Ad Reinhardt. Letzte Bilder - Bottrop

Schwarz ist nicht nur schwarz

Reinhardts Malerei ist und bleibt radikal – das auf konkrete und konstruktive Kunst spezialisierte Josef-Albers-Museum zeigt zum ersten Mal seit über 25 Jahren in Europa den Reifeprozess seines Werks bis zu den "schwarzen" Bildern.

Wenn es um Kunst ging, kannte er keine Kompromisse. Vielleicht gehört der New Yorker Maler Ad Reinhardt (1913 bis 1967) auch deshalb zu jenen Figuren in der Kunst des 20. Jahrhunderts, die bis heute von einem Geheimnis umwittert sind.

Was seine von 1953 an entstandenen "schwarzen" Bilder angeht, so glaubte er, sie seien "die allerletzten Bilder, die letzten, die man irgend machen kann". Damit behauptete er Ungeheuerliches und besetzte einen Extrempunkt, der Künstler seitdem herausfordert. Doch selbst diese Bilder verschließen sich nie ganz. Mögen Farbe und Form auch bis an die Grenze der Auflösung getrieben werden, die Bilder, die wie Mandalas zu betrachten sind, belohnen den aufmerksa­men Betrachter am Ende doch und ermöglichen ihm eine einzigartige Seherfahrung. Weil ihre mattschwarz erscheinende Oberfläche durch grünliche, rötliche und bläuliche Töne unterlegt ist, entsteht jene subtile Durchsichtigkeit, die Reinhardts späte Malerei so einzigartig macht.

Trotzdem ist seine Äußerung von 1962 – "Kunst ist Kunst, und alles andere ist alles andere" – heute wahrscheinlich berühmter als seine Gemälde. Das mag insofern wenig verwundern, als sich Reinhardt tatsächlich jedem herkömmlichen Verständnis von Malerei verweigerte und zeitlebens dafür stritt, die Kunst von jeglichen "Beimischun­gen" zu reinigen. Sein Standpunkt war eindeutig: Gute Malerei über etwas gibt es nicht. Und wer, ob Malerkollege, Kurator oder Kritiker, das nicht glauben wollte, der wurde – nicht nur in Reinhardts berühmten Karikaturen – mit beißendem Spott bedacht. Einen "Wadenbeißer" hat ihn der Kunsthistoriker Thomas Kellein deshalb einmal genannt. Trotzdem hat man Reinhardt, nicht ohne sein Zutun, zum "Gewissen" der Nachkriegskunst stilisiert oder ihn einfach unter die Farbmystiker der Moderne eingereiht.

"Ihr Leuchten richtet sich nun nach innen"

Dass seine jeden persönlichen Ausdruck vermeidenden "blauen" und "roten" Bilder von der Farbe bestimmt, die "schwarzen" Bilder aber keineswegs nur "schwarz" sind, kann nun in der ersten Einzelausstellung überprüft werden, die dem amerikanischen Künstler seit über 25 Jahren in Europa gewidmet wird. "Letzte Bilder. Ad Reinhardt" heißt die Schau im Josef-Albers-Museum in Bottrop, die mit zirka 35 Werken – darunter Leihgaben aus dem New Yorker Museum of Modern Art, dem Whitney Museum, dem Centre Pompidou und der Tate Modern – den Reifeprozess seines Werks hin zu einem der radikalsten Standpunkte in der Kunstgeschichte nachzuzeichnen versucht.

Die Ausstellung konzentriert sich auf die Zeit von 1950 bis zum Tod des Künstlers 1967 und nimmt eine Begegnung zwischen Reinhardt und Josef Albers im Jahr 1952/53 zu ihrem Ausgangspunkt. Damals entwickelte sich zwischen den beiden ein Gespräch über die Bedeutung der Farbe im malerischen Prozess, das sich darum drehte, wie sich mit chromatisch eng beieinander liegenden Farben eine visuelle Dynamik erreichen lasse. Für Reinhardt war der Kontakt mit dem älteren Albers (1888 bis 1976) offenbar ein wichtiger Impuls auf seinem Weg hin zu den "schwarzen" Bildern, weshalb seinen Werken einige Arbeiten von Albers zur Seite gestellt werden. "Auch wenn Reinhardt in seinen "schwarzen" Bildern scheinbar der Dunkelheit huldigt, so bleibt doch die Farbe im Zentrum seines Interesses", so Heinz Liesbrock, der Direktor des Museums, der die Schau konzipiert hat. "Ihr Leuchten richtet sich nun nach innen. Dabei ist die Begegnung mit Albers für sein Verständnis der Farbe von besonderer Bedeutung."

"Letzte Bilder. Ad Reinhardt"

Termin: 26. September bis 9. Januar 2011, Josef-Albers-Museum, Bottrop. Der Katalog erscheint im Richter Verlag und kostet 32 Euro, im Buchhandel 39 Euro.
http://www.bottrop.de/mq/ausstellungen/113010100000083769.php

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