R. B. Kitaj - Hamburg

Geheime Ordnung der fragmentierten Welt

Bunte Dämonen, lichte Porträts und Collage-Experimente – die Hamburger Kunsthalle widmet dem amerikanischen Vertreter der britischen Pop-Art R. B. Kitaj eine große Retrospektive.

Am 21. Oktober 2007 nahm sich der amerikanische Maler Ronald Brooks Kitaj im Alter von 75 Jahren das Leben. Den plötzlichen Tod seiner Ehefrau Sandra Fisher im Jahr 1994 hatte er nie verwunden, und die dunklen, depressiven Untertöne seiner Bilder waren im Leben des Malers offenbar dominant geworden.

Kitaj wird oft nicht als Amerikaner wahrgenommen, er hatte sich Ende der fünfziger Jahre in England niedergelassen, seine Malerei steht in enger Beziehung zur figürlich orientierten "School of London". Mit David Hockney war der jüdischstämmige Maler eng befreundet, einen vergleichbar großen Ruhm wie er genoss er zu Lebzeiten aber nicht. Kitaj ist immer eine Art Geheimtipp geblieben, seine Werke zeigen oft rätselhaft surreale Szenen aus dem 20. Jahrhundert, und sie sind voller Referenzen, Anspielungen und Symbole.

Die erste größere Retrospektive seit 14 Jahren war letztes Jahr im Jüdischen Museum Berlin zu sehen. Sie wandert nun nach Hamburg, und wer die Begegnung mit dieser verzweifelt schönen Kunst bisher versäumt hat, sollte sie unbedingt nachholen. Man sollte sich genug Zeit nehmen, denn die Ausstellung platzt aus allen Nähten, sie ist nicht weniger überladen als Kitajs einzelne Werke. Zum Glück haben die Kuratoren die Schau nach Themen geordnet, so dass man nicht ganz verlorengeht im Bilderkosmos. In frühen Jahren experimentierte Kitaj viel mit der Collage, geklebt oder als collagiert wirkende Siebdrucke. Es scheint, als suche er nach einer geheimen Ordnung der fragmentierten Welt: Fotos, Zeitungsausschnitte, Buchcover werden zusammengebracht in der Hoffnung, der Wahrheit näherzukommen.

Später wurden Kitajs Bilder zwar nicht aufgeräumter, aber klarer im Thema: der Vietnamkrieg, der Holocaust, Kennedys Ermordung waren Sujets des Malers – und immer wieder die jüdische Diaspora. In leuchtend bunten Kompositionen ließ er die Dämonen des 20. Jahrhunderts aufmarschieren; aber er konnte auch lichte, fröhliche Porträts von Freunden wie David Hockney ("Der Neo-Kubist") oder Francis Bacon malen. Dabei orientierte er sich immer an der Geschichte der Malerei, als ob er sich wünschte, dass ihm die Alten Meister über die Schultern schauen.

R. B. Kitaj: Die Retrospektive

Termin: 19. Juli bis 27. Oktober, Hamburger Kunsthalle

Der Katalog zur Ausstellung ist im Kerber Verlag erschienen und kostet im Museum 34 Euro und Buchhandel 48 Euro.

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