Gib mir Fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Diesmal mit "Zwölf im Zwölften", "Fine Line?", Ingo Mittelstaedt, Bo Christian Larsson, Fabian Marti und "Frost" von Thomas Bernhard

Berlin: Zwölf im Zwölften

Die zwölf Künstler des zwölften Bandes der Buchreihe "Contemporary Art in Turkey" stellt die Ausstellung "Zwölf im Zwölften" vor. Sie verbindet, dass sie türkische Wurzeln haben, aber alle ganz oder überwiegend außerhalb der Türkei leben und arbeiten: in Berlin (wie Nevin Aladag, Nezaket Ekici, Nasan Tur) oder Hamburg (Sakir Gökçebag), in San Francisco (Canan Tolon) und New York (Vahap Avsar), in London (Ergin Çavusoglu), Amsterdam (Servet Koçyigit, Ahmet Ögüt), Wien (Nilbar Güres), Frankfurt/Offenbach (Anny and Sibel Öztürk) oder München (Ebru Özseçen).

Herausgegeben wurde die Buchreihe von René Block, der in Berlin den von der türkischen Vehbi-Koç-Stiftung (Istanbul) initiierten Ausstellungsraum "Tanas" leitet. Die elf vorangegangenen Bände waren Mongrafien, deren Künstler jeweils eine Grafik gestalteten, die ihrem Buch als Umschlag dient; der Einband zum zwölften Band stammt von der für die gesamte Buchreihe zuständigen Designerin Esen Karol. Neben Arbeiten der zwölf Künstler werden die Umschlagsgrafiken aller zwölf Bücher in der Ausstellung gezeigt.

Tanas Berlin: 10. Dezember bis 3. März; am Samstag, 10. Dezember, findet um 17 Uhr ein von der türkischen Co-Kuratorin Ece Pazarbasi moderiertes Künstlergespräch mit Vahap Avsar, Ergin Çavusoglu, Servet Koçyigit, Ahmet Ögüt und Canan Tolon statt (in englischer Sprache). Die einzelnen Bände der im Yapi Kredi Verlag erschienenen Buchreihe kosten mit unsignierter Grafik 18 Euro, mit signierter Grafik 60 Euro. In der Zeit vom 22. Dezember bis 4. Januar ist die Ausstellung geschlossen

Düsseldorf: Fine Line?

Vorher noch eng mit der Wissenschaft verbunden, wurde in der Moderne die Zeichnung zum autonomen Kunstmedium. Dass aber Zeichnung nicht gleich Zeichnung ist, versuchen ein Dutzend Künstler in der Ausstellung "Fine Line?" im Düsseldorfer KIT zu beweisen. Dabei nutzen sie alle möglichen Mittel: Scheren, Computermäuse, Blei, Holz oder Papier. Zu sehen sind klassisch gerahmte Zeichnungen mit sinnlichen Akten, märchenhafte Motive oder ornamentale Formen. Mit "Gate" hat der Künstler Ben Cotrell ein raumgreifendes Werk aus Holz geschaffen. Auf den filigranen Flügeltüren des "Gates" schlängeln sich hineingesägte Ornamente. Der Künstler Joe Neave bewegt sich mit seinen Zeichnungen innerhalb verschiedener Epochenstile. In scheinbar harmlosen Motiven zeigt er, dass in jeder Niedlichkeit das unterschwellig Böse stecken kann: So sehen die Erdbeeren essenden Mädchen in seiner Zeichnung "Strawberry Tree" wie kleine Vampire aus. Die Künstlerin Habima Fuchs (eigentlich Astrid Sourkova) aus Tschechien zeichnet schematisch anmutende Bibel- und Märchenszenen. Ältester Teilnehmer ist der 72jährige ehemalige Beuys Schüler Claus Böhmler, der durch seine Tätigkeit als Professor an der HFBK in Hamburg die ausstellenden Künstler teilweise beeinflusst hat.

Bis 22. Januar 2012, KIT - Kunst im Tunnel, Düsseldorf

Langenhagen: Ingo Mittelstaedt

Leuchtende Farben, seltsame Flächen und Objekte sind auf den Fotografien von Ingo Mittelstaedt zu sehen. In seiner Ausstellung "Chromas" dokumentiert der freischaffende Künstler, wie er sich als Fotograf mit Farblehre und Farbtheorie auseinandersetzt. Seine analog gefertigten Bilder zeigen Objekte aus verschiedenen Materialien wie Papier, Folien oder Alltagsgegenständen und wie deren Oberflächen mit ihrer farbiger Umgebung korrespondieren. Mit den Fotos nimmt er Bezug auf die Malerei der Moderne. Die erste institutionelle Ausstellung des Künstlers findet anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Langenhagener Kunstvereins statt, am 20. Januar 2012 wird unter dem Motto "Foto-Modelle, Bühnenbilder" ein Künstlerworkshop angeboten, bei dem Tricks und Kniffe inszenierter Fotografien erlernbar sind.

9. Dezember 2011 bis 5. Februar 2012, Kunstverein Langenhagen

Braunschweig: Bo Christian Larsson, Fabian Marti

Das Unbewusste ist in den Werken von Bo Christian Larsson und Fabian Marti allgegenwärtig. Der Kunstverein Braunschweig widmet beiden Künstlern jeweils eine Ausstellung. In "Exile in Heartland" zeigt der Schwede Larsson irritierende Videoinstallationen und surreale Bildwelten, in denen Objekte spinnen- und labyrinthartig in den Raum wachsen. Der Schweizer Marti stellt unter dem Titel "And when we mad & vrntyhzn clgknnmnlyn wkohz" Fotogramme, Keramiken, Raum- und Videoinstallationen aus. Der Clou liegt im Konzept: "And when we mad" betrifft ältere Werke, die vergrößert auf die Wand tapeziert wurden; "vrntyhzn clgknnmnlyn wkohz" umfasst neue Werke, die der Künstler gerahmt auf dieser Tapete angebracht hat.

Bis 12. Februar 2012, Kunstverein Braunschweig; die Ausstellung von Fabian Marti findet im Haus Salve Hospes, die Ausstellung von Bo Christian Larsson in der Remise des Kunstvereins statt.

Hamburg: "Frost" von Thomas Bernhard

Zur Beobachtung eines von der Kunst frustrierten Malers wird in Thomas Bernhards "Frost" ein junger Mediziner in ein österreichisches Bergdorf geschickt. Die Persönlichkeit des Naturwissenschaftlers gerät über die Nähe zu dem todessehnsüchtigen Künstler in Auflösung, die Erzählperspektiven springen. Der Roman von 1963 lasse sich nicht zuletzt damit "als Reflexion über die Krise der Kunst in der Moderne lesen", meint die österreichische Theaterregisseurin Sabine Mitterecker, die "Frost" zum Einpersonen-Sprechstück fürs Kunstmuseum umgeschrieben hat. Uraufgeführt wurde es 2009 im Wiener MUMOK; nun gastiert es für drei Tage in den Hamburger Deichtorhallen, in die es sich "als temporäre Installation" einfügen soll: "Das Museum ist nicht Bühne, die Werke der bildenden Kunst sind nicht Dekoration", sagt Mitterecker. "Der Roman präsentiert sich in der Spielfassung als Sprach-, und Gedankenexponat unter Exponaten im Museum." Das Publikum folgt dabei – "wo doch Gehen ein Leitmotiv des Romans ist" – dem Schauspieler Andreas Patton, den man hierzulande vor allem aus Fernsehkrimis kennt. In Wien waren beide Spielserien der gefeierten, mit dem Nestroy-Preis 2010 ausgezeichneten Inszenierung ausverkauft; in Hamburg sind die Karten ab 19.30 Uhr an der Kasse der Deichtorhallen erhältlich.

Deichtorhallen Hamburg: 8.-10. Dezember, jeweils um 20 Uhr. Dauer 80 Minuten