Dix / Beckmann - Mannheim

Zwei Meister des Nachexpressionismus

Das Zusammentreffen von Otto Dix und Max Beckmann in der Kunsthalle Mannheim führt zu spannenden, überraschenden Konstellationen.
Rendezvous der Meister:Otto Dix trifft auf Max Beckmann

Zwei Meister des Nachexpressionismus: Dix und Beckmann.

Für Ulrike Lorenz geht ein Wunsch in Erfüllung: Die Direktorin der Kunsthalle Mannheim wollte schon lange zwei Meister des Nachexpressionismus einander gegenüberstellen: Max Beckmann und Otto Dix.

"Ich wollte mir vor Augen führen, wie das Zusammenspiel funktioniert", sagt Lorenz. Nun wird die Schau "Dix/Beckmann: Mythos Welt" im frisch sanierten Jugendstilbau der Kunsthalle Mannheim gezeigt, wo 1925 schon die programmatische Ausstellung zur Neuen Sachlichkeit stattfand – mit Dix und Beckmann.

100 Gemälde und 165 Papierarbeiten werden in Themenräumen präsentiert. Den Auftakt bilden Selbstporträts. Für Beckmann (1884 bis 1950) war es eine Ausnahme, sich wie beim "Selbstbildnis auf Grün mit grünem Hemd" (1938/39) im Atelier zu zeigen, "er hat sich meistens als Gesellschaftslöwe dargestellt", so Lorenz. Dix (1891 bis 1969) dagegen habe gern den Malerknecht gegeben. Auf dem "Selbstbildnis mit Staffelei" von 1926 ist er ausnahmsweise im Gesellschaftsanzug zu sehen.

Beide Maler beginnen mit Naturdarstellungen und werden vom Ersten Weltkrieg geprägt. Beckmann war kurzzeitig Sanitäter, "Dix, der Underdog und Arbeiter", so Lorenz, "musste dagegen bis zum letzen Kriegstag an vorderster Front kämpfen" – die Erfahrungen verarbeitete er 1924 in einem Zyklus von Radierungen. In den zwanziger Jahren malen sie das Großstadtleben, Dix formt seine "spezielle Form von Brutalrealismus" aus, so Lorenz, Beckmann seine "rätselhafte Mythenmalerei". Während des Nationalsozialismus gelten beide als entartet – Dix zieht sich an den Bodensee zurück. Beckmann emigriert nach Amsterdam und geht 1947 nach Amerika.

"Es werden unglaublich spannende, überraschende Konstellationen gezeigt", sagt Lorenz – etwa beim Thema Landschaft, der sie sich später zuwenden. Beide beschäftigen sich auch mit dem Scheitern: Beckmann beim "Abstürzenden" von 1950, Dix beim "Schmerzensmann" (1964). Außerdem haben beide Triptychen gemalt – allerdings werden die großen Werke nicht mehr verliehen. Deshalb hat sich Lorenz zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen und wird unter anderem Dix’ "Großstadttriptychon" zeigen – deutlich als Kopie deklariert.

Dix/Beckmann: Mythos Welt

Mannheim, Kunsthalle
22.11.– 23.3.14

Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt. Es erscheint im Hirmer Verlag ein Katalog zu 25 Euro (Buchhandel 39,90 Euro)
http://www.kunsthalle-mannheim.de/de/ausstellung/info/dixbeckmann