Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diesmal: Erdbeermarmelade und gestickte Decken von Martina Hahn und Gaby Taplick, neue Welten von Olaf Mahlstedt, ein neues Zuhause für Weihnachtsbäume von Felizitas Schäfer, leere Grenzen von Martin Sigmund und einmalige Momente von Xavier le Roy.

Stuttgart: Fotografien von Martin Sigmund

Spätestens seit dem Schengener Abkommen von 1995 will Europa sich als ein Ganzes begreifen, die Grenzen zwischen den Ländern und in den Köpfen der Menschen sollen wegfallen. Vorbei die Zeiten, als das Betreten eines neuen Landes erst nach dem Akt der Grenzkontrollen stattfinden konnte, vorbei die Zeiten, als es ein eindeutiges Hier und Dort gab. Ob die Grenzen, aus den Köpfen der Menschen wirklich verschwunden sind, bleibt fraglich, die Menschen an den Schlagbäumen sind es definitiv. Übrig geblieben sind leere, verlassene Orte, Zeugnisse aus einer anderen Zeit. Ob dieser Zustand Anlass zur Freude oder zur Wehmut ist, beantwortet der Fotograf Martin Sigmund in seiner Werkserie „Border“ nicht, er dokumentiert einfach den Zustand des Jetzt und lässt das Vergangene und die Zukunft leise in seinen Bildern mitschwingen. Die Fotoausstellung eröffnet am 8. Januar um 20 Uhr in der Galerie zero Arts e.V. (Ostendsstrasse 16) und geht bis zum 5. Februar.

Wiesbaden: Grüne Orte von Martina Hahn und Gaby Taplick

Ein zarter Frühlingswind weht im Bellevue Saal (Wilhelmstraße 32) in Wiesbaden. In ihrer Doppelausstellung "PROJECT JARDIN" lassen die beiden Künstlerinnen Martina Hahn und Gaby Taplick ganz viel Grün in das viele Grau. Die „Anlage der Viridarien“ – ein Garten aus dem Mittelalter, eingerichtet nur für das sinnliche Vergnügen und eine, ebenfalls im Saal Bellevue geschaffene Rekonstruktion aus dem Jahre 1962, gaben Anlass zu dieser Rauminstallation, welche vom 7. bis zum 31. Januar zu sehen ist. Das Duo verspricht: "Wir können einen Flecken Erden in einen Garten verwandeln!" – Ja sie können! Das mittelalterliche Grundmuster wurde in taugliche Formen für heute transponiert. Das Ergebnis ist ein Innen Zaubergarten mit Liebe zum Detail, der goldene Schnitt besteht aus einem achtzehn Meter langen Fries aus Zeichnungen und zwei „Rasenbänken“. Beete wurden aus Fundstücken eines alten Schrebergartens zusammengezimmert, Erdbeermarmelade und gestickte Decken gehören genauso in diesem verwunschenen Garten wie Heilpflanzenzeichnungen und der Besucher selbst. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein."

Hannover: Neue Ansichten von Olaf Mahlstedt

Pappe, Papier, Plastik. Knistern und Rascheln als vertraute Geräuschkulisse im Alltag: Müll, meistens achtlos weggeworfen. Was für die meisten ordinäre Alltagsgegenstände sind, sind für Olaf Mahlstedt die Objekte der Magie. In seinen Fotografien werden die Dinge des täglichen Gebrauchs ganz zart und still. Doch nicht nur die verborgene Schönheit von Verpackungen zeigt der Architekturfotograf in seiner Ausstellung "Form und Ästhetik" vom 9. Januar bis zum 19. Februar in der Galerie Winter (Theaterstraße 14), auch andere Fotos werden zu sehen sein, in denen sich der Betrachter gern verlieren darf. Die Vielfalt ist groß, die Frage nach Funktion, Form und Inhalt dauerhaft präsent. Mahlstedt hat seinen ganz eigenen Blickwinkel und lässt neue Welten entstehen. Es darf sich gefreut werden auf knallbunte Theateransichten mit dem sinnlichen Namen "Rot", auf Architektur, in der sich die Formen aufzulösen scheinen und auf schaurig schöne Gebäudeansichten.

Hamburg: Rauminstallation von Felizitas Schäfer

Erst wenn er aufgestellt und geschmückt ist und die Kinderaugen mit dem Glanz der Tannbaumkugeln um die Wette leuchten, erst dann ist Weihnachten. Doch verschwindet die Aura des Weihnachtsbaums genauso schnell wie sie gekommen ist, und aus ihm wird wieder nur ein ganz normaler Baum. Diese traurige Zeit, in der die ausgedienten Bäume aus den Wohnzimmern verbannt werden und auf der Straße liegen, nutzt die Künstlerin Felizitas Schäfer für ihre Installation "go for rest", die sie in der Hamburger Botschaft (Sternstraße 67) zeigt. Sie fand die Entmystifizierung, die mit der Verbannung einhergeht, schon seit jeher traurig. Deswegen hat sie die alten Bäume eingesammelt und lässt sie in einem neuen Licht erscheinen. Aufgebaut zu einem Nebelwald, können die Besucher am 10. und am 15. Januar jeweils ab 18 Uhr durch sie hindurchgehen, die Mystik noch einmal aufleben lassen und dem Geheimnis des ephemeren Baumes näher kommen. Doch auch außerhalb der Öffnungszeiten lohnt sich ein Blick durch die Fensterscheibe. Auditiv unterstützt wird der Wahrnehmungsspaziergang am Sonntag mit Musik von der singenden Säge "REMINgton-service" und am Freitag von Datschakoryphäe "Levin Rodion + mein atomares Xylophon" und "thy". Also: "Baum raus Schnaps rein!"

Düsseldorf: Performances von Xavier le Roy

Dieser Abend wird einmalig! So wird er nie wieder stattfinden. Der Moment ist flüchtig und lebt durch das Erleben, durch das Partizipieren von Publikum und Künstler. Im Rahmen der Performance-Veranstaltungsreihe NUMBER THREE: HERE AND NOW präsentiert die Julia Stoschek Collection (Schanzenstraße 54) am 9. Januar den Tänzer Xavier le Roy mit seinem Premierenstück "floor pieces". Die Stoschek-Reihe beschäftigt sich mit der Flüchtigkeit des Moments, mit dem Hier und Jetzt, mit der Präsenz in der einmaligen Begegnung des Augenblicks. Hierzu hat die Collection über zehn Monate insgesamt 28 zeitgenössische Künstler eingeladen. Um 19 Uhr wird sich le Roy in seiner neuen Performance mit der Wahrnehmung und Identität des tanzenden Individuums beschäftigen sowie das Thema der Fragmentierung des Körper ins Zentrum seiner Arbeit rücken.