Damien Hirst - Weltweite Ausstellung

Spots around the world

Mit der Ausstellung "The Complete Spot Paintings 1986–2011" widmet die New Yorker Gagosian Gallery ihrem Künstler Damien Hirst eine umfassende Schau – so umfassend, dass sie in all ihren Filialen rund um die Welt stattfindet. Wer am Ende einer "Spot Challenge" nachweisen kann, dass er alle elf Galerien besucht hat, dem winkt eine signierte Originalgrafik.
Spots weltweit:Damien Hirst Spot Paintings weltweit

Die Leinwände sind rechteckig oder rund, quadratisch oder dreieckig, von winzig bis wandfüllend, von drei mal 1,5 Zentimeter bis 14 mal zehn Meter, mit einem farbigen Punkt oder Dutzenden, oder Hunderten, ja Tausenden. Seit knapp zwei Jahren arbeiten zwei von Damien Hirsts Assistenten an einer Leinwand mit einer Million Punkten, für die sie, so schätzt der Künstler, insgesamt neun Jahre brauchen werden.

Die Punkte sind auf einem Gitternetz angeordnet, horizontal, vertikal, diagonal, die Farben kommen direkt aus den Kanistern mit normaler Haushaltsfarbe, keine Farbe erscheint zweimal auf einer Leinwand. Da sie sich nie berühren, gehen sie keinen Dialog miteinander ein, erzeugen keine Spannung. Reihenweise bunte Punkte, ein Meer von Punkten, mehr nicht. Da ist man dann ganz erleichtert, wenn man plötzlich vor "Asprin" (2006) steht, einer quadratischen Leinwand mit gedrittelten Punkten.

Seit 25 Jahren sind die Spot-Paintings eine von Hirsts Werkgruppen. 1500 von ihnen hat er inzwischen produziert, etwa 300 zeigt Larry Gagosian in seinen elf Filialen auf drei Kontinenten. Zwei Drittel sind Leihgaben von Privatsammlern und Museen, der Rest steht zum Verkauf, eine gigantische Schau, von der der Künstler seit Jahren träumt. Hirsts erstes Gemälde mit farbigen Punkten hängt in Gagosians Filiale in der New Yorker Madison Avenue. Das einfach "Spot Painting" betitelte Tafelbild entstand 1986 und folgt keinem Schema, die Punkte sind bunt durcheinander gewirbelt, keineswegs regelmäßig und einige ziehen Farbschlieren hinter sich her, wie herumschwimmende Samenfäden. Noch vier weitere malte Hirst mit eigener Hand, danach überließ er die Arbeit Assistenten.

"Spot Painting" ist Lichtjahre entfernt von den späteren Arbeiten, die ihre fast industrielle Fertigung nicht verleugnen können und auch nicht wollen. Hirst nennt sie "Kunst ohne Angst" – egal, wie er sich als Künstler oder Maler fühle, so sagt er, "sie erweisen sich immer als glücklich." Die der Pharmaindustrie entlehnten Titel wie "Morphine Sulphate" (1993) oder "Cupric Nitrate" (2007) spritzen aber die Angst wieder ein, hüllen sie in einen Hauch von Bedrohlichkeit, als machten sie süchtig. Eine Serie, von der einige in London zu sehen sind, heisst auch "Controlled Substances".

Nach dem Rundgang, wirbeln die farbigen Punkte im Kopf wild durcheinander, noch ein kleiner Abstecher in den Buchladen. Da hängt die Spot-Uhr an der Wand, die Spot-Skateboards wollen auf ihre Betonpisten hinaus, die Spot-T-Shirts und Spot-Trockentücher sind noch in Zellophan gehüllt, am Ausgang hängt die Spot-Leinentasche, in die man alle seine Schätze packen kann. Wenn sie hineinpassen. Und einen weiteren Gag hat sich Hirst einfallen lassen: Wer nachweislich alle elf Galerien besucht, von New York und Los Angeles über London und Paris bis nach Hongkong, nicht zu vergessen Rom, Genf und Athen, der erhält als Dankeschön eine signierte Spot-Grafik mit persönlicher Widmung. Frage: Ist sie mehr wert als die Reisekosten? Wahrscheinlich, wenn man nicht erster Klasse fliegt und in Luxushotels absteigt.

Damien Hirst "The Complete Spot Paintings 1986-2011"

Gagosian Gallery in New York: bis 18. Februar; Beverly Hills: bis 10. Februar; London: bis 18. Februar; Rom: bis 10. März; Paris: bis 18. Februar; Athen: bis 10. März; Genua: bis 17. März; Hong Kong: bis 18. Februar
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