Max Slevogt & Paul Klee - Dresden

Ins Zauberland am Nil

Zwei Künstler, zwei Reisen, ein Ziel: Ägypten. Max Slevogt, der akribische Planer, und Paul Klee, der entspannte Flaneur – zwei Wege, sich der Kunst des Orients zu nähern.

Die beiden Künstlerkollegen könnten nicht gegensätzlicher sein:

Max Slevogt (1868 bis 1932) und Paul Klee (1879 bis 1940) – der eine führt den deutschen Impressionismus zu späten Höhenflügen, der andere versteht sich zeitlebens als Pionier der Avantgarde; der eine bleibt dem Gegenständlichen treu, der andere übersetzt die Natur in berechnete lyrische Abstraktionen. Doch wie viele ihrer Zeitgenossen begeistern sich beide für den Orient, speziell für Ägypten – kein Wunder angesichts der damaligen archäologischen Sensationsfunde von Nofretete bis Tutanchamun.

In diesem Sinne feiert derzeit die Ausstellung "Nach Ägypten!" in den Dresdner Kunstsammlungen die Reisen von Slevogt und Klee in das Zauberland am Nil. Obwohl ihre Exkursionen nur rund 15 Jahre trennen, liegen Welten zwischen den malerischen Resultaten. Dieser spannende Kontrast freilich hat nicht allein mit dem Typus und dem Stil der beiden Maler zu tun, sondern mit ihrer jeweiligen Erwartung an die Fremde.

Slevogt, der im Frühjahr 1914 reist, lässt sich von drei Reisebegleitern die Malexpedition generalstabsmäßig planen. Vorgrundierte Leinwände und sorgfältig aufbereitete Utensilien erlauben es ihm, in den 39 Tagen veritable 21 Gemälde zu schaffen, ganz zu schweigen von zahlreichen Aquarellen und Skizzen. Araber zu Pferde, die Lichteffekte eines Basars oder Segelboote bei Assuan wirft dieser Meister des Pleinairs in Serie hin, flüchtig und sicher zugleich. Wie eine "Malmaschine, die nur sieht, verdaut u. wiedergibt", kommt sich Slevogt vor auf seinem Weg von Kairo über Luxor nach Assuan.

Ganz anders nun Klee, der Weihnachten 1928 in Kairo eintrifft und sich dann auf der ähnlich klassischen Route nach Oberägypten bewegt. Er lässt sich entspannt auf langen Spaziergängen und Ausflügen durch die Landschaft treiben, saugt wie ein Schwamm die lichtstarken Ansichten zwischen Wüste und Niltal auf, bewundert die Gärten und Gräber in Luxor und malt – sehr wahrscheinlich: nichts. Klee ist orienterfahren: Von seinem heute legendären Tunisaufenthalt mit August Macke und Louis Moilliet 1915 her weiß er, dass die eigentliche Verarbeitung erst im Atelier beginnt. Besonders in den sogenannten Lagenbildern, die nach seiner Rückkehr in Dessau entstehen, finden sich die ägyptischen Inspirationen.

So erinnern Blätter wie "Die Sonne streift die Ebene" (1929) an die geometrisch organisierten Felder und Bewässerungsgräben der Nilebene. Da altägyptische Artefakte wie etwa ein Totenbuch oder eine Reliefstele die Schau abrunden, lassen sich derlei Referenzen wunderbar nachvollziehen. Zudem künden auch historische Reisefotografien von der heftigen Sehnsucht nach dem Morgenland, die so viele Kunstschaffende des frühen 20. Jahrhunderts ergriffen hatte.

Max Slevogt/Paul Klee: Nach Ägypten!

Galerie Neue Meister, Dresden, bis 3. August 2014
http://www.skd.museum/de/sonderausstellungen/nach-aegypten-die-reisen-von-max-slevogt-und-paul-klee/index.html