandra Vásquez de la Horra zeichnet Phantasiewesen, mit denen sie Ängste, Träume sowie Erinnerungen thematisiert und visualisiert. Ihre Arbeitsmaterialien sind meist Bleistift und älteres Papier, das leicht vergilbt oder geknickt ist. Die fertigen Zeichnungen taucht Vásquez in flüssiges Bienenwachs, wodurch ihre Werke eine seltsame Materialität, fast Objekthaftigtkeit erhalten und ihre Strichführung eine leichte Unschärfe. Religionen und Philosophien verschiedenster Kulturen stellen Themenschwerpunkte ihrer künstlerischen Arbeit dar, denen sie sich mit anthropologischem und ethnologischem Interesse widmet. Ebenso beschäftigt sich die 1967 in Chile geborene Künstlerin mit der Poesie ihrer Heimat, mit südamerikanischen Mythen und Volksmärchen. Ein immer wieder auftauchendes Element in Vásquez' Zeichnungen ist die Typografie. Die Künstlerin lässt Worte in ihre Arbeiten einfließen. Diese tragen jedoch nicht zur Erklärung der gezeichneten Geschöpfe bei. So bleiben Sandra Vásquez de la Horras Zeichnungen am Ende rätselhaft, was den zentralen Charakter und Reiz ihres Werkes ausmacht. In der Ausstellung "El Árbol del Fuego" im Oldenburger Kunstverein gruppiert Vásquez ihre als Einzelbilder geschaffenen Arbeiten in thematische Werkblöcke, die wie Bildergeschichten anmuten.

Oldenburger Kunstverein, 28. Januar bis 18. März