Isa Genzken - Museum Ludwig, Köln

Bierernst, aber mit Humor

Nach ihrer London-Premiere ist die Wunderkammer der Installationskünstlerin Isa Genzken jetzt in Deutschland zu sehen – in England blieb das Kritikerurteil zwiespältig.

"Sesam, öffne dich!" lautet der Zauberspruch, der Ali Baba Zugang zu dem Berg verschafft, in dem die 40 Räuber ihre Schätze versteckt haben. Dass Isa Genzken ihrer bisher umfassendsten Retrospektive eben diesen Titel gab, kommt nicht von ungefähr.

Einige ihrer glaslosen Fensterrahmen von 1990 fordern den Besucher zum Eintreten auf. Doch ihre Wunderkammer ist eine ganz andere: Kein Gold oder Silber, keine Edelsteine, sondern Pappkartons und Bonbonpapier, Metall und Zement, Schaufensterpuppen und Rollstühle sind darin versammelt. Ihre Kunst bewegt sich "auf der feinen Trennlinie zwischen Schönheit und Zerstörung, Zerbrechlichkeit und Brutalität", wie es im Katalog zur Ausstellung heißt (Verlag Walther König, 48 Euro).

Die Schau der 1948 geborenen Plastikerin gliedert sich klar in zwei Teile: vor 2000 und danach. Die frühen Arbeiten wie die am Com­puter entworfenen Skulpturen aus Holz, auf dem Boden liegend oder an die Wand gelehnt, ihre aus Beton gegossenen Radios und Plattenspieler, die Fensterrah-men und die bunten Stelen aus der Serie "Columns" mit männlichen Vorna­men als Titeln wie Wolfgang (der Foto­künst­ler Tillmans) oder Gerhard (ihr da­mali­ger Mann Richter) setzen sich mit Konstruk­ti­vismus und Minimalismus auseinander, parodieren modernistische Architektur.

"Sich einfach treiben lassen"

Im zweiten Teil scheint dann ihre überbordende Fantasie mit ihr durchzugehen. Zwei traurige, zweckentfremdete Rollstühle stehen neben verrückten Konstruktionen wie "Fuck the Bauhaus" (2000), die große Installation "Straßenparty" (2008) besteht aus Schaufensterpuppen mit Narrenkap-pen, allerlei Abfall und Spiegeln, mit deren Hilfe der Betrachter an dem hysterischen Umzug teilhat. Genzken kommt also nicht nur bierernst daher, sondern auch mit Humor. Ihre auf Sockel gestellten "Strandhäuser zum Umziehen" (2000) könnte der leichteste Wind umblasen. Über ihnen hängt eine Reihe orangefarbener Markisen, daneben steht ihr witziges, aus Fotos von Freunden bestehendes Selbstporträt "Spielautomat" (1999/2000).

Die Ausstellung, die jetzt im Kölner Museum Ludwig zu sehen ist, wurde zuvor in der Londoner Whitechapel Art Gallery gezeigt. Die Londoner Kritik hatte so ihre Schwierigkeiten mit Genzkens Kunst. Waldemar Januszczak verglich in der "Sunday Times" ihre jüngsten Arbeiten mit der "Unordnung im Schlafzimmer eines Teenagers, ohne die ordnende Hand eines Erwachsenen". Charles Darwent wetterte im "Independent", hier werde zwar eine Geschichte erzählt, "doch wer kann sich schon dazu durchringen, sie zu lesen? Ich nicht." Nach Ansicht von Ossian Ward in "Time Out" "klingt vieles hohl", und Adrian Searle kam im "Guardian" zu dem Schluss, man müsse "an einem bestimmten Punkt aufhören, nach Erklärungen zu suchen, und sich einfach treiben lassen".

"Isa Genzken: Sesam, öffne dich"

Termin: 15. August bis 15. November, Museum Ludwig, Köln
http://www.museenkoeln.de