Gib mir Fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen sollten. Diesmal mit einem volksnahem Entfant terrible, Innovationen der Fotografie und ziemlich gerissener Kunst.

Essen – Mut zum Druck

"Eher trete ich die Pflicht des Nachlebens an und werde eine schwitzende Blutwurst in der Vitrine für vernachlässigte Beuys-Forschung" – was der Künstler uns damit sagen will?

Darüber kann man im Fall Martin Kippenberger (1953-1997) lange nachdenken. Denn Kippenberger ist ein Phänomen, ein Enfant terrible, ein Künstler, der bis heute seiner Nachwelt Rätsel aufgibt. Während die vergangenen Ausstellungen darauf ausgelegt waren, dieses (Un)verständnis zu mehren oder Kippi als Kuriosum zu zeigen, sieht man im Museum Folkwang Plakate, die zwar auch – wie sollte es anders bei Kippenberger sein – das eine oder andere Grübeln nach sich ziehen, den Künstler aber beinahe volksnah wirken lassen. Ob es die Verwendung privater Fotografien, das handliche Format oder die aus jedem Satz und Schriftzug sprühende Ironie ist, die Schau in Essen bringt uns nicht nur zum Schmunzeln, sondern auch Kippenberger wieder etwas näher, frei nach seinem Slogan: "Einer von Euch, unter Euch, mit Euch" mit dem er, auf Plakate gedruckt, 1978 den Westteil von Berlin gepflastert hatte.

Die Ausstellung "Du kommst auch noch in Mode. Plakate von Martin Kippenberger" ist vom 18. Oktober 2014 bis 18. Januar 2015 im Museum Folkwang in Essen zu sehen.

Bremen – Kunstbiografien

Der Fall Cornelius Gurlitt hat die Frage nach der Provenienz von Kunstwerken wieder präsent gemacht. Tatsächlich ist die Frage nach der "Biografie" eines Werks so alt wie die Kunst selbst. Die Kunsthalle Bremen stellt in ihrer Ausstellung "Eine Frage der Herkunft" das Ergebnis eines dreijährigen Forschungsprojektes vor. Die Geschichte von etwa 120 Werken aus der Sammlung der Kunsthalle wurde kritisch geprüft, darunter Gemälde von Max Liebermann und Camille Pissarro. Auch die Bremer Sammler und Händler Arnold Blome, Heinrich Glosemeyer und Hugo Oelze wurden unter die Lupe genommen. Von ihnen erwarb die Kunsthalle während und nach der NS-Zeit viele Gemälde. Gibt es Werke in der Sammlung, die möglicherweise irgendwann von ihren ursprünglichen Eigentümern unrechtmäßig enteignet wurden? Die Ausstellung sagt Ja und verrät auch welche.

Die Ausstellung "Eine Frage der Herkunft: Drei Bremer Sammler und die Wege ihrer Bilder im Nationalsozialismus" ist vom 22. Oktober 2014 bis zum 04. Januar 2015 in der Kunsthalle Bremen zu sehen.

Hamburg – Revolution der Fotografie

1914 wurde im hessischen Wetzlar der Grundstein für die Revolution der Fotografie gelegt. Damals entwickelte Oskar Barnack für Leica, seinerzeit noch Leitz, die erste Kleinbildkamera. Nicht nur Künstler und Journalisten benutzten die Kleinbildkamera von Leica, sie war eine Kamera für jedermann. Die Blickwinkel änderten sich genauso wie die Motive und Bildausschnitte. Mit rund 500 Objekten, darunter Fotografien, Filme, Zeitschriften und Kamera-Prototypen erzählt die Hamburger Ausstellung "Augen Auf! 100 Jahre Leica Fotografie" die Geschichte und Entwicklung der Kleinbildfotografie. Dabei behandelt die Ausstellung den technischen Fortschritt der Fotografie und dessen inhaltliche Konsequenzen gleichermaßen.

Die Ausstellung "Augen Auf! 100 Jahre Leica Fotografie" ist vom 24. Oktober 2014 bis zum 11. Januar 2015 im Haus der Fotografie der Deichtorhallen Hamburg zu sehen. Außerdem ist der Hamburger Jungfernstieg bis zum 31. Oktober in eine "Outdoorgalerie" verwandelt. Die Ausstellung wird nach ihrer Premiere in Hamburg auch in Frankfurt, Berlin, Wien und München zu sehen sein.

Essen – Keine Autos aber Kunst

Hier spielt jemand mit dem Feuer und lässt düstere Gesichter entstehen, dort wird der Klang von Keramik zum akustischen Material einer Performance. An einer Stelle sprayt der Bananensprayer seine Volksbanane, es folgen schrille Bilder in Pink, Ready-mades auf Rollen und tanzende Plastikschirme – wie eine Naschwarenabteilung gefüllt mit kunterbunter Kunst erscheint die Contemporary Art Ruhr (C.A.R.). Natürlich ist nicht alles Gold was glänzt, aber ein paar Schmuckstücke gibt es in Essen durchaus zu sehen. Die Performance "Personal Issues" des rumänischen Künstlers Valeriu Schiau, in der er Bilder in Kartonage brennt, ist ein solches. Auch der Messeschwerpunkt zeitgenössischer rumänischer Kunst ist sehenswert. Wir behaupten: Die C.A.R. hat für jeden Geschmack etwas im großen, bunten Bonbonglas und ist deshalb einen Besuch wert.

Die Kunstmesse "C.A.R" (Contemporary Art Ruhr) ist vom 24. Oktober bis 26. Oktober 2014 auf dem Gelände des Welterbe Zollverein in Essen zu sehen. Die Performance "Personal Issues" von Valerie Schiau findet am 26. Oktober 2014 um 13 Uhr statt.

Basel – Dekonstruierende Flaneure

Maler des Lebens, Mann der Menge – das trifft nicht nur auf Baudelaires Flaneur, sondern irgendwie auch auf die "affichistes" zu. Francois Dufrêne, Raymond Hains, Jacques Villeglé, Wolf Vostell sowie Jean Tinguely gehörten zu der Künstlergruppe, die ab 1950 eine radikale und zugleich poetische Annäherung an die Realität praktizierten. Sie eroberten und dekonstruierten den Stadtraum. Das Plakat – abgerissen, übermalt, verbrannt oder freigelegt und mithin zum Manuskript eines Theaters auf der Straße erkoren – wurde dabei zum zentralen Mittel ihrer künstlerischen Tätigkeit. In der Ausstellung in Basel, die nun zum ersten Mal das Schaffen dieser Gruppe zeigt, sind aber nicht nur die Künstler schlendernd erforschende Stadteroberer, auch die Besucher werden, durch den als Stadtraum angelegten Ausstellungsparcours, zu Flaneuren.

Die Ausstellung "Die Poesie der Großstadt. Die Affichisten" ist vom 22. Oktober 2014 bis 17. Januar 2015 im Museum Tinguely in Basel zu sehen.