Mircea Cantor - Kunsthaus Zürich

Auf der Suche nach dem Glück

Der rumänische Künstler Mircea Cantor untersucht in seinen Arbeiten mit Hilfe durchaus poetischer Zeichen, wie die Mechanismen staatlicher Repressionen den Alltag der Menschen durchdringen.

Ein Wolf und ein Reh befinden sich in einem weißen Galerieraum. Kein Tier kommt dem anderen zu nahe, und doch sind sie mit ihren Sinnen unablässig aufeinander bezogen. Der Wolf verfolgt das Reh, tut ihm aber nichts. Mircea Cantor zeigte das künstliche Zusammentreffen in einem Film 2006 auf der 4. Berlin-Biennale. Die angespannte Atmosphäre, das gegenseitige Belauern und die potenzielle Gefahr bestimmen diese Situation einer Überwachung und führen ins Zentrum der Kunst des jungen Rumänen.

1977 in Transsilvanien geboren, hat Cantor im kommunistischen Alltag des Ceaușes­cu-Regimes erfahren, wie die Mechanismen staatlicher Repression den Alltag durch­dringen. In seinem Werk überführt er Mittel von Kontrolle und Protest in ambivalente, häufig sehr poetische Zeichen. Seine DVD-Projektion mit Ton "The landscape is ­changing" (2003) zeigt eine Gruppe von Demonstranten, die in Albanien mit Spiegeln statt Transparenten durch die Straßen der Hauptstadt Tirana ziehen. "Dimensions variable" (2009) bringt den Streit um ­glo­bale Machtinteressen durch eine riesige Reitpeitsche zum Ausdruck, die aus den Flaggen der G8-Staaten geflochten ist. In der Ausstellung im Kunsthaus Zürich (ein Künstlerbuch erscheint erst nach der Eröffnung) rückt Cantor ins Zentrum, dass wir von immer mehr Überwachungskameras beobacht werden, dass Kreditkarten, Handy­satelliten und Kassenscanner fast jede Ak­tion registrieren, dass diese Datenfülle digital gespeichert wird und wir real kaum noch Abdrücke hinterlassen. Die wenigsten schreiben noch Briefe, die ihre Nachkommen einmal finden und lesen könnten. Wir legen Spuren und verwischen sie fast im selben Augenblick.

Cantor geht diesen Spuren nach, und er deutet an, wie sie von Lebensnotwendigkeiten bedingt sind. Migranten kommen zu uns, weil sie in ihren Ländern nur schwer ihren Lebensunterhalt verdienen können.Und weil sie von etwas Glück für sich und ihre Familien träumen. Dabei lassen sie ihre Heimat zurück wie Cantor, der seit lan­gem zwischen Rumänien und Paris pendelt. Was sie von ihrem alten Zuhause mitbringen, verändert sich mit der neuen Umgebung. Cantor lässt immer wieder in Rumänien arbeiten. Ein vergoldetes Tor, wie man es dort in der alten Volkskultur findet, hat er mit DNA-Symbolen des wissenschaftlichen Zeitalters verziert. "Tracking Happiness" ist der Titel der Ausstellung und eines Werks; der Künstler als ein Glücksucher ist ein wunderbares Bild, wie es sonst nur Märchen ersinnen.

"Mircea Cantor. Tracking Happiness"

Termin: bis 8. November 2009, Kunsthaus Zürich
http://www.kunsthaus.ch