Le Siècle du Jazz - Paris

What we play is life

Das Jahrhundert des Jazz: Das Musée du quai Branly in Paris schickt die Besucher auf eine musikalische und künstlerische Reise durch die Jazz-Zentren der Welt.
Das Jahrhundert des Jazz:"Le Siècle du Jazz" im Musée du quai Branly in Paris

Thomas Hart Benton: "Portrait of a musician", 1949

Ein ständiger Begleiter auf dem Erfolgsweg des Jazz war stets die bildende Kunst. Inwiefern Jazz die bildende Kunst beeinflusst hat und sie das Thema Jazz in ihren Oeuvres behandelt, zeigt eine Ausstellung, die bis zum 28. Juni im Musée du quai Branly in Paris zu sehen ist.

Jazz ist eine Musikrichtung mit einer besonders auf Bewegungsgefühl bezogenen Rhythmik, gepaart mit spontaner und intensiver Interaktion und eine am vokalen Ausdruck orientierten Tonbildung. Sie hat ihren Ursprung Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA, als eine Mischung aus unterschiedlichen Musiktraditionen, der als Sklaven nach Amerika deportierten Schwarzen. Gerade das Musikempfinden afrikanischer Kulturen dient als Ursprungsquelle dieses Musikstiles.

Nicht nur die Ausstellung an sich, sondern das Museum selbst hat sich zum Ziel gesetzt, eine Brücke zwischen den verschiedenen Kulturen, vor allem zur afrikanischen, zu schlagen und so durch eine kulturelle Ebene zu einer besseren Völkerverständigung beizutragen. Denn auch heute ist Jazz wieder im Blickpunkt der Öffentlichkeit: Erfolgreiche Musikerinnen wie Amy Winehouse, Joss Stone oder Norah Jones liefern eine Hommage an verstorbene Jazz-Legenden.

In den goldenen Zwanzigern feiert Jazz mit Legenden wie Louis Armstrong seine Hochzeit. "What we play is life" (Was wir spielen ist das wahre Leben) sagte einmal der wohl bedeutendste Jazz-Musiker, Armstrong. Er wollte damit zum Ausdruck bringen, dass Jazz, als eine Art "Volksmusik" der Schwarzen dient. Es spiegelt das wahre, raue Leben in den amerikanischen schwarzen Arbeitervierteln wider.

Entwicklung einer eigenen Identität durch Jazz

Die Pariser Ausstellung zeigt unter anderen eines der Meisterwerke des deutschen Malers Otto Dix. "Großstadt" hat als Motiv eine illustre Tanzgesellschaft mit Jazzband in den zwanziger Jahren in Berlin. Es wird Shimmy getanzt, einer dem Charleston verwandter Modetanz der zwanziger Jahre – und der Saxophonist der Jazz-Band ist die zentrale Figur des Bildes. Neben Dix sind vor allem auch US-amerikanische Künstler in der Ausstellung vertreten. So zum Beispiel Reginald Marsh mit seinem Bild "Night at the Savoy Ballroom", das eine abendliche Tanz-Szene mit einer Jazz-Band in Harlem, New York, darstellt. Wie bei vielen anderen Werken der Ausstellung kommt hier der Soziale Realismus zum tragen, indem der Künstler den Alltag der amerikanischen, größtenteils schwarzen Arbeiterklasse in den Vordergrund hebt. Eine eigene Kunstrichtung, die sich mit der gesellschaftlichen Lage der Afro-Amerikaner beschäftigt, ist die "Harlem Renaissance".

Zu ihr werden Künstler wie Palmer Heyden und Aaron Douglas gerechnet. Die afro-amerikanische Abwanderung der Künstler aus den Südstaaten in den Norden der USA wurde von ihnen als eine geistige Befreiung gesehen, durch die die afro-amerikanische Kunst erstmals, jenseits der weißen Vorbilder, eine eigene Identität entwickeln konnte. In der Kunst der Harlem Renaissance spielen auch verschiedene afrikanische Überlieferungen, afro-amerikanische Traditionen, sowie Gospel und eben der Jazz eine große Rolle. Auch der weiße Fotograf Carl van Vechten, förderte diese Bewegung und wurden von ihr beeinflusst. Er unterstützte viele der wichtigsten Vertreter der Harlem Renaissance, darunter Langston Hughes und Wallace Thurman. Die Ausstellung präsentiert aber nicht nur Werke aus den "Golden Twenties", sondern eine ganze Bandbreite an Fotos und Malereien von 1917 bis zur Gegenwart, die allesamt von Jazz beeinflusst wurden und diesen in ihren Bildern verarbeiten.

Der Kunsthistoriker Carl von Rumohr (1785 bis 1843) sagte einmal: "Ein Kunstwerk ist nicht eher ganz zu genießen, als bis man die Umstände und Verhältnisse ins Reine gebracht hat, unter welchen es entstanden." Daher erweist sich die aktuelle Ausstellung im Musée du quai Branly als eine spannende Reise nach New Orleans, über Harlem, Paris und Berlin und eröffnet dem Betrachter so manch neuen Blickwinkel auf die Kunst, den er vielleicht davor noch nicht kannte.

"Le Siècle du Jazz"

Termin: 17. März bis 28. Juni, Le Musée du quai Branly, Paris
http://www.quaibranly.fr/