Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor. Diesmal der Maler Jonas Burgert, Selbstporträts einer Mutter von Katharina Bosse und Mode in Wolfsburg

Krems: Jonas Burgert

Seltsame, archaisch wirkende Gestalten bevölkern seine großformatigen Gemälde: Ein kopfloser Reiter steht in einem schmucklosen Zimmer, ein mit neonbunten Bändern geschmückter Krieger erklettert einem Ast, seltsame Tiergeschöpfe tummeln sich um ein Loch im Boden.

Der Berliner Maler Jonas Burgert schafft traumartige Szenen, die wirken, als wären sie Illustrationen zu den Mythen einer unbekannten Parallelwelt. Nichts darin ist dem Betrachter völlig fremd, aber um in ihnen heimisch zu werden, sind sie zu fern. Die fantastischen Situationen und grotesken Kreaturen faszinieren auch, weil sie wie Weltenwanderer die bekannte Welt mit dem völlig Unbekannten verbinden.

Die Ausstellung „Jonas Burgert. Lebendversuch“ ist in der Kunsthalle Krems vom 27. März bis zum 13. Juni zu sehen.

Bielefeld: A Portrait of the Artist as a Young Mother

Ihre Bilder sind wohl der witzigste und hintergründigste Beitrag zur Debatte um moderne deutsche Mütter. Katharina Bosse gibt ihre sehr persönliche Antwort auf den ideologischen Streit: Sie fotografiert sich nackt mit ihren Kindern in Wiesen, Wäldern und Feldern. „Das deutsche Mutterbild wirkt auf mich extrem rigide“, sagt die Fotografin, „die wirkliche Erfahrung von Mutterschaft ist nicht Teil des gesellschaftlichen Diskurses, sie wird verklärt, abgelehnt, oder sie ist sprachlos.“ Zum Thema Mutterschaft heute gibt es kaum Kommentare oder Darstellungen. Merkwürdigerweise scheint dieser fundamentale und wesentliche Wandlungsprozess sorgfältig weggesteckt im toten Winkel einer Gesellschaft, die doch sonst vor Eingriffen in die private Sphäre nicht zurück schreckt. Die beunruhigende und herausfordernde Serie von Bosse enthüllt, nicht ohne Humor und Kühnheit, viele Facetten eines äußerst komplexen und unterschätzten Prozesses: Die Geburt einer Mutter.

Die Ausstellung ist bis zum 19. Juni in der Kunsthalle Bielefeld zu sehen

Hamburg: Gemeinschaftseröffnung

Es ist ein neuer Gemeinschaftssinn, der durch Hamburg weht. Nicht nur findet diesen Freitag die Gemeinschaftseröffnung der Galerien im Kontorhausviertel statt, der sich auch andere Galerien anschließen, seit kurzem sammelt ein neues Magazin aktuelle Ausstellungen und Eröffnungen. „Die Galerien“ soll zwei bis viermal im Jahr erscheinen. Erstmal aber die Vernissagen der Woche: Bei Georg Molitoris sind die Porträtfotografien von Paula Nasini zu sehen. Die studierte Philosophin hält die Gesichter von Menschen auf der Straße fest, die ihr auffallen: "Diejenigen, die ein wenig fehl am Platz in der Welt sind", sagt Nasini. Bei Robert Morat zeigt Simon Roberts seine Serie "Motherland" und "We English". Simon Roberts reiste zwischen Juli 2004 und August 2005 ein Jahr lang quer durch Russland. Er fotografierte an über 200 Orten und dabei entstand eine der gründlichsten, intensivsten Dokumentationen dieses riesigen Landes durch einen westlichen Fotografen. Klischees vermeidend, präsentiert Roberts ein beeindruckendes Land, die Schönheit seiner Landschaften und die Würde seiner Bewohner. Bei Mikiko Sato ist noch die Rauminstallation von Yoshiaki Kaihatsu zu sehen, in der analoge Astronauten die Schwerelosigkeit testen. Und White Trash Contemporary zeigt eine Einzelausstellung des Hamburger Künstlers Peter Lynen, die sich passend zu den aktuellen Weltereignissen mit Energieströmen und den trügerischen Wahrheiten der Naturwissenschaften beschäftigt.

Gemeinschaftseröffnung am Freitag, 25.3.

Wolfsburg: Fashionshow "Dream"

Das Kunstmuseum Wolfsburg setzt seinen Modeschwerpunkt mit einer Fashionshow von Walter van Beirendonck und Studenten der Royal Academy of Fine Arts, Antwerpen, fort. Unter dem Titel „Dream“ zeigen die Jungdesigner aktuelle Mode aus Belgien. Gleichzeitig läuft noch die Ausstellung "Art & Fashion. Zwischen Haut und Kleid". Die Entwürfe der Studenten reichen von verspielt bis skulptural, von poppig bis verdreht, so dass Mode und Kunst zu einem einzigartigen Erlebnis verschmelzen. Walter van Beirendonck ist Professor an der Akademie in Antwerpen und gehört zu den bekanntesten belgischen Modedesignern. Er zählt zusammen mit Dries van Noten und Ann Demeulemeester zu den "Antwerp Six" und wird für seine humorvollen, spielerischen Entwürfe geschätzt.

Die Fashionshow "Dream" findet am 25. März um 20 Uhr im Kunstmuseum Wolfsburg statt. Karten kosten 12 – 25 Euro.

Münster: You don’t love me anymore

Wie kann der Mensch in einer unperfekten Welt leben? Ständig geht etwas schief, die Dinge passen nicht oder laufen aus dem Ruder – und der Mensch stemmt sich gegen den Lauf der Dinge, versucht Widriges nutzbar zu machen und fängt nach jedem Scheitern wieder von vorne an. Der Westfälische Kunstverein versammelt in seiner neuen Ausstellung neun internationale Künstler, deren Werk um das konstruktive Moment des Misserfolgs und des Kompromisses kreist. Darunter etwa Nina Rhode, die absurde optisch-musikalische Objekte anfertigt, oder Petrit Halilaj, der in einer Reihe von Arbeiten rund um das "bourgeoise Huhn" das immer behelfsmäßige Sich-Einrichten in die eigene Existenz thematisiert.

Der Westfälische Kunstverein zeigt in der Warendorferstraße 66 vom 26. März bis zum 22. Mai die Ausstellung „You don’t love me anymore“