Landschaft ohne Horizont - Museum Schloss Moyland

Kein Horizont in Sicht

Das Museum Schloss Moyland zeigt eine Ausstellung zeitgenössischer Fotografien, in denen Natur und Landschaften auf ungewöhnliche Art dargestellt werden.

Er ist nicht nur Symbol für Sehnsucht, Freiheit und Ferne, der Horizont bestimmt innerhalb eines Bildes auch das Nah und Fern, sowie das Unten und Oben. In einer "Landschaft ohne Horizont", so der Titel der Ausstellung, die derzeit im Museum Schloss Moyland zu sehen ist, fehlt diese zur Orientierung so wichtige Linie zwischen Himmel und Erde. 15 internationale Fotokünstler sind in der Ausstellung vertreten und spielen auf unterschiedliche Weise mit der Irritation, die durch das Fehlen des Horizontes entsteht. Die Abstraktion von Landschaft wird ebenso zum Thema wie die Täuschung des Auges durch ungewöhnliche Perspektiven.

Die Bilder des Düsseldorfer Fotokünstlers Andreas Gefeller scheinen auf den ersten Blick Aufnahmen von Kristallen unter einem Mikroskop zu sein. In Wirklichkeit handelt es sich um Rasenflächen, die aus zwei Metern Höhe in mehreren Einzelbildern abfotografiert wurden. Die einzelnen Bilder, teilweise bis zu 2500 Stück, scannt Gefeller ein und setzt sie zu einem Gesamtbild zusammen. Das Ergebnis diese aufwendigen Verfahrens fasziniert durch seine Schönheit und die sie begeleitende Irritation.

Hinter dem Spiel mit Wirklichkeit und Fiktion steht teilweise auch leise Kritik wie in der Serie "Water" von Zhao Liang aus dem Jahr 2006. Seine Fotografien, die in unterschiedlichen Blautönen schillern, zieht er auf Bahnen aus Reispapier auf. Die Ästhetik der Bilder und der wertvollen Materialität des Bildträgers wird durch das tatsächlich Abgebildete gebrochen. Auf den Fotografien sind umgekippte Seen abgebildet, in denen zwischen Müll tote Fische treiben. Die Umweltverschmutzung im Heimatland des Künstlers wird hierbei zum Thema.

"Strukturen und Details von Landschaften"

Das Fehlen des Horizontes und somit des Schlüsselreizes eines Landschaftsbildes kann, wie im Fall der Fotografien von Boris Becker, auch zur Abstraktion von Landschaft führen. Becker studierte wie der ebenso in der Ausstellung vertretene Künstler Thomas Struth an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Bernd und Hilla Becher. In seiner Serie "Felder und Landschaften" konzentriert er sich auf Strukturen und Details von Landschaften. Die Regelmäßigkeit der Furchen auf einem Acker oder das Muster eines Stoppelfeldes machen seine Fotografien zu abstrakten Landschaftsbildern, die beinahe wie grafische Arbeiten wirken.

Landschaftsdarstellungen sind in der künstlerischen Fotografie sehr aktuell. Der Fokus auf Naturbilder ohne Horizont jedoch ist neu. Insgesamt 79 Fotografien haben die künstlerische Direktorin des Museums Schloss Moyland Bettina Paust und ihr Team ausgewählt, die das Thema der Ausstellung aus unterschiedlichen Blickwinkeln aufgreifen. Neben den bereits erwähnten Künstlern sind Werke von Dieter Appelt, Daniel Gustav Cramer, Natalie Czech, Miklos Gaál, Jitka Hanslová, Naoya Hatakeyama, Taiji Matusue, Walter Niemayer, Adam Thompson, Timm Ulrichs und Thomas Wrede zu sehen.

"Landschaft ohne Horizont - Nah und Fern in der zeitgenössischen Fotografie"

Termin: bis 15. August, Museum Schloss Moyland, Bedburg-Hau. Katalog: Verlag für moderne Kunst Nürnberg, 29 Euro
http://www.moyland.de/pages/aktuelleausstellungen/

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