William Turner - Hamburg

Kampf der Elemente

Das Bucerius-Kunst-Forum in Hamburg feiert William Turner als Maler der entfesselten Elemente.

Dem britischen Essayisten William Hazlitt (1778 bis 1830) waren die Bilder "zu abstrakt", sie seien "keine exakte Wiedergabe der Naturobjekte". William Turner (1775 bis 1851) delektiere sich daran, sich mit seinen Naturdarstellungen "zurück ins erste Chaos der Welt" zu begeben. Längst aber ist bekannt, dass Turner mit der Malerei akribisch Naturphänomene untersuchen und darstellen wollte – wie sich die Elemente Luft, Erde, Wasser und Feuer zu- und gegeneinander verhalten.

In der am Wochenende gestarteten Ausstellung im Bucerius-Kunst-Forum in Hamburg sind Turners berühmt gewordenen Szenarien von sturmgepeitschter See und Wolken, die sich im Sonnenlicht zu diffusen Nebeln auflösen, nun in eben diesen Zusammenhang "elementarer" Bilderkundungen gestellt. In fünf Themenbereiche – Erde, Wasser, Luft, Feuer und Fusion – sind die insgesamt 85 Arbeiten gegliedert. So vollzieht der Ausstellungsparcours im Großen das, was sich im Kleinen auf der Leinwand ereignet: eine malerische Analyse der Elemente und ihr gleichzeitiges subjektives Ineinandergleiten.

Im Aquarell "Der Faido-Passin" etwa, verschwimmen die Grenzen eines reißenden Stromes mit der zum Gletscher der Berge und tosendem Wind. Turner dekliniert die Aggregatformen des Wassers und lässt sie zugleich in eins zusammenfallen. Eine ekstatische Identifikation mit den Elementen der Natur, nannte das der Kunstkritiker John Rifkin (1819 bis 1900), der Turner mehr zugetan war als der skeptische Hazlitt. In seinem Buch "Modern Painters" verteidigte er Turner gegen den Vorwurf der Abstraktion, sie sei nämlich "nicht formlos, sondern voller Anzeichen von Charakter".

Die Hamburger Schau lässt nachvollziehen, wie Turner der Naturerfahrung in der Malerei jene subjektive Wendung geben konnte, die sich mit den ihm nachfolgenden Impressionisten schließlich nochmals radikalisieren sollte. Nach ihrem Hamburger Aufenthalt wird sie außerdem im Muzeum Narodowe in Krakau und im neu eröffneten Turner Contemporary im englischen Küstenort Margate gezeigt (28. Januar bis 13. Mai 2012), wo Turner zahlreiche Anregungen für seine Luft- und Wasserstudien bekommen hatte.

William Turner - Maler der Elemente

2. Juni bis 11. September 2011

Der Katalog ist im Hirmer Verlag erschienen und kostet 45 Euro im Buchhandel und 29 Euro in der Ausstellung
http://www.buceriuskunstforum.de

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