Albert Oehlen - Paris

Farbwolken über Werbeplakaten

In den Bildern von Albert Oehlen treffen Abstraktion und Figuration aufeinander – in den jüngsten Arbeiten, die in der großen Werkschau im Musée d`Art moderne de la Ville de Paris gezeigt werden, übermalt er spanische Werbeplakate.
"Genervte Stimmung":Albert Oehlens übermalte Werbeplakate

Albert Oehlen: Übermaltes Werbeplakat "FM 15", 2008

Deutsche Kunst hat es in Frankreich nicht eben leicht. Einer der größten deutschen Maler des 20. Jahrhunderts, Lovis Corinth, war in Frankreich nahezu unbekannt, als ihm das Musée d’Orsay 2008 eine Retrospektive ausrichtete. "Zu viel Tiefgründigkeit vielleicht", mutmaßte "Le Figaro", "zu viel Seele und Schmerz".

Da werden die Franzosen mit einem anderen Deutschen wohl weniger Probleme haben. Denn nun stellt im Pariser Musée d’Art moderne ein Maler aus, dem man definitiv keine teutonische Schwermut unterstellen kann: Albert Oehlen, der 1979 gemeinsam mit dem Bruder Markus unter dem launigen Ausstellungstitel "Böthe Thungen – chlechte Tchäne" in der Düsseldorfer Galerie von Arno Kohnen die Kunstszene betrat.

Zusammen mit den Kollegen Werner Büttner, Georg Herold und Martin Kippenberger entwickelte der 1954 in Krefeld geborene Maler Anfang der achtziger Jahre eine neue Haltung zur Kunst respektive zur Malerei – frech, ironisch, witzig und stets das Medium in Frage stellend. Seine Bilder, in denen Abstraktion auf Figuration traf, bezeichnete er selbst als "postungegenständlich". Das solle ausdrücken, "dass ich bestimmte Probleme gerne hinter mir hätte. Also nicht mehr drüber reden möchte", wie er dem Künstlerkollegen André Butzer in einem Gespräch erklärte.

In der Ausstellung werden sowohl Oehlens Abstraktionen aus den Jahren 1980 bis 1990 zu sehen sein als auch allerneueste Arbeiten. Dazu gehört auch eine Gruppe von Werken, die auf spanischen Werbeplakaten basieren. Diese klebt Oehlen auf weiße Leinwände, übermalt sie mit oft sehr dünnen, transparenten Farbschlieren und -wolken, die aber die marktschreierische Wucht des Werbeträgers stets durchblicken lassen. "Mein Anliegen war eine abstrakte Malerei, die durch penetrante Werbeelemente eine genervte Stimmung hat", erzählte er im art-Interview. "Werbung, die üble Gelb-Rot-Kontraste nach vorne holt und bei der weiße Blockschrift mit schwarzen Schlagschatten versehen wird."

"Albert Oehlen"

Termin: 1. Oktober bis 3. Januar 2009, Musée d’Art moderne de la Ville de Paris
http://www.paris.fr/portail/Culture/Portal.lut?page_id=6450&document_type_id=2&document_id=72311&portlet_id=15515

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