90 Jahre Bauhaus - Weimar, Dessau, Berlin

Schmuckkasten der Moderne

Mit Ausstellungen in Thüringen und Berlin wird das Bauhaus-Jubiläum gebührend gefeiert.

"Wir überleben alle stürme. wir spie­len unsere musik, einen heiin-die-knochenfahrenden rhythmus! der schlägt ein! sie müssen uns hören – sie denken an uns." Mit solch schmissi­gen Sprüchen warb einst die legendäre Bauhauskapelle für ihre Auftritte. Ob Farbfeste, Metallisches oder Indisches Fest, am Bauhaus gab es unzählige Gelegenhei­ten zum Aufspielen, denn ausgelassene Feierlichkeiten gehörten zum Programm dieser experimentellen Studieneinrichtung.

Dieses Jahr wird in Weimar, Dessau, Berlin und in anderen Orten im Weimarer Land sowie in Städten in Thüringen wieder gefeiert, und zwar der 90. Geburtstag des Bauhauses. Allein in Weimar werden unter dem gemeinsamen Titel "Das Bauhaus kommt aus Weimar" sechs Ausstellungsorte bespielt – vom Neuen Museum bis zum Schiller-Museum. Als ein Höhepunkt gilt dabei ein architektonisches Objekt, das "Haus Am Horn" in Weimar.

Es wurde 1923 nach nur vier Monaten Bauzeit als Musterhaus anlässlich der ersten großen Bauhaus-Ausstellung eingeweiht. In diesem Schmuckkästchen der Moderne wird nun die Geschichte des Architekturunterrichts seit 1919 dokumentiert, werden Modelle sowie Pläne zu visionären Siedlungsideen gezeigt. Im Neuen Museum dann lässt sich die Frühzeit der Künstlerkommune verfolgen und auch, wie 1921 ein Kurs des De-Stijl-Protagonisten Theo van Doesburg die Formensprache am Bauhaus radikal entromantisierte und modernisierte. Verspielter geht es dann im Schiller-Museum zu, wo unter dem Motto "Spiel, Fest und Bühne" nicht nur Oskar Schlemmers Aktionen als Zeremonienmeister des Hauses gewürdigt, sondern auch Felix Klees Puppenspiele mit Figuren seines Vaters Paul vorgestellt werden.

Geballte Bauhaus-Kompetenz

Hier kommen auch erstmals zwei zauberhafte Funde ans Licht: eine possierliche Handpuppe von Gerhard Marcks, per Zufall in Münchner Privatbesitz entdeckt, und die avantgardistisch-abstrakte Marionettenbühne der Bauhausschülerin Ilse Fehling. Natürlich werden im Jubiläumsjahr auch die Designklassiker der serienmäßigen Bauhausproduktion wie Wilhelm Wagenfelds Tischlampe oder Marianne Brandts Teegeschirre zu sehen sein.

Besonders im Berliner Martin-Gropius-Bau nimmt man sich ab Juli dieser Thematik unter dem Titel "Modell Bauhaus" an. Für die gigantische Schau haben sich das Bauhaus-Archiv in Berlin, die Klassik-Stiftung Weimar und die Stiftung Bauhaus Dessau verbündet. Projektleiterin Kirsten Baumann koordiniert sechs Kuratoren und schwärmt: "Hinreißend! So viel geballte Bauhaus-Kompetenz hat es wohl noch nie an einem Tisch gegeben."

Unter dem Titel "Bauhaus 1919–1933: Workshops for Modernity" ist sie im Herbst in New York im Museum of Modern Art zu sehen. Zu den Berliner Sensationen gehört der erst 2004 wiederentdeckte „Afrikanische Stuhl“ von Marcel Breuer, den der Sitzmöbelkünstler 1921 mit seiner Gefährtin, der Weberin Gunta Stölzl, entworfen hatte. Auch Kleidungsstücke aus der Weberei zeigen den unkonventionellen Geschmack der damaligen Stilrebellen. All das wird gerahmt von der, ganz im Sinne der Bauhaus-Philosophie, farbig gefassten Ausstellungsarchitektur der Berliner Szenografen Detlef Weitz und Rose Epple. Ein echtes Spektakel, das sich von April bis Jahresende zwischen Weimar, Dessau und Berlin abspielt – ganz im Sinne der feierfreudigen Bauhäusler.

"90 Jahre Bauhaus"

Termine: Weimar, 1. April bis 5. Juli; Berlin, 22. Juli bis 4. Oktober. Danach New York "Bauhaus 1919–1933: Workshops for Modernity", 8. November bis 25. Januar 2010. Kataloge: Weimar, Deutscher Kunstverlag, 35 Euro; Berlin, Hatje Cantz Verlag, 49,80 Euro. Weitere Ausstellungen: in Apolda, Erfurt, Dessau, Gera, Gotha und Jena.
http://bauhaus2009.itsrv.de