Konrad Witz - Basel

Vollkommen ungekünstelt

Die Retrospektive des schwäbischen Malers (um 1400 bis 1447) vereint die Altarbilder von Konrad Witz. Im 15. Jahrhundert erneuerte er die Malerei, indem er Figuren in ungekannter Plastizität schuf. Nun zeigt die Ausstellung zum ersten Mal seit langem die erhaltenen Tafelbilder
Endlich vereint:Die Altarbilder von Konrad Witz

Ecclesia von Heilsspiegelaltar von Konrad Witz, um 1430/35

Manchmal dauert es Jahrzehnte, bis sich ein Traum erfüllt: In diesem Fall waren es Kunsthistoriker des Kunstmuseums Basel, die lange mit dem Plan schwanger gegangen waren, einmal das Werk eines der "radikalsten Erneuerer der Malerei der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts" mit einer Ausstellung zu würdigen: Konrad Witz. Von seinen Altarwerken sind allerdings meist nur einzelne Tafeln erhalten, von seinen Wandbildern nur Fragmente.

Zur Ausstellung konnte in einem Fall sogar zusammengeführt werden, was seit Jahrhunderten getrennt war. Witz hatte
kurz vor seinem Tod 1447 den sogenannten Heilsspiegelaltar wahrscheinlich für die Bas­ler Leonhardskirche gemalt, neun Tafeln befinden sich heute im Besitz des Basler Kunstmuseums, zwei im Musée des Beaux-Arts von Dijon und eine in der Gemäldegalerie in Berlin.

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Alle Tafeln werden nun für eine begrenzte Zeit während der Ausstellung wiedervereint. Die Schaffenszeit von Konrad Witz war kurz: Der Künstler, der wohl um 1400 in Rottweil geboren wurde, war 1434 nach Basel gezogen. Ihn und viele andere Maler hatte das 17. Konzil, einberufen von Papst Martin V., angelockt – sie erhofften sich den einen oder anderen lukrativen Auftrag von den Kirchenfürsten. Wahrscheinlich hatte Witz bei dieser Gelegenheit Kontakt zu flämi­schen Künstlern bekommen, die seine Malerei beeinflussten. Witz überwand den spätgotischen "weichen Stil", der bis dahin dominiert hatte. Der Schwerpunkt "liegt nun nicht mehr auf der geschwungenen Linie, sondern auf dem Ausdruck höchster Plastizität", welche die Figuren "wuchtig und skulptural" erscheinen lässt, wie die Karlsruher Kunsthistorikerin Ariane Mensger 2001 im Katalog zur Ausstellung "Spätmittelalter am Oberrhein" schrieb. Die elegan­ten, weich fließenden Falten der Gewänder brechen sich bei Witz "in schweren, eckigen Falten", der Reiz, so Mensger, liege "gerade in einem urtümlichen, vollkommen ungekünstelten Ausdruck". Die Basler Ausstellung erinnert an den lokalen Meister mit über 90 Exponaten – neben den berühmten Gemälden auch Grafiken, Wandbilder und Glasmalerei.

Konrad Witz

Kunstmuseum Basel
bis 3.7.

Katalog: HatjeCantz Verlag, 58 Euro
Literatur: Karin Althaus: Konrad Witz. Ein Pionier der Malerei im 15. Jahrhundert. Langewiesche Verlag, 12,80 Euro
 

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