Silent Revolution - Marion Ackermann

Lauter Dialoge, keine Revolution

Marion Ackermann feiert ihren Einstand in Düsseldorf: Die neue Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein Westfalen wirbelt Klassische Moderne und Gegenwartskunst durcheinander und nennt das Ganze "Silent Revolution". Doch wie revolutionär ist die neue Hängung wirklich?

Es heißt ja, das Leben sei eine Baustelle. Die Kunstsammlung Nordrhein Westfalen ist es derzeit auch. Am Grabbeplatz wird noch gearbeitet: Statt Besuchern gehen Bauarbeiter aus und ein, das Stammhaus der Kunstsammlung, das K20, wird renoviert. Hier waren bislang Werke der Klassischen Moderne zu sehen, von Beckmann bis Picasso, von Magritte bis Max Ernst.

Im ehemaligen Ständehaus hingegen gibt es keine baulichen Maßnahmen – eher inhaltliche. Bislang waren hier im K21, sauber von der Klassischen Moderne getrennt, Werke der Gegenwartskunst zu sehen. Nun hat Marion Ackermann, die aus Stuttgart abgeworbene neue Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, daraus sozusagen eine kunsthistorische Baustelle gemacht: Probeweise wirbelt sie alles durcheinander, auf einmal stehen Surrealisten neben Zeitgenossen, klassische Maler neben Installationskünstlern.

Die Schau "Silent Revolution", die bis zur Wiedereröffnung des K20 im Juli zu sehen sein wird, ist ihr Einstand in Düsseldorf. Es sei ihr um einen neuen Blick gegangen, sagt Frau Ackermann, um Frische und ungewohnte Perspektiven.
Und sicher auch darum, die Besucherströme etwas gleichmäßiger zu verteilen: Das K20 war etabliert beim Publikum und genutzt von Politikern als ein repräsentatives, wenn auch zuletzt etwas muffig wirkendes Museum der Moderne. Die Kunst der Gegenwart hat ein solch großes Publikum nie gefunden; obwohl etliche bedeutende Künstler von Joseph Beuys über Marcel Broodthaers bis Katharina Fritsch und Jörg Immendorff in Düsseldorf arbeiteten, herrschte in den Räumen des K21 oft eine bedenkliche Leere.

Die Sammlung wirkt frischer, interessanter und aufregender

Nun also Kunst aus dem 20. Jahrhundert kreuz und quer. Marcel Broodthaers’ fiktives Museum der Moderne trifft auf Werke des belgischen Landsmannes René Magritte – in diesem Fall hatte der eine sich auf den anderen explizit bezogen. Es ist ansonsten unmöglich, ein einheitliches Prinzip zu erkennen: Mal setzt Marion Ackermann auf formale Ähnlichkeiten, indem sie Fotoserien von Bernd und Hilla Becher architektonischen Motiven von George Grosz gegenüberstellt; mal sind es ähnliche atmosphärisch-apokalyptische Grundtöne wie bei der Paarung Max Beckmann/Thomas Hirschhorn, mal sind es inhaltliche Aspekte wie bei Joan Muñoz, Max Ernst und George Grosz, die alle das Thema des isolierten, verkapselten Menschen behandeln.

Ob das große Wort Revolution für diese neue Hängung berechtigt ist, sei dahin gestellt – wirklich umwälzend, ganz und gar überraschend und neu ist sie eigentlich nicht, zumal es in den letzten Jahren in den Museen Mode geworden ist, die Moderne als ein Ganzes zu betrachten und nach Analogien zu suchen. Frischer, interessanter, aufregender als zuletzt wirkt die Sammlung aber in jedem Fall.

"Silent Revolution"

Termin: bis 13. Juni, Kunstsammlung NRW, Düsseldorf
http://www.kunstsammlung.de/de/ausstellungen/2010/k21-silent-revolution.html