Tim Burton - New York

Gefängnis oder Erfolg

Das Museum of Modern Art widmet dem in London lebenden U.S.-Regisseur Tim Burton, der für seine egozentrischen Filme ("Edward Scissorhands") und seine Kollaborationen mit Johnny Depp bekannt ist, eine Ausstellung (bis 26. April 2010). Gezeigt werden Hunderte von Burtons Zeichnungen, Bilder, Storyboards, Puppen, Kostüme und frühe Filmwerke.

Interview mit Tim Burton

Wie fühlt man sich als Underground-Regisseur, der von einem etablierten Museum geehrt wird?

Es eine surreale Erfahrung – aber das sind ja die besten im Leben. Ich bin in Burbank in Kalifornien aufgewachsen, wo es keine Museumskultur gab. Das Wachsmuseum in Hollywood war mein erstes kulturelles Erlebnis.
Dabei erinnern einige Ihrer frühen Arbeiten an Paul McCarthy. Zeitgenössische Kunst hat Sie nicht geprägt?
Mein Einfluss waren Filme und das Fernsehen. Manchmal, so gegen fünf Uhr morgens, wenn die religiösen Sendungen Pause machten, liefen dort Animationsfilme aus Osteuropa.

Im Anschluss an Ihr Studium am California Institute of the Arts machten Sie selbst eine zeitlang Film-Animationen bei Disney.

Ein guter Animator war ich nicht, weil diese beiden Seiten meines Gehirns nicht zusammen funktionierten. Ich konnte nicht so lange still sitzen und mich konzentrieren. Der Mix der unterschiedlichen Medien, die Sets, die Schauspieler, die Life-Action beim Film war spontaner und einfach ein größeres Tier. Wilder, aber aufregender und schneller.

Sie leben seit vielen Jahren mit der englischen Schauspielerin Helena Bonham Carter in London. Was hat sie nach Europa gezogen?

Weil ich aus Süd-Kalifornien komme, suchte ich ein Land mit Wetter, in dem man laufen kann und wo die Leute verrückt sind. In London fand ich eine gewisse Egozentrik vor, die mehr akzeptiert wird als in meiner Heimat. Ich habe mich sofort mit Leuten verbunden gefühlt. Sonst kam ich mir immer wie ein Fremder vor, London war ein großartiger Ort, um ein Fremder zu sein.

Inwiefern sind Ihre Zeichnungen, die Sie im MoMA ausstellen, Teil Ihres kreativen Prozesses?

Ich bin kein besonders guter Redner oder Schreiber und nutze sie wie ein Journal, um Ideen zu erforschen. Das Zeichnen, die Filme sind eine Form von Flucht, Selbstanalyse und Therapie. Ein privater, stiller Prozess – den ich jetzt mit allen teile.

MoMA-Kurator Ron Magliozzi hat sie immerhin mit Warhol verglichen – was würde Ihre Mutter dazu sagen?

Wer ist denn Warhol? Ganz im Ernst, sie wäre angenehm überrascht. Bei meiner Art von Leuten geht es oftmals um die Frage: Wandern sie ins Gefängnis oder haben sie Erfolg? Das ist heute noch eng.

Tim Burton Ausstellung im Museum of Modern Art

22. November – 26. April 2010
http://www.moma.org/visit/calendar/exhibitions/313