Peter Doig - London

Die Aura des Unheimlichen

Die Tate Britain richtet dem hoch gehandelten britischen Maler Peter Doig eine große Werkschau aus

Der Verkauf von Peter Doigs "Weißem Kanu" (1990/91) leitete im Februar 2007 ein neues Kapitel in der Geschichte der Kunstmarktkapriolen ein: Sagenhafte 5,7 Millionen Pfund, die ein russischer Großindustrieller zu zahlen bereit war, machten Doig vorübergehend zum teuersten lebenden Maler Europas und zogen die Schraube der Gegenwartskunsttaxen noch einmal nachhaltig an.

Dass der 1959 in Edinburgh geborene Doig, der in der Karibik und Kanada aufwuchs, in London studierte und nun wieder auf Trinidad lebt, nicht nur ein hoch bezahlter, sondern auch ein Künstler mit Tiefgang ist, will die große Werkschau in der Tate Britain beweisen.

Über 50 Gemälde aus rund 20 Jahren und verschiedene Grafikzyklen führen vor Augen, wie Doig Fotos, Postkarten, Plattencover, Filmstills und kunsthistorische Zitate zu riesigen, traumhaft entrückten Bildern verwebt. Sie zeigen außerdem ein Verfahren, das aus einem konzentrierten Motivkreis immer neue Ableitungen schöpft: An stillen Gewässern und hinter Bäumen gelegene Häuser sind ein wiederkehrendes Thema, kleine Skifahrer an großen Hängen, Menschen am Strand und allein im Wasser, oft in Gedanken versunken und wie per Blitzlicht aus der Nacht ins Bild geholt.

Kanus malt Doig bereits seit Ende der achtziger Jahre: Das Motiv hat er einem Horrorfilm entnommen, in dem ein Ertrunkener einen See heimsucht. Ihn interessiere, sagt der Künstler, was uns entgeht, wenn wir uns auf das konzentrieren, was unmittelbar ins Auge springt. Ein weißes Kanu beispielsweise, das die Aura des Unheimlichen umgibt?

"Peter Doig"

Termin: bis 27. April, Tate Britain, London. Vom 22. Mai bis 14. September im Musée d´Art moderne de la Ville de Paris. Und vom 9. Oktober bis 11. Januar 2009 in der Schirn-Kunsthalle, Frankfurt am Main. Katalog: ca. 23 Euro
http://www.tate.org.uk