Nordic Moods - Landschaftsfotografie

Nordish By Nature

Schönheit, Romantik, Dramatik – das dänische Arken-Museum zeigt atemberaubende nordische Landschaftsfotografie von Per Bak Jensen, Lars Tunbjörk und Olafur Eliasson.
Nordish By Nature:das Arken-Museum zeigt nordische Landschaftsfotografie

Aino Kannisto, "Untitled", 2003

Eine langhaarige Brünette. Obwohl sie ein langes, rotes Kleid trägt, steht sie bis knapp unterhalb des Pos im Meer. Die Arme sind leicht vom Körper abgewinkelt, eine Hand ist leicht ins Wasser getaucht. Das Kleid wirft um die Hüfte herum eine Falte. Es ist förmlich spürbar wie die Frau mit durch das Wasser gedämpften Schritten langsam ins Meer hinausschreitet. Nicht weit vor ihr: ein Fels und ein kleiner Leuchtturm, im Hintergrund Berge und ein Boot. Unmittelbar muss man an Henrik Ibsens "Frau vom Meer" denken – wenn dieses Motiv in einer Ausstellung mit dem Titel "Nordic Moods – Nordische Stimmungen" gezeigt wird.

Wenn Landschaftssujet und Nationales zusammenkommen, ist es nie weit zum Klischee. Das wird auch in der im Kunstmuseum Arken, vor den Toren der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, gezeigten Ausstellung deutlich. Doch ohne Frage haben die nordischen Länder ganz besondere Landschaften zu bieten und Künstler beschäftigen sich nun einmal auch mit dem, was sie umgibt. Dabei muss es nicht immer gleich zur Reproduktion eines Klischees kommen. Vielmehr geht es manchmal um eine ironische Auseinandersetzung mit einem Klischee oder darum, genau jene Szenerie zu zeigen, die nicht dem Klischee entspricht. In der Ausstellung "Nordic Moods" ist beides zu finden. Die Dänin Jeanette Land Schou, Partnerin von Peter Land, bildet in "Schlaf # 10" (2003) eine Landschaft ab, die an ein Motiv von Caspar David Friedrich erinnert: Statt die erhabenen Kreidefelsen auf Rügen zu zeigen, fotografierte sie einen profanen Erdhügel mit Gräsern auf dem Amager Feld in Kopenhagen – ein ödes flaches Brachland, wo die Natur wachsen kann wie sie will.

Die Ausstellung beharrt nicht auf Nationalromantik

Der Landschaftsbegriff wird für die Fotoausstellung recht großzügig ausgelegt. Aino Kannistos Bilder laufen üblicherweise unter dem Oberbegriff Selbstporträt. Doch selbst ihre Arbeit "Ohne Titel (grüner Pullover)" (2003) zählt in Arken als Landschaftsaufnahme. Die Arbeit zeigt Kannisto in einem grünen Pullover mit einem blauen Handtuch um den Kopf auf einem ebenso blauen Stuhl sitzend und ein mit einer blau-grünen Postkarte bedecktes Glas in der Hand haltend. Sie sitzt drinnen. Die Landschaft machen die Bäume aus, die durch die Fenster vor ihr und an ihrer Seite zu sehen sind. Auf den ersten Blick hat der Kurator den Landschaftsbegriff vielleicht etwas zu weit ausgelegt.

Aber steht im Titel der Ausstellung nicht auch "die Landschaftsfotografie unserer Zeit"? Warum sollte also eine Ausstellung zeitgenössischer Landschaftsfotografie auf der Nationalromantik beharren? Ganz klassisch sind die meisten Werke wiederum, wenn es ums Format geht. Fast alle Arbeiten sind im Querformat – "Landscape Format" eben. Nur der Norweger Torbjørn Rodland fällt mit seinem hochformatigem stehenden "Jungen" (2000), der in einen See pinkelt, auf.

Es gibt nur wenige Museen in Nordeuropa, die für diese Ausstellung besser geeignet wären als Arken. Das erst vor kurzem erweiterte Haus liegt nämlich mitten in einer typisch dänischen Landschaft: hinter einer Düne am Strand von Ishøj. Diese Aussicht hat dem deutschen Maler Tim Eitel, als er vor ein paar Jahren bei Arken war, so gut gefallen, dass er den Strand von Ishøj gleich in mehreren seiner Bilder als Motiv benutzte.

"Nordic Moods – Landscape Photography Of Our Time"

Termin: bis 14. September, Arken Museum, Ishøj, Dänemark.
http://www.arken.dk/composite-1056.htm

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