Germanisches Nationalmuseum - Nürnberg

Wenn Engel und Kaiser triumphieren

300 Jahre Kulturgeschichte in Mitteleuropa – in keinem anderen Haus wird das mit Raritäten der Kunst anschaulicher als im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Dort schlägt die Neupräsentation der Schätze von der Renaissance bis zur Aufklärung eine Brücke zwischen den Gattungen.

Die spätbarocken Engel und Puttenköpfchen von Ignaz Günther scheinen in dem Renaissance-Kapellengewölbe zu schweben und strahlen dabei feist um die Wette. Es ist zwar nicht ihr originäres Terrain, aber das scheint die Putten nicht von himmlisch beschwingten Höhenflügen abzuhalten. Aus dem Ebracher Hof (1483) stammt die in Nürnbergs Germanisches Nationalmuseum (GNM) transplantierte Kapelle. Stimmige Allianzen dieser Art sind symptomatisch für ein Museum, das den seinerzeit für höfische, sakrale sowie städtische Selbstdarstellung repräsentativen Brückenschlag zwischen den Epochen und Gattungen sucht.

Sechs Jahre war der Kernbestand der Sammlung nicht zu sehen, weil das Obergeschoss des Galeriebaus generalsaniert wurde. Nun macht das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg die in Mitteleuropa einzigartige Schausammlung wieder zugänglich. Rund 1000 Werke aus dem 16. bis 18. Jahrhundert werden in den 33 neu gestalteten Räumen vor frisch türkisblau gestrichenen Wänden präsentiert. "Mit der Neueröffnung unserer Sammlung zur Kunst und Kultur von der Renaissance bis zur Aufklärung setzen wir Maßstäbe in der ansprechenden Präsentation, der innovativen Museumstechnik und der begleitenden wissenschaftlichen Bearbeitung unserer Objekte", schwärmt Generaldirektor Ulrich Großmann. Tatsächlich sorgt die neue Klima-, Licht- und Sicherungstechnik für einen endlich dem Niveau des GNM angemessenen fortschrittlichen Museumsstandard.

Gattungsübergreifend sind vom 18. März an Meisterwerke von Albrecht Altdorfer, Albrecht Dürer, Lucas Cranach, Hans Baldung Grien und vielen anderen Größen der altdeutschen Malerei zu sehen. Von Dürer etwa werden die Kaiserporträts von Karl dem Großen und von Sigismund im Krönungsornat (1512/13) gezeigt. Soviel nur zur spannenden Entstehungsgeschichte dieser Pendantbilder: Der Rat der Stadt Nürnberg bestellte bei Dürer die Bildnisse Karls des Großen und Kaiser Sigismunds für die Heiltumskammer am Hauptmarkt, in der die Reichskleinodien für ihre jährliche Präsentation nach Ostern aufbewahrt wurden. In der festlich aufbereiteten Schausammlung sind jetzt erstmals auch die Rückseiten der beiden Gemälde zu sehen, wodurch ihre ursprüngliche Funktion als Türen eines Schreins zum Vorschein kommt.

Viele Objekte sind für ihren strahlenden Neuauftritt im GNM restauriert worden. Bestechend ist der ästhetische Zusammenklang von Kunst und Handwerk, Mobiliar und Musikinstrumenten, Textilien und Schmuck. Laut Großmann sollen mit dieser gattungsübergreifenden Konzeption "300 Jahre Kulturgeschichte in Mitteleuropa lebendig werden". Das dürfte auf jeden Fall gelungen sein.

"Renaissance. Barock. Aufklärung"

Neueröffnung der Schausammlung: "Renaissance. Barock. Aufklärung. Kunst und Kultur
vom 16. bis zum 18. Jahrhundert". Termin: ab 18. März, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
http://www.gnm.de/

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