Gute Aussichten - Junge Deutsche Fotografie

Liebe, Krieg und Bäume

Das Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen präsentiert bis zum 1. März die Gewinner des Fotowettbewerbs "Gute Aussichten – Junge Deutsche Fotografie 2008/09".
Liebe, Krieg und Bäume:Junge Deutsche Fotografie in Hamburg

Sex im Alter: aus der Serie "Morgenliebe" von Katrin Trautner

Bilder, aus denen Stimmen dringen, Stripperinnen in einer Dunkelkammer, Stadtansichten von Teheran, durch Licht gestaltete Räume, von oben fotografierte Holzboote, Bäume vor einem weißen Hintergrund, ältere Menschen beim Liebesspiel, übereinander gestapelte Kartons oder doch das Brandenburger Tor?

Sozial- und medienkritisch, reduzierend, infrage stellend, suchend und abstrahierend sind im wesentlichen die Herangehensweisen von Laura Bielau, Markus Georg, Mazier Moradi, Reza Nadji, Florian Rexroth, Heiko Schäfer, Juergen Staack, Sarah Strassmann und Katrin Trautner – die neun Gewinner des Fotowettbewerbs "Gute Aussichten – junge deutsche Fotografie 2008/2009", dessen Ergebnisse jetzt im Hamburger Haus der Photographie zu sehen sind.

Bereits zum 5. Mal wurde das Nachwuchsförderungsprojekt ausgelobt, das 2004 mit den Initiatoren Josefine Raab und Stefan Becht seinen Anfang fand und sich inzwischen als großer deutscher Fotowettbewerb etabliert hat. In der diesjährigen Jury saßen die Initiatorin Josefine Raab aus Wiesbaden, die Leiterin der Kunstsammlung der DZ Bank Luminita Sabau aus Frankfurt am Main, Maler Norbert Bisky aus Berlin, Art Director Mario Lombardo aus Berlin, Stefan Ostermeier aus Hamburg, Fotochef der Zeitschrift "Brand eins" und Ingo Taubhorn, Kurator des Hauses der Photographie. Und die hatten es schwer, denn "noch nie gab es so viele Einsendungen, wie in diesem Jahr", sagte Josefine Raab. "Insgesamt wurden 103 Arbeiten aus 39 Hochschulen eingereicht".

Fotografie als Datenwust

Die Arbeit von Juergen Staack sticht am deutlichsten heraus. Schwarz übermalte Polaroids, weiße Bildflächen und großzügig angelegte monochrome Linien: Mit "Transcription-Image" stellt sich der 1978 geborene Juergen Staack, der in Düsseldorf studiert hat und Meisterschüler von Thomas Ruff war, die Frage nach dem fotografischen Original. Gibt es das überhaupt? Was passiert, wenn man es in ein anderes Medium umwandelt? Dazu hat er Menschen aus unterschiedlichen Ländern Polaroidaufnahmen gezeigt, die sie in ihrer Muttersprache beschreiben sollten. Die Originale wurden danach schwarz übermalt und die Daten der Tonaufnahmen, die man sich via Kopfhörer anhören kann, wieder zu neuen Bildern generiert.

Alles andere als abstrakt sind hingegen die Bilder von Katrin Trautner, die sich mit dem Thema Liebe und Sex im Alter unter dem Titel "Morgenliebe" auseinandergesetzt hat. Die Porträts von hetero- und homosexuellen Paaren, die beim Liebesspiel fotografiert wurden, erinnern stark an den Film von Andreas Dresen "Wolke 9", was die Arbeit der 1981 geborenen Künstlerin, die an der Fachhochschule Bielefeld studiert hat, jedoch nicht schmälert.

Wahrnehmung durch Isolation

Die Bäume, die Florian Rexroth fotografiert hat, wirken von Weitem als seien sie am Computer freigestellt worden oder als habe er Miniaturbäume als Stillleben fotografiert. Beim genaueren Hinschauen fällt auf, dass es tatsächlich echte Bäume sind und die Landschaft dahinter durch große weiße Tücher abgedeckt wurde. "Bäume werden in den Städten nicht wahrgenommen, also habe ich sie isoliert", sagt der Künstler, der seine Ausbildung an der Berufsfachschule für Design, dem Lette-Verein Berlin, gemacht hat. Die mit einer großformatigen Kamera entstandenen Aufnahmen sollen den Menschen in den Städten die Liebe zur Natur wieder näher bringen.

"Ich dachte, ich habe eine ganze Familie von Schauspielern", witzelt Maziar Moradi. Und das glaubt man ihm, wenn man sich seine inszenierten Porträts anschaut. In seinem Beitrag mit dem Titel "1979" erzählt er mit jedem Bild eine Geschichte seiner Familie zu Zeiten des Krieges im Iran. Diese Geschichten hat er im Vorfeld gesammelt und diese dann seine Familie nachspielen lassen.

Die neun Serien mit insgesamt 174 Motiven sind bis zum 1. März im Haus der Photographie der Deichtorhallen zu sehen. Danach wandert die Ausstellung weiter in die Stuttgarter VHS-Photogalerie, ab Mitte Mai nach Frankfurt, wo die Bilder im neuen Art-Foyer der DZ Bank gezeigt werden und ab Mitte Juni im Goethe Institut in Washington DC.

"Gute Aussichten – Junge Deutsche Fotografie 2008/09"

Termin: bis 1. März 2009, Haus der Photografie der Hamburger Deichtorhallen, Deichtorstr. 1-2, Hamburg
http://www.deichtorhallen.de/

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