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Wolfgang Müller
Der Name Ming Wong ist vielleicht so selten in China wie der Name Wolfgang Müller in Deutschland. Also die jeweils wohl häufigste Namenskombination. Eigentlich keine besonders gute Basis, um ein erfolgreicher Künstler zu werden. Denn zu den Attributen des Künstlers gehört eine Aura herausragender Individualität. Falls die nicht im Werk zu finden ist, sollte diese zumindest in der Namensgebung vorhanden sein.
Zur Vorbereitung auf seinen ersten Deutschlandaufenthalt arbeitete Ming Wong aus Singapur 2007 an einer großartigen Videoinstallation. Es berührt eine ganzes Spektrum von Themen um Identität, Individualität und Kreativität. Grundlage seines Werkes ist eine zehnminütige Szene aus Rainer Werner Fassbinders filmisches Lesben-Drama "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" (1972). Verlassen von ihrer Geliebten, dem Modell Karin Thimm (Hanna Schygulla) bricht die erfolgreiche Modeschöpferin Petra von Kant (Margrit Carstensen) zusammen – zu sehen und hören ist ihr Monolog: eine Mischung aus Hasstirade und Selbstmitleid.
Der Künstler Ming Wong spielt und spricht – ohne Deutsch zu können – in Singapur die Szene präzise nach und nennt das Video "Lerne Deutsch mit Petra von Kant". Um ums an seinen Fortschritten teilhaben zu lassen, hat er das Video deutsch und englisch untertitelt. Ming Wong beobachtet die überdrehte Modeschöpferin genau, imitiert ihre Kleidung, Frisur, Gesten, ihre Bewegungen, er imitiert ihre Flüche, Kraftausdrücke, ihr Selbstmitleid und ihre Verzweifelung. Alles genau nach der Fassbindervorgabe.
So untersucht Ming Wong Sprache und Identität, Alter, Geschlecht, Klischees und Stereotypen. Das Ergebnis ist eine präzise, kritische Analyse der globalen Gegenwart. Es hat nichts zu tun mit der weitverbreiteten postmodernen Beliebigkeit oder oberflächlichen Effekthascherei, die in der Kunst oft den Blick verstellt und sie zur schnellalternden Show macht. Ming Wong berührt mit seinem Werk zudem das westliche Klischee vom "Asiaten, der uns kopiert", da wird die Xenophobie sichtbar, die im oft gehörten Satz "Ausländer müssen unsere Sprache lernen" verborgen ist.