Neuer Van Gogh - Entdeckung

Sensationsfund in Zwolle

In Nordholland ist ein Gemälde aufgetaucht, das nach Meinung führender Van-Gogh-Experten ein authentisches Werk des niederländischen Meisters ist.
Sensationsfund in Zwolle:Neues Van-Gogh-Gemälde in Zwolle entdeckt

Von Vincent van Gogh 1886 auf dem Montmartre gemalte Mühle "Le Blute-Fin" (Öl auf Holz, 55 x 38 cm)

Wenn in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten bis dato unbekannte Werke Vincent van Goghs einer staunenden Weltöffentlichkeit vorgestellt wurden, handelte es sich meist um Bilder aus den Pariser Jahren des Malers. Das ist kein Zufall: Zwischen 1885 und 1887 lebte van Gogh bei seinem Bruder Theo. Weil sich beide eine Wohnung teilten, fand der berühmte Briefwechsel zwischen den beiden Brüdern in jener Zeit nicht statt. Über van Goghs Tätigkeit, seine Bildideen und deren Umsetzung unterhielt man sich zwar ausgiebig am Esstisch. Akribische Beschreibungen von Motiven und Malorten, wie es sie aus der holländischen Periode und später aus Arles, Saint-Rémy und Auvers fast täglich gab, sind aus jenen Jahren aber kaum überliefert.

Nun ist im nordholländischen Zwolle erneut ein Gemälde aufgetaucht, das 35 Jahre lang nicht als das erkannt wurde, was es nach Meinung der führenden Van-Gogh-Experten tatsächlich ist: ein authentisches Werk von der Hand Vincent van Goghs. Louis van Tilborgh, Forschungskustos, und Ella Hendricks, Restauratorin am Van Gogh Museum in Amsterdam, haben die 55,2 mal 38 Zentimeter große Holztafel über Monate hin akribisch untersucht, stilkritische und materialtechnische Vergleiche unternommen. Dann stand das einhellige Urteil fest, das die beiden Experten heute bei einer Pressekonferenz im "Museum de Fundatie" im nordholländischen Zwolle auch offiziell bekannt gegeben haben: Die Ansicht der Windmühle "Le Blute-Fin" malte Vincent van Gogh im Frühjahr 1886 auf dem Montmartre.

Entdecker der kleinen Holztafel ist der 1984 gestorbene niederländische Kunsthistoriker Dirk Hannema, der von 1921 bis 1945 als Direktor das Museum Boijmans in Rotterdam leitete. Nach dem Krieg war er aus seiner Position entlassen und inhaftiert worden, weil er offen mit den Nationalsozialisten kollaboriert hatte. Außerdem gab es Zweifel an seiner fachlichen Eignung: Hannema hatte zahlreiche von ihm angekaufte Werke Künstlern zugeschrieben, von denen sie nicht stammten. Für die meisten Schlagzeilen sorgte die angebliche Entdeckung eines neuen Vermeer-Gemäldes, der "Emmaus-Jünger", durch Hannema. Tatsächlich stammte das Bild vom legendären Vermeer-Fälscher Han van Meegeren.

Zeichnungen zeigen denselben Blick

Dirk Hannema konnte sich deshalb nach dem Krieg ganz dem Ausbau seiner privaten Kunstsammlung widmen, zu der unter anderem Werke von Mondrian, van Dongen, Marc und Pechstein gehören. Bei Reisen nach Paris erwarb er 1974 und 1975 in der Galerie Rickel Hein auch vier Gemälde, die Hannema Vincent van Gogh zuschrieb. Wegen seines schlechten Rufes wurde diese Einschätzung aber von niemandem geteilt; keines der Bilder fand Eingang ins Van-Gogh-Werkverzeichnis. Ralph Keuning, der Direktor des Museums "De Fundatie" im nordholländischen Zwolle, in dem Teile der Hannema-Sammlung zu sehen sind, bat dann aber vor kurzem im Van Gogh Museum um erneute Begutachtung.

Dabei stellten Louis van Tilborgh und Ella Hendricks fest, dass zweifelsfrei eigenhändige Zeichnungen den selben Blick auf die Montmartre-Mühle, die Treppe und das Ausflugslokal an ihrem Fuß wiedergeben, dass es stilistische Übereinstimmungen mit anderen Paris-Bildern von Van Gogh gibt und dass er und sein Freund Arnold Hendrik Koning diesen Blick auch malten. Leider ist Van Goghs Zweitversion 1967 in einer Privatsammlung verbrannt. Auch die entnommenen Materialproben und der stilistische Vergleich mit anderen Werken sprachen für Van Gogh.

"Van Goghs "Le Blute-Fin" in Zwolle

Termin: bis zum 4. Juli ist das neu entdeckte Van-Gogh-Gemälde in einer eigenen Ausstellung im Museum De Fundatie in Zwolle zu sehen. Ein kleiner Katalog (Waanders Uitgevers) erzählt und illustriert seine ungewöhnliche Geschichte.
http://www.museumdefundatie.nl