Gib mir Fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Diesmal mit Simone Nieweg, Eberhard Havekost, Róza El-Hassan, Pedro G. Romero, Rivane Neuenschwander und Haegue Yang

Bottrop: Simone Nieweg – Natur der Menschen. Landschaftsfotografie

Mit größter Sorgfalt komponiert Simone Nieweg, 1962 in Bielefeld geboren, ihre Fotografien von Feldern, Wäldern und Gärten. Nieweg studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Bernd und Hilla Becher und widmet sich seit den späten achtziger Jahren dem Motiv der Landschaft. Ihr Interesse richtet sich insbesondere auf das Zusammenspiel von Natur und menschlicher Kultur. Sie fotografiert also nicht scheinbar unberührte Landschaften, sondern von Menschenhand Geschaffenes: kleine Feldgärten, Gemüsebeete und Obstbäume, aber auch Ackerflächen, Getreidefelder, Brachland und Wiesen.

Ihre künstlerische Arbeit wird von der nordrhein-westfälischen Landschaft geprägt. Jedoch steht die Verortung der Motive nicht im Vordergrund, ihre großformatigen Farbfotografien stehen allgemein für die Landschaft in Mitteleuropa. Niewegs Ausstellung in Bottrop "Natur der Menschen. Landschaftsfotografie" versammelt nahezu alle Spielarten landwirtschaftlichen Anbaus. Sanftes, fast schattenloses Licht kennzeichnet ihre Aufnahmen, die als Langzeitbelichtungen entstehen. Absolute Windstille ist dabei die Voraussetzung, um die Motive so scharf und detailreich abbilden zu können. Vorhandene Strukturen wie Wege, geometrische Felder oder Bäume nutzt Nieweg als gliedernde Grundelemente für ihre Kompositionen. Diese kompositorische Genauigkeit, mit der sie Bildgewichte und Farbgestaltung abwägt, machen Simone Niewegs Fotografien unverwechselbar.

Josef Albers Museum. Quadrat Bottrop, 12. Februar bis 27. Mai

Potsdam: Eberhard Havekost – Endless

Eberhard Havekost tritt in der Ausstellung "Endless" im Brandenburgischen Kunstverein in einen direkten Dialog mit Frank Nitsches Installation "Hello China". Beide Künstler haben an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden studiert. Die Installation Nitsches ist seit Dezember in Potsdam zu sehen und besteht aus Tafeln, die den Außenraum und die Architektur des Ausstellungspavillons reflektieren. So schafft der 1964 in Görlitz geborene Nitsche ein Wechselverhältnis zwischen Bildoberfläche, Architektur und Natur. Ähnlich funktionieren auch Havekosts Bilder, als Membran zwischen innerer und äußerer Realität. Der 1967 in Dresden geborene Maler zeigt auf der Rückseite der Installationstafeln zwei Serien, in denen er sich mit dem Verhältnis von Bild und Bedeutung auseinandersetzt. Er gestaltet so ein Innenleben zu Nitsches Ausstellungsarchitektur. Havekosts Bilder der Serie "The End" rufen auf den ersten Blick Assoziationen von Wolkengestalten und Farbreflexen von Sonnenuntergängen hervor. Doch im nächsten Moment wird die Frage aufgeworfen, ob man hier nur von seiner Sehnsucht geleitet wird. Was ist hier eigentlich zu sehen? Die Formate seiner Bilder erinnern ebenso an Flachbildschirme, die gelegentlich bei Havekost zum Bildmotiv werden. So entsteht ein Assoziationsgeflecht, in dem sich kunstgeschichtliche Darstellungen und Stereotype medialer Naturdarstellungen vermischen.

Brandenburgischer Kunstverein Potsdam e.V., 11. Februar bis 25. März

Basel: Róza El-Hassan – In Between

Die ungarische Künstlerin Róza El-Hassan wurde in den letzten 20 Jahren mit unterschiedlichen Aktionen sowie kuratorischen und sozialen Projekten bekannt. Gleichzeitig machte sie sich mit Zeichnungen, Objekten, Installationen und Videos einen Namen. 1997 bespielte sie den ungarischen Pavillon auf der Venedig-Biennale, und 2006 fand eine umfassende Retrospektive von El-Hassan in ihrer Heimatstadt Budapest statt. Einen ersten Überblick ihrer Zeichnungen zeigt jetzt das Kupferstichkabinett des Baseler Kunstmuseums. 115 Blätter sind zu sehen, ergänzt durch einige wenige Plastiken und Objekte. Das Zeichnen stellt eine Konstante in El-Hassans Werk dar, die ihre unterschiedlichen Aktivitäten verbindet. Mittels des zeichnerischen Prozesses erkundet sie ihre Themen, ethnische und religiöse Verfolgung sowie Konzepte von Solidarität und Kollektivschuld. Aus ihrer Werkgruppe "R. Thinking/Dreaming about Overpopulation" zeigt sie in Basel tagebuchartige Skizzen und Collagen. Das Zeichnen ist für El-Hassan immer auch eine Suche nach der eigenen Identität.

Kunstmuseum Basel, 11. Februar bis 20. Mai

Stuttgart: Pedro G. Romero – Archivo F.X.

Der 1964 geborene spanische Künstler Pedro G. Romero arbeitet seit 1999 an einem sich ständig erweiternden Archiv, das mittlerweile über 1000 Dokumente umfasst. In seinem "Archivo F.X." verknüpft er die Geschichte des Ikonoklasmus in Spanien, also der Zerstörung heiliger Bilder oder Denkmäler der eigenen Religion, mit internationalen Positionen der Avantgarde. Den einzelnen Bilddokumenten des Ikonoklasmus hat er jeweils einen Künstler, eine Kunstbewegung, Institution, Zeitschrift oder einen Werktitel radikaler künstlerischer Praktiken zugeordnet. Zusätzlich enthält jede Bildakte Textfragmente, die sich auf das Abgebildete oder das zugeordnete Schlagwort beziehen. So treffen beispielsweise geplünderte Kirchen, zerstörte Heiligenfiguren oder zu Waffen umgeschmolzene Kirchenglocken auf Hugo Ball, Valie Export oder Joseph Beuys. Oder eine Maschine, die Fünf-Cent-Stücke in Heiligenbilder umwandelt, wird mit dem französischen Philosophen Georges Bataille in Verbindung gebracht. Dadurch erzeugt Romero ungewöhnliche Assoziationsketten und verknüpft scheinbar Unvereinbares miteinander. Für die jeweiligen Ausstellungsräume entwickelt Romero aus seinem Archiv verschiedene Formen der Inszenierung. Extra für den Württembergischen Kunstverein schafft er eine begehbare Montage aus Textcollagen, Bildern, audiovisuellen Dokumenten, Objekten und Artefakten, die den Untertitel "Wirtschaft, Ökonomie, Konjunktur" trägt. Die Ausstellung nähert sich diesen Begriffen aus unterschiedlichen Richtungen an. Romeros Ziel ist es, einen Prozess der Neubetrachtung und Rekontextualisierung politischer, ideologischer und ästhetischer Diskurse in Gang zu setzen. Jedoch ist sein "Archivo F.X." bewusst als unabschließbares Projekt angelegt.

Württembergischer Kunstverein, Stuttgart, 11. Februar bis 29. April

Lübeck: Rivane Neuenschwander, Haegue Yang

Die Zusammenarbeit der beiden Künstlerinnen Haegue Yang und Rivane Neuenschwander begann schon 2011 in der Kunsthalle Lingen. In ihrer gemeinsamen Ausstellung in Lübeck setzen sie ihre Kooperation fort und zeigen Videos, Zeichnungen, Collagen sowie Installationen, die miteinander in Verbindung stehen. Die raumfüllende Lichtskulptur der 1971 in Korea geborenen Yang trägt den Titel "Series of Vulnurable Arrangements - Seven Basel Lights". Sieben Infusionsständer dienen als Träger, die durch Kabelschleifen verbunden werden. Diese Konstruktionen sind mit mehreren Glühbirnen in verschiedenen Größen und Farben durchsetzt. Die Lichtgebilde Yangs wirken auf den ersten Blick wie eine Gruppe von Menschen. Als Pendant zu der Lichtinstallation befindet sich gegenüberliegend die Wasserinstallation "Rain Rains" der 1967 in Brasilien geborenen Neuenschwander. Aus aufgehängten Eimern tropft Wasser, inspiriert durch den gleichnamigen Titel eines Popsongs, in dem ein Swingmusiker Regen als ein mehrdeutiges sinnliches Erlebnis besingt. Sich dieser Regenmetaphorik bedienend, lässt Neuenschwander Tropfgeräusche entstehen. Ein weiterer Raum im Pavillon der Overbeck-Gesellschaft wird von beiden Künstlerinnen gemeinsam gestaltet. Hier zeigen sie Arbeiten, die ihre eigene Autorschaft aufbrechen und umdeuten.

Pavillon der Overbeck-Gesellschaft, Lübeck, 10. Februar bis 1. April