Hermann Nitsch

70. Geburtstag

Happy Blutbad, Hermann!
Rauschebart im Blutrausch: Hermann Nitsch, 20. Malaktion, Wiener Secession 1987 – Blick in die Ausstellung im Hermann Nitsch Museum in Mistelbach (© MZM, Mistelbach, Mai 2008)

HAPPY BLUTBAD, HERMANN!

Der österreichische Aktionskünstler Hermann Nitsch feiert heute seinen 70. Geburtstag. Und Mitte September wird in Neapel bereits das zweite Museum für den einstigen Bürgerschreck eröffnet.

Ausgeweidete Tierkadaver, Exkremente und literweise Blut: Während die Aktionen des Österreichers Hermann Nitsch Laien manchmal am Kunstbegriff zweifeln lassen, gilt er bei Experten schon lange als etabliert. Zu seinem 70. Geburtstag am 29. August bekommt der ehemalige Bürgerschreck gleich ein eigenes Museum im italienischen Neapel geschenkt. Im österreichischen Mistelbach eröffnete bereits 2007 ein Hermann-Nitsch-Museum.

Mit der öffentlichen Anerkennung ist es ruhiger um den Mann mit Rauschebart geworden, die einst vehementen Proteste von Tierschützern und Gläubigen gibt es kaum noch.

Nach bisherigen Berichten soll das "Museo Archivio Laboratorio per le Arti Contemporanee Hermann Nitsch" in einem ehemaligen Elektrizitätswerk in Neapel Mitte September öffnen. Es ist ein Geschenk des italienischen Sammlers, Mäzens und Galeristen Giuseppe Morra. Das Museum soll der Erforschung und Dokumentation der Werke des Künstlers dienen, die nach dem Empfinden vieler Betrachter ekelerregend sind und die Grenzen des Geschmacks weit überschreiten. Nitsch selbst sieht in seinem Hauptwerk, dem "Orgien Mysterien Theater" (OMT), ein ästhetisches Ritual der Existenzverherrlichung, wie er auf seiner Homepage schreibt.

Bereits Ende der 50er-Jahre hatte Nitsch die Idee zu dem Blutspektakel als Gesamtkunstwerk aus Musik, Theater und Malerei entworfen, die künftig sein Schaffen bestimmen sollte. Er nennt es ein "Lebensfest", in dem er Elemente aus der katholischen Liturgie, der freudschen Psychoanalyse, der Bibel und kultische Handlungen miteinander vereint. Starke Sinneseindrücke und psychologische Extremerfahrungen bestimmen seine Kunst, die Verdrängtes wieder an die Oberfläche bringen soll.

Zunächst bespritzt Nitsch Leinwände mit Blut

Nitsch wurde in Wien geboren und befasste sich bereits mit 14 Jahren unter Anleitung eines Bildhauers mit Malerei, Skulptur und Musik. Nach einigen Jahren Ausbildung als Grafiker in Wien macht er Anfang der 60er-Jahre mit seinen "Schüttbildern" auf sich aufmerksam. Angeregt vom amerikanischen "Action Painting" bespritzt Nitsch zunächst Leinwand und später auch menschliche Körper und Tierkadaver mit Farbe und Blut. Rituale mit geschlachteten Tieren, Blut und Eingeweiden bestimmen noch heute seine Aktionen des OMT, das immer auch religiöse Anklänge hat. Während Nitsch in seinen Anfangsjahren regelmäßig mit den Behörden in Konflikt ist und sogar in Haft sitzt, werden seine Aktionen später mit Auftritten in renommierten Häusern weltweit geadelt. Bei der 122. Aktion seines OMT darf er gar im altehrwürdigen Wiener Burgtheater im Blut planschen – Sitze und Wände werden vorher mit Plastik verkleidet.

Mit dem "6-Tage-Spiel" auf dem Grundstück seines Schlosses Prinzendorf bei Wien findet die Idee des OMT 1998 ihren bisherigen Höhepunkt. Nach einer von ihm verfassten, 1700 Seiten starken Idealpartitur feiert Nitsch mit seinen "Jüngern" eine sechstägige Orgie mit Musikbegleitung und 13 000 Liter Wein. Mittelpunkt bildet die Schlachtung von drei Stieren, Hunderte Liter Blut werden verschüttet, kiloweise Trauben und Tomaten zerquetscht und zahlreiche Tierkadaver ausgeweidet. Die Tierschützerin und Schauspielerin Brigitte Bardot reist extra aus Frankreich an, um dagegen zu protestieren.

Doch nach Jahren des Skandals und der bewussten Brechung von Tabus lockt Nitsch heute kaum noch Protestler auf die Straße. Sein Museum in Österreich wurde gar von einem evangelischen und einem katholischen Geistlichen gesegnet, auch ist er Träger des österreichischen Staatspreises. "Seitdem die Schüttbilder, die befleckten Messgewänder und blutigen Damenbinden Hermann Nitschs ihre Funktion als teures Schmücke-dein-Heim erfüllen (ein Blick in die Auktionslisten genügt), fiel alles Skandalöse, Provokative von Nitschs Schaffen ab", schreibt die Tageszeitung "Die Welt".

Miriam Bandar, dpa

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2 Leserkommentare vorhanden

Werner Hahn

11:25

31 / 08 / 08 // 

Bürgerschreck NITSCH: Wie man mit Blut, Orgien und documentas Staatskünstler wird

Die „schwarzen Messen“ von „Regisseur“ NITSCH werden neben A. Rainers Werk (mit Malerei vernichtenden Übermalungen), als „wichtigster Beitrag Österreichs zur Kunst der Gegenwart“ (K. Ruhrberg) gedeutet. Theatralische „Beerdigung“ der Malerei gehört auch zur Ideologie NITSCHs: Malerei wird zum Verschwinden gebracht durch Ertränkung des Bildraumes mit Blut und Tiergedärm; im „O.-M.-Theater“ durch Opfer-Aktionen wie Tierschlachtungen, die angeblich auf eine Bewusstseinsänderung in der Gesellschaft hinwirken. NITSCHs Aktionen mit Tieropfern und Weihen sollen an archaische Kultrituale erinnern. Der Wiener „Aktionist“ war als „Künstler“ auf der Documenta 5 (1972) und 7 (1982) vertreten und konnte von 1971 bis 1989 an der Städelschule Frankfurt „lehren“. „Kunstszene“-Vertretern der 60iger Jahre imponierten zur „Kunst und Revolution“ Happenings mit dem Absingen der Bundeshymne beim Onanieren in der Wiener Uni, Piss-Aktionen u.ä. NITSCH wurde wegen seiner Tier-Blut-Aktionen immer wieder ins Gefängnis gesperrt, musste in die BRD flüchten. Nichtsdestotrotz bekam NITSCH als „Künstler“ 2005 den Großen Österreichischen Staatspreis, weil er „in seinem Werk grundlegende Fragen des Menschseins thematisiert"! „Kunst“-Vermittler des Kunst-Markt-Betriebs applaudier(t)en.

Armin Ulrich

20:56

02 / 09 / 08 // 

Briefmarke Museum und...

Wahrscheinlich liegt dann der Fehler in der ganzen Geschichte bei der österreichischen Justiz: Nähmlich: Hermann Nitsch wieder aus dem Gefängnis herauszulassen. Werner Hahn hat schon richtig kommentiert: "Schwarze Messen". Man muß kein Fundamentalchrist sein um dieses zu verstehen: Tauben zertrampeln: Symbol des Heiligen Geistes, ans Kreuz binden und mit Blut übergießen.... Mit Kunst hat das nichts zu tun. Kunst transformiert: Rembrandt: der barmherzige Samariter in den Niederlanden, oder Homer, der als Blinder und Statue "sieht". Selbst in Volkshochschulkursen sieht man mehr Kunst.

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