Ikonen aus Palech - In Recklinghausen

Schlanke Figuren, bizarre Landschaften

Seit dem 17. Jahrhundert werden in der russischen Stadt Palech Ikonen gemalt. Zunächst als Nebenverdienstmöglichkeit für Bauern gestartet, entwickelte sich die Ikonenmalerei aus Palech zu einer europaweit hoch geschätzten Kunstform. Ikonen vom 18. Jahrhundert bis heute, dazu Lackmalereien sind jetzt in der Kunsthalle Recklinghausen zu sehen – eine Ausstellung des bis 2012 geschlossenen Ikonen-Museums
Fromme Bilder:Ikonen aus dem russischen Palech in Recklinghausen

Die Ikone "Feurige Himmelfahrt des Propheten Elija" wurde Ende des 18. Jahrhunderts in Palech gemalt

Die Winter waren hart in Palech. Die Bewohner der Gemeinde und der benachbarten Dörfer Suja und Choluj im Nordosten von Moskau blieben im Winter in ihren Häusern. Um sich die Zeit zu vertreiben und um sich einen Nebenverdienst zu verschaffen, malten die Bauern schon im 17. Jahrhundert fromme Bilder.

Der bekannte Ikonenmaler Josif Wladimirow beklagte in einem Schreiben von 1664, dass überall in den Dörfern die Heiligenbilder nur für wenige Groschen verkauft und sogar gegen Eier und Zwiebeln getauscht würden.
Das hat sich im Laufe der Jahrhunderte grundlegend gewandelt. Der Name Palech steht heute für außerordentlich hohe Qualität – "unglaublich fein gemalte Ikonen mit vielen Einzelszenen, die sich durch schlanke Figuren, bizarre Felslandschaften und fantastische Architekturkulissen auszeichen", so Eva Haustein-Bartsch, Kustodin des Ikonenmuseums Recklinghausen. Sie hat eine Ausstellung organisiert, zu der sie zum einen auf die eigenen Bestände zurückgreifen konnte. Außerdem kamen Exponate von 26 Leihgebern aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien und Russland ins Haus – insgesamt 300 Arbeiten, die die bis heute lebendige Tradition der Ikonenmalerei in Palech dokumentieren. Da das Ikonenmuseum bis 2012 wegen Umbaus geschlossen ist, wird die Schau in der Kunsthallle recjlinghausen gezeigt.

Die Kustodin gliederte die Schau in drei Bereiche. Der erste beschäftigt sich mit den Ikonen vom 18. Jahrhundert bis zur Oktoberrevolution 1918. Längst war aus der Bauernmalerei eine professionelle Künstlerkolonie erwachsen. War die der Ikonenmalerei zunächst noch vom herrschenden Barock bestimmt gewesen, so kehrten die Künstler im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts zur traditionellen Ikonenmalerei zurück. Im 19. Jahrhundert hatten die Maler von Palech bereits europaweite Geltung.

Die Oktoberrevolution veränderte die Situation total: Die Nachfrage nach Heiligenbildern ging zurück, Werkstätten mussten schließen, die Maler gerieten in eine Existenzkrise. In den frühen zwanziger Jahren begannen die Palecher Ikonenmaler aus dieser Not heraus, das Medium der Lackmalerei auf Papiermaché für sich zu entdecken. Ihre kleinen Kunstwerke, mit Eitempera auf lackierte Gegenstände wie Dosen, Schalen oder Tabletts gemalt, zeigten ländliche Szenen, russische Märchen, altrussische Heldenepen und wurden 1925 mit Erfolg sogar auf der Pariser Weltausstellung präsentiert. Einige Beispiele werden im zweiten Teil der Recklinghauser Ausstellung gezeigt.

Der dritte Teil ist der Rückkehr vieler Palecher Maler zur Ikonenmalerei seit den neunziger Jahren gewidmet.
Die Palecher Künstlergemeinschaft alter Prägung gibt es zwar nicht mehr. Die Künstler malen ihre Ikonen zu Hause und verkaufen sie an professionelle Händler oder an die Genossenschaft Palech, die sich als Nachfolgerin der Genossenschaft für Alte Malerei versteht. Die dekorative Lackmalerei hat an Bedeutung verloren, viele Palecher Künstler arbeiten neben ihrer freien Malerei auch als Restauratoren von Ikonen und Fresken in russischen Kirchen.

Mythos Palech – Ikonen und Lackminiaturen

Kunsthalle Recklinghausen. Termin: 12. Dezember bis 6. Februar 2011
http://www.kunst-in-recklinghausen.de/5kh.html