Marcel Duchamp - Berlin

Duchamp in Berlin

Die Neue Nationalgalerie ist 72 Stunden am Stück geöffnet, um das einzige erhaltene Readymade Marcel Duchamps zu zeigen.
Kittelmanns Coup:"Belle Haleine"

Parfum-Ettiket "Belle Haleine: Eau de Voilette": Marcel Duchamp als Frau mit Schlapphut, aufgenommen von Man Ray.

"Belle Haleine" – "schöner Atem" – so nennt sich das einzige erhaltene Readymade von Marcel Duchamp. Dahinter verbirgt sich ein ovaler Parfumflakon der Firma Rigaud. Anders als seine ikonischen Werke: dem umgedrehten Urinal, dem Flaschenständer und der Fahrradfelge, hat er den Flakon gestalterisch verändert. Durch den Eingriff wird es zum sogenannten "assisted Readymade" bei dem der einfache Gegenstand zusätzlich künstlerisch gestaltet wurde. Duchamp hat ein eigenes Etikett entworfen, auf dem neben der Beschriftung ein kleines Ovales Portrait von Duchamps alter Ego Rrose Sélavy zu sehen ist. Er posiert als Frau mit Schlapphut, aufgenommen hat ihn Man Ray.

In den 1910er Jahren entwickelte Duchamp das Konzept des Readymades: industriell gefertigte Massenprodukte erhob er, allein durch seine souveräne Entscheidung als Künstler, in den Status eines Kunstwerks. Im Vergleich mit seinen bekannteren Werken kommt "Belle Haleine" weniger prosaisch, vielmehr zart und poetisch daher. Es spielt mit Travestien und Bedeutungsverschiebungen, so klingt der Name ähnlich wie "Belle Hélène", die schöne Helena wegen der der Krieg um Troja entbrannte. Außerdem posiert Duchamp als sein weibliches Alter Ego, deren Name „Rrose Sélavie“ wie „Éros, c’est la vie“ klingt. Auch der Untertitel „Eau de Voilette“ (Schleierwasser), deutet auf ein erotisch aufgeladenes Versteckspiel hin. Dieser Umstand sowie sein Erhalt mögen damit zu tun haben, dass "Belle Haleine: Eau de Voilette" ein Geschenk an seine Geliebte Yvonne Cratti war.

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Seitdem befand es sich immer in Privatbesitz, zuletzt in der Sammlung des verstorbenen Yves Saint Laurent und dessen Lebenspartners Pierre Bergé. Als diese Sammlung 2009 in einer großen Auktion verkauft werden sollte, bemühte sich auch Udo Kittelmann, Direktor der Berliner Nationalgalerie, es für sein Haus zu sichern. Aber kein Sponsor war bereit, den Ankauf zu tragen, und der Flakon, der zuvor auf einen Preis von einer bis 1,5 Millionen Euro geschätzt wurde, ging an einen anonymen Bieter – für den überraschend hohen Preis von 7,9 Millionen Euro. Dennoch gelang Kittelmann ein Coup: Er konnte den Sammler überzeugen, das Werk für eine Ausstellung von nur 72 Stunden Dauer auszuleihen. In einer Vitrine, die bezeichnendermaßen der Nofretete-Vitrine entspricht, wird es als Solist in der Halle der Neuen Nationalgalerie gezeigt. Hier ist es ab dem 27. Januar, Punkt Mitternacht, für genau drei Tage zum ersten Mal nach seiner Versteigerung zu sehen.

"Belle Haleine" ist vom 27. Januar, 24 Uhr bis zum 30. Januar 2011, 24 Uhr in der Neuen Nationalgalerie zu sehen, das Museum ist in dieser Zeit durchgehend geöffnet.

"Belle Haleine"

Neue Nationalgalerie Berlin; Der Flakon ist vom 27. Januar, 24 Uhr bis zum 30. Januar 2011, 24 Uhr in der Neuen Nationalgalerie zu sehen. Das Museum ist in dieser Zeit durchgehend geöffnet.
http://www.smb.museum/smb/kalender/details.php?objID=29669&typeId=10

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