Werner Büttner - Karlsruhe

Gemeine Wahrheiten

Werner Büttner mal seit den achtziger Jahren, ist aber längst nicht so bekannt wie Martin Kippenberger oder Albert Oehlen. Das ZKM will das nun ändern und zeigt wie Büttner mit schlechter Malerei gegen den guten Geschmack kämpft.

Das klassische Herrscherporträt schaut anders aus. Bei Werner Büttners Gemälde "Stalin" (1985) sind von dem Diktator nur noch Stiefel und Beine zu sehen.

Ein ironischer Kommentar zur Historie, aber auch zur traditionellen Malerei. "Büttner benutzt das Medium Malerei und unterläuft es zugleich", sagt Andreas Beitin. Er hat mit Peter Weibel im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) Karlsruhe eine Ausstellung zu Werner Büttner, 58, zusammengestellt. Denn Büttner, der in den achtziger Jahren mit Martin Kippenberger und Albert Oehlen die Kunstszene prägte, werde international nicht gebührend gewürdigt.

Das soll die Schau "Gemeine Wahrheiten" nun ändern. Es ist mit rund 300 Werken die erste umfassende Retrospektive. Sie beginnt im Jahr 1979 mit einer "kleinen hübschen Zeichnung auf einer Lohnsteuerkarte", so Beitin, und endet mit jüngsten Arbeiten Büttners, der heute Professor in Hamburg ist.

Dass er international nicht so bekannt ist, könne daran liegen, "dass man den hintergründigen Witz seiner Titel nicht verstanden hat", meint Beitin – Titel wie "Kaiserschnitt durch Explosion (Das Baby ,Palästina‘)" (1986) oder "Die Probleme des Minigolfs in der europäischen Malerei" (1982). Büttner,
der in den achtziger Jahren antrat, um mit "schlechter" Malerei gegen den guten Geschmack zu opponieren, geht es immer auch um die Assoziationen, die ein Titel auslöst – und was tatsächlich zu sehen ist. So zeigt der "Sturm auf das Winterpalais" (1985) einen auseinanderfliegenden Schrank, ein Symbol für den Zarismus in Russland.

Büttner verhandelt nicht nur historische und gesellschaftspolitische Themen, es tauchen häufig auch Tiere in seinen Bildern auf – Schweine, Hunde, Krokodile oder auch ein Elefant, der von einem Tierpräparator ausein­andergenommen wird. "Ein vordergründiges Motiv", sagt Beitin, "um sich mit Malerei zu beschäftigen." In den vergangenen Jahren hat sich Büttners Farbpalette aufgehellt, "die Bilder sind jetzt freundlicher", sagt Beitin, den hintergründigen Humor habe sich der Künstler aber erhalten. In "Wetterfester Schmetterling" aus dem Jahr 2008 reagiert er auf die Finanzkrise – mit einem flatternden Dollarschein.

Werner Büttner. Gemeine Wahrheiten

Karlsruhe, ZKM/Museum für Neue Kunst
6.4. bis 22.9.

Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt. Der Katalog erscheint im Hatje Cantz Verlag und kostet 39,80 Euro
http://on1.zkm.de/zkm/stories/storyReader$8344

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