Julia Stoschek Collection - Deichtorhallen

Glamour-Attacke in den Deichtorhallen

Die Düsseldorfer Sammlerin Julia Stoschek zeigt ihre Videokunst-Sammlung in Hamburg – und überrascht die unterkühlten Hanseaten mit einer unverschämten Personality-Show.

Das hat es in den Deichtorhallen lange nicht nicht gegeben. Eine komplette Ausstellung nur mit Kunstfilmen, flimmernden Monitoren, Videoprojektionen, 3-D-Animation, bewegten Bildern an der kathedralenartigen Hallendecke und sogar im Lastenfahrstuhl.

Klingende Namen des Kunstbetriebs und Klassiker der Videokunst sind da vertreten: Marina Abramovic, Monica Bonvicini, Antony McCall, Thomas Demand, Isaac Julien, Terence Koh, Bruce Nauman, Gordon Matta-Clark, Pipilotti Rist, Christoph Schlingensief, Wolfgang Tillmans... Der neue Deichtorhallen-Leiter Dirk Luckow hat für seine erste große Schau die Düsseldorfer Sammlerin Julia Stoschek eingeladen, ihre auf Film- und Videokunst spezialisierte Kollektion in Hamburg zu präsentieren.

Ein kluger Schachzug, denn Stoschek hat in ihrer kurzen Sammelertätigkeit nicht nur eine einzigartige Auswahl medial geprägter Kunst zusammengetragen. Sie verfügt als offizielles Glamourgirl der Szene über exzellente Kontakte zu internationalen Künstlern und Kuratoren. Und sie hat als Mitgesellschafterin des Coburger Autozulieferunternehmens Brose die finanziellen Muskeln, um ihrem ersten großen Auftritt außerhalb ihres Düsseldorfer Privatmuseums das nötige Gewicht zu verleihen.

Ein abwechselungsreicher Videoparcour

Die lichtdurchflutete Industriearchitektur der Deichtorhallen, eigentlich nicht gerade ideal für Filmprojektionen, wurde durch geschickte Einbauten zum abwechselungsreichen Videoparcours. Abgeschirmt von der Außenwelt kann man sich nun auf Isaac Juliens "True North", eine elegische Polarexpedition als Dreikanalviedo auf drei großen Leinwänden, konzentrieren; oder draußen an Einzelmonitoren mit Filmen von Eleonor Antin, Lydia Benglis, Martha Rosler, Carolee Schneemann, Hannah Wilke, Klara Liden oder Alex McQuilkin einen unterhaltsamen Überblick über die feministische Kunstproduktion von 1972 bis heute gewinnen. Oder man macht es sich mit 3D-Brille in eine Videohöhle gemütlich und lässt sich vom märchenhaft-verspielten Trickfilm der isländischen Popsängerin Björk verführen. Am Eröffnungsabend bekamen die bunten Videobilder von einer im Fluss treibenden Sängerelfe angesichts real existierender Vulkanausbrüche und bedrohlicher Aschewolken allerdings eine etwas düsterere Note.

"Stoschek glänzte derweil im Blitzlichtgewitter"

Ansonsten herrschte auf der Vernissage ausgelassene Partystimmung. Stoscheks Künstlerfreunde, Andreas Gursky, Thomas Demand, Daniel Richter, Andreas Slominski und Georg Herold, waren alle da. Der britische Künstler Issac Julien, der an der Kunsthochschule in Karlsruhe lehrt, hatte sogar seine Studenten aus Karlsruhe mitgebracht. Und der New Yorker Lichtkünstler Anthony McCall kam persönlich vorbei, um die perfekte Installation seines ikonischen Minimalwerks "Line Describing a Cone" zu überwachen. Julia Stoschek glänzte derweil im Blitzlichtgewitter der Pressefotografen. Ihr stylisches Porträt im Feinripphemdchen mit kesser Kapitänsmütze zierte nicht nur die Einladungskarte, sondern prangt als riesiges Plakat auch draußen an den Deichtorhallen und begrüßt die Besucher im Eingangsbereich. Auch in der Ausstellung hängt noch mal ein überlebensgroßes Fotoporträt der schneewittchenschönen Sammlerin, diesmal ein Werk von Thomas Ruff. So viel unverhohlender Personality-Kult ist den kühlen Hanseaten eigentlich fremd. Die Idee dazu stammt allerdings nicht von der Düsseldorfer Jetsetterin selbst, sondern vom neuen Deichtorhallen-Chef. Inspiriert habe ihn dazu eine Schlagzeile aus art, bekennt Dirk Luckow. "Sie ist jung, reich und ziemlich kühn", begann ein Artikel über Julia Stoschek (art 4/2007). Diese Zeilen hätten ihn zu dem kühnen Schritt bewogen, die Sammlerin gleich auch zum Covergirl der Ausstellung zu machen.

Aber natürlich ist das alles auch ein wenig ironisch gemeint. Genauso wie die Wahl der Location für die After-Party: der Ego-Club auf St. Pauli, zu der die Vernissage-Gäste in schwarzglänzenden Porsche-VIP-Cars chauffiert wurden. Denn wie lautet doch gleich das magische Mantra, das Marina Abramovic in ihrem frühen Video immer wieder wiederholt: "Art must be beautiful, artist must be beautiful!"

"Julia Stoschek Collection - I want to see how you see "

Termin: bis 25. Juli, Deichtorallen, Hamburg.
http://www.deichtorhallen.de/656.html