Santiago Sierra - Tübingen

Spuren im Fangoschlamm

Die Kunsthalle Tübingen zeigt Skulpturen von sinnlicher Qualität und drastische Performances des spanischen Künstlers Santiago Sierra, der einst den spanischen Pavillon auf der Venedig Biennale zumauern ließ und als einer der wenigen Künstler gilt, die noch deutliche politische Aussagen machen.

Glück gehabt, ihre Schuhe ruinieren sich die Besucher nun doch nicht bei der Ausstellung von Santiago Sierra. Er wollte in der Kunsthalle Tübingen einen Raum mit Schlamm füllen - damit die Besucher ihre Spuren in der Ausstellung hinterlassen.

Die Schlammschlacht ließ sich zwar nicht realisieren, harmlos ist die retrospektive Schau, die die Kunsthalle Tübingen dem spanischen Künstler derzeit widmet, trotzdem nicht. Denn der 1966 geborene Künstler ist für seine drastischen Performances bekannt: Mal tätowierte er sechs arbeitslosen Kubanern für eine Gage von 30 US-Dollar pro Person eine durchgehende Linie von 250 Zentimetern Länge auf die Rücken, dann ließ er den spanischen Pavillon auf der Biennale in Venedig zumauern – nur Inhaber spanischer Pässe bekamen Zutritt. "Sierra ist einer der wenigen Künstler, die deutliche politische Aussagen machen", so Kurator Daniel J. Schreiber.

"Sierra geht immer wieder von einem minimalistischen Formenrepertoire aus", sagt Schreiber. Auch der sechs Meter lange Balken an der Wand könne als minimalistische Skulptur betrachtet werden. Zugleich gehe es Sierra aber um eine "radikale Verdeutlichung der menschlichen Arbeit und der Ungerechtigkeiten in Wirtschaft und Sozialleben", wie der Kurator sagt. So müssen auch in Tübingen Hilfskräfte engagiert werden, die das freie Ende des Balkens tragen – "eine sinnlose Arbeit, mit der die Sinnhaftigkeit von Arbeit hinterfragt wird".

"Santiago Sierra: Skulptur, Fotografie, Film"

Daten: bis 16.6., Kunsthalle Tübingen, Katalog Snoeck Verlag, 29,80 Euro – weitere Station: Sammlung Falckenberg , Hamburg-Harburg, 7. 9. bis 12.1. 2014
Fotografie, Film" target="_blank">http://www.kunsthalle-tuebingen.de/