Elizabeth Peyton - Baden-Baden

Kunst und Glamour

Johnny Rotten, David Bowie, Kurt Cobain – die Kunsthalle Baden-Baden stellt Musikerporträts von Elizabeth Peyton aus. Doch die abgemalten Motive enttäuschen.

Das ist ganz großes Theater: Dramatisch klammert sich das Weib an ihren Ritter, wild weht ihr das Haar ums Haupt. Ablehnend, unwillig dreht und windet sich dagegen Tristan – typisch Mann.

Altertümelnd wirkt die Szene, die Elizabeth Peyton in Öl auf Holz gemalt hat. Die amerikanische Malerin hat eine Vorlage aus dem 19. Jahrhundert verarbeitet. Im Musikdrama "Tristan und Isolde" von Richard Wagner wurden die Titelrollen 1865 von dem Opernsängerpaar Malvina und Ludwig Schnorr von Carolsfeld verkörpert.

Das kleine Doppelporträt ist nun in der Kunsthalle Baden-Baden zu sehen. Die amerikanische Künstlerin Elizabeth Payton malt grundsätzlich nur Porträts. Die Ausstellung "Here She Comes Now" konzentriert sich auf Porträts von Musikern und Sängern und dem Moment, wenn sie vor das Publikum treten. Peyton unterscheidet nicht zwischen U- und E-Musik, Oper, Rock und Pop tauchen gleichermaßen auf. Was die Musiker aber eint: Sie sind alle Bekanntheiten in ihrem Fach.

So stößt man in der Ausstellung auf David Bowie, der mit roter Mähne ernst, aber auch enorm lässig und mit tiefem Ausschnitt posiert, während Peter Doherty auf "Pete" von 2005 zart und empfindlich wirkt. Die Porträts malt Peyton von fotografischen Vorlagen ab. Mal hat sie selbst auf Konzerten fotografiert, dann wieder greift sie auf Material aus Büchern, Zeitschriften oder Musikclips zurück. Die Techniken variieren – Peyton arbeitet mit Öl und Aquarell, zeichnet mit Kreide und Buntstift und druckt.

Schnell und energisch ist ihr Pinselstrich, Peyton filtert häufig die Farbe aus den Vorlagen heraus, mal arbeitet sie grob, mal formuliert sie die Figuren und Szenen stärker aus. Aber die Porträts wirken eher wie Fingerübungen, wie beiläufige Nebenprodukte. Manchmal mögen ihr intensive Momentaufnahmen gelingen, häufig aber ist es reine Oberflächenkunst, der Tiefe und Atmosphäre fehlen, die aber auch wenig über die Musiker selbst erzählen.

Johan Holten, der Direktor der Kunsthalle Baden-Baden hat die Ausstellung kuratiert und ist bei der Hängung spielerisch vorgegangen: So werden immer nur drei dieser kleinformatigen Porträts pro Saal gezeigt. Damit leistet er den Arbeiten aber einen Bärendienst: Denn die aus dem Kontext herausgelösten, simplen Porträts können den großen Museumsräumen nicht annähernd standhalten. In den traditionsreichen Ausstellungssälen der Kunsthalle offenbart sich allzu deutlich, wie nichtig, uninspiriert und oberflächlich diese bedeutungsheischenden Porträts sind.

Gleich drei Porträts von "The Strokes"-Sänger Julian Casablancas hängen in Baden-Baden nun nebeneinander – ohne sich gravierend voneinander zu unterscheiden, aber auch die serielle Aufbereitung bringt keinen Mehrwert hervor. Letztlich leben die Musikerporträts der Elizabeth Peyton allein vom Glamourfaktor. Sie porträtiert ausschließlich Stars und Sternchen – und nennt die "Celebrities" in ihren Titeln auch nur beim Vornamen, als sei sie mit allen auf Du und Du. Das hat ihr einige Aufmerksamkeit sowohl in der Kunst- als auch in der Musikszene beschert, die sich ja beide gleichermaßen gern mit großen Namen schmücken. Die Ausstellung in Baden-Baden aber macht unmissverständlich deutlich: Die Porträtierten mögen Weltklasse besitzen, die Porträts selbst nicht.

Elizabeth Peyton – Here She Comes Now

bis 23. Juni,
Staatliche Kunsthalle Baden-Baden,
Der Katalog zur Ausstellung ist im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen und kostet 32 Euro im Museum, 35 Euro im Buchhandel
http://www.kunsthalle-baden-baden.de/