Der Mond - Köln

Ich schaue mir lieber Bilder vom Mond an, als den Mond selbst

Das Kölner Wallraf-Richartz-Museum präsentiert einen kunst- und kulturhistorischen Parcours durch die letzten fünf Jahrhunderte des Himmelkörpers. art sprach mit Direktor Andreas Blühm über den Mond als Idealmotiv in Kunst, Romantik und Astronomie.

Herr Blühm, wie entstand die Idee zur Ausstellung "Der Mond"?

Andreas Blühm: Ich mache gerne Ausstellungen, die ein fixes Thema haben, so dass man dasselbe Motiv kunsthistorisch verfolgen kann. Der Mond ist da ein Idealmotiv, weil alle Menschen ihn kennen, er immer gleich ist, sich aber die Darstellung und die Sichtweise auf den Mond in den letzten fünf Jahrhunderten stark verändert hat.

Und das lässt natürlich auch wieder Rückschlüsse auf den Menschen zu. In der Ausstellung setzen wir drei Epochenschnitte: die Erfindung des Teleskops um 1608 und die Bedeutung für die Menschheit und Kunst, die Entwicklung der Fotografie ab 1839, durch die man immer genauere Bilder vom Mond erstellen konnte und dafür die Bilder in der Kunst immer unschärfer wurden, und der Beginn der bemannten Raumfahrt ab den 1960er Jahren.

Die Ausstellung ist also eine Gegenüberstellung von Kunst und Wissenschaft?

Ja, bei Galileo Galilei haben wir den Künstler und Wissenschaftler in Personalunion. Dann haben die Wissenschaftler Künstler gebraucht, um ihre teleskopischen Aufnahmen zu fixieren. Irgendwann fingen die Künstler aber an, sich davon zu lösen und wieder zu träumen wie in der Romantik. Es gab da immer eine starke Beziehung zwischen Kunst und Wissenschaft. Aber ich glaube, das Mysterium ist dem Mond durch die Wissenschaft in gewissen Art genommen worden, und die Künstler haben ihrerseits versucht, es dem Mond wieder zurückzugeben.

In welcher Epoche war der Einfluss des Mondes besonders stark?

In der Zeit von Aufklärung und Romantik, also etwa von 1750 bis 1850. Von Jakob Philipp Hackert über Caspar David Friedrich bis hin zu Carl Blechen, da gab es eine richtige Mondsucht – auch in der Literatur und in der Musik.

Viele der gezeigten Bilder charakterisieren ja auch die Nacht...

Aber woran erkennt man die Nacht? Daran, dass der Mond scheint! Wir haben übrigens sogar einen Astronomen gefragt, der mehrere Bilder nach dem Stand des Mondes analysiert hat. Er kann erklären, ob der Maler einen realistischen Standort des Mondes wiedergegeben oder ob er nur fantasiert hat. Astronomen können zum Teil diese Bilder bis auf eine Stunde datieren.

Und was denken Sie über den Zauber des Mondes? Hat der Mond auf Sie eine gewisse Anziehungskraft, etwas Magisches?

Da muss ich sie leider bitter enttäuschen. So etwas interessiert mich gar nicht. Ich wohne mitten in der Stadt und sehe ihn kaum. Ich schaue mir lieber Bilder vom Mond an, als den Mond selbst. Das ist typisch Kunsthistoriker. Wir schauen nicht auf die Landschaft, sondern nur auf die Bilder der Landschaft. Das ist eine Berufsdeformation. Die Geschichte interessiert mich und der Mond ist da einfach ein sehr spannendes Motiv, mit dem man Kunstgeschichte sehr anschaulich machen kann.

"Der Mond"

Termin: 26. März bis 16. August, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln. Katalog: Der Mond, Hatje Cantz Verlag, 252 S., 160 Abb., 35 Euro
http://www.museenkoeln.de/wallraf-richartz-museum/default.asp?s=335&kontrast=&schrift=&abb=737