Kleopatra - Bonn

Die Schöne vom Nil und der Fleischextrakt

Wohl keine andere Frau der Geschichte hat die Fantasie der Nachwelt so beflügelt, wie Kleopatra (69 bis 30 vor Christus) – die Bundeskunsthalle zeigt die künstlerischen und trivialen Ergebnisse von Tiepolo bis zur Barbiepuppe
Die Diva:Kleopatra als Inspiration für Künstler und Designer

"Liebig Company’s Fleisch-Extract", Reklamesammelbilder "Zeitalter", 1889, Chromolithographie

Irgendwie kam man als ein anderes Mädel aus dem Kino. Stolz wie Liz Taylor, die mal eben über lange 241 Minuten Richard Burton und Rex Harrison um den Finger gewickelt hatte und zum Schluss einen heroischen Tod starb. Die handelnden Figuren im Film von 1963 waren die ägyptische Königin Kleopatra, der römische Feldherr Markus Antonius und Kaiser Julius Cäsar.

Unvergesslich der Triumphzug der schönen Ptolemäerin durch das vor Begeisterung ausrastende römische Volk! Die Kostüme, die Liz Tayor trug, von einem ganzen Team von Custom-Designern entworfen, waren Pracht pur, das dramatisch-erotische Augen-Make-up fand viele Nachahmerinnen.

Was Internet und manches kunsthistorische Museum allerdings an Kleopatra-Bildnissen hergeben, zeigt meist eine biedere römische Hausfrau mit brav zurückgebundenem, welligem Haar und nicht die Femme fatale, derentwegen Kriege vom Zaun gebrochen wurden. Auch in der Bonner Bundeskunsthalle ist die marmorne Porträtbüste einer eher züchtigen ptolemäischen Königin ausgestellt. Die Ausstellung "Kleopatra. Die ewige Diva" beschäftigt sich mit dem Image der letzten ägyptischen Königin, an dem vor allem Künstler aller nachchristlichen Zeiten sowie die Filmemacher des 20. Jahrhunderts gearbeitet haben.

"Die Neuzeit erhob Kleopatra zur Ikone der weiblichen Macht, zum ästhetischen Ideal und zur Verkörperung des Anderen schlechthin", heißt es in der Ankündigung der Ausstellung. "Über Jahrhunderte hinweg wurde sie gezielt als Projektionsfläche für Fantasien und Rollenspiele einer sich wandelnden westlichen Gesellschaft eingesetzt", heißt es weiter. "Durch ihren Liebestod wurde sie zur großen tragischen Heldin ...". Die Ausstellung ist in 14 thematische Kapitel unterteilt, die "assoziativ zusammengestellte Erlebnisräume bilden". Antike Skulpturen, wie beispielsweise Darstellungen Kleopatras und anderer ptolemäischer Königinnen in hellenistischer und ägyptischer Bildtradition, werden mit europäischen Gemälden und Skulpturen in Verbindung gebracht.

Die Bonner Schau ist gleichzeitig ein Streifzug durch die europäische Kunstgeschichte mit Werken unter anderen von Eugène Delacroix, Hans Makart, Artemisia Gentileschi, Jan Steen und Giovanni Battista Tiepolo, die unterschiedlichste Themen dargestellt haben – von der Krokodiljagd über ein Gastmahl bis zum dramatischen, pathetisch übersteigerten Tod Kleopatas durch den Biss einer Schlange in den könglichen Busen. Der kunsthistorische Exkurs endet bei den Fotoübermalungen des spanischen Künstlerduos BTOY und dem unvermeidlichen Andy Warhol.

Die skurrilste Abteilung ist dem Trivialen gewidmet: hier etwa eine Barbiepuppe im Kleopatra-Kostüm (2000). Welche Assoziationen allerdings die Firma Liebig im Sinn hatte, als sie "Reklamesammelbilder" zur Werbung für ihre dunkelbraune, hochkonzentrierte Soßenpaste mit der Schönen vom Nil schmückte, bleibt so geheimnisvoll wie das Opfer der Begierde selbst. Die Ausstellung endet auf dem Dach der Kunsthalle: Dort wurde ein orientalischer Garten mit Palmen, Granatäpfeln, Myrten, Papyrus, Jasmin, Wein, Lotus, Rosen und Wasserbecken eingerichtet.

Kleopatra – Die ewige Diva

bis 6. Oktober,
Bundeskunsthalle,
Bonn,
Der Katalog zur Ausstellung ist im Verlag Walther König erschienen und kostet 32 Euro
http://www.bundeskunsthalle.de/ausstellungen/kleopatra.html