Richard Serra - New York

Das ist keine Kunst, das ist zu gefährlich!

Er wollte ein alternatives Leben haben und keine Anerkennung als Künstler. Doch die künstlerische Anerkennung konnte Richard Serra ebenso wenig stoppen wie den Kunstmarkt.

Eine Ausstellung in den neuen Galerieräumen von David Zwirner in Chelsea mit Arbeiten von Richard Serra widmet sich den Anfangsjahren des Künstlers von 1966 bis 1971.

Serra arbeitete damals mit Gummi, Neonröhren oder Blei, das er zu Platten gegossen an- und aufeinander arrangierte, aufrollte oder zur Spirale wickelte. Viele der Werke stammen aus den Sammlungen großer Museen wie dem Guggenheim, dem MoMA, dem Whitney oder dem Stedelijk in Amsterdam. Andere aus Privatsammlungen oder aus dem Besitz des Künstlers. Die Arbeit "Strike" von 1969 bis 71, eine rostige Stahlplatte die sich in einer der Ecken der Galerie verkantet hat, um sich kaltschnäuzig in den Raum zu schieben, kündigt die massiven Arbeiten mit Stahl an, die später folgen sollten.

Der 73-jährige Serra, der sonst von der Gagosian Gallery vertreten wird, nahm den Gastauftritt bei Zwirner zum Anlass, um auf seine frühen Jahre in New York zurückzuschauen, als er gemeinsam mit seinem Freund, dem Komponisten Philip Glass arbeitete und ein Umzugsunternehmen betrieb, um sich finanziell über Wasser zu halten. Sein Studio hatte Serra in Tribeca. Künsterkollegen wie Chuck Close, der Schriftsteller Spalding Gray, die Choreografen und Tänzer Yvonne Rainer, Trisha Brown oder Komponist Steve Reich zählten zu seinem Umfeld. Sie alle verband damals, dass sie die Kunst weitertreiben und etwas schaffen wollten, was es bis dahin nicht gab. Es ging ihnen darum, "eine neue Sprache zu erzwingen", so Serra. Ein Kunstmarkt existierte für sie nicht. Gefällige Werke für Sammler interessierten sie nicht. "Wir arbeiteten für uns selbst und für unsere Freunde", erzählte der Künstler. Und falls man von einer Ausstellung hörte, die ausverkauft war oder ein Künstler mit glänzenden Schuhen und Anzug in der Bar Max's Kansas City vorbeischaute, um mit Verkäufen zu prahlen, sagte man "Wie schade!", so Serra. "Ich wollte ein alternatives Leben und nicht die Anerkennung als Künstler." Als er Ende der sechziger Jahre eine Arbeit mit Bleiplatten, die er wie ein Kartenhaus aneinandergeschichtet hatte, seiner damaligen Frau, der Bildhauerin Nancy Graves, zeigte, antwortete sie: "Das kannst du nicht ausstellen. Es ist keine Kunst, und es ist zu gefährlich." Serra ließ sich scheiden und zog mit sich und seiner Kunst weiter.

Die künstlerische Anerkennung konnte er natürlich ebenso wenig stoppen wie den Kunstmarkt. Wenige Tage nach seinem Opening in Chelsea eröffnet der Künstler eine Ausstellung bei Gagosian in Beverly Hills. Früher hätte er sich mit seinen Freunden über seine Arbeiten unterhalten, so Serra. "Heute unterhalte ich mich mit Anwälten."

Richard Serra. The early years

bis 15.6. bei David Zwirner
http://www.davidzwirner.com/exhibition/richard-serra-early-work-6/

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