Elliott Erwitt - André S. Solidor

Extreme Exzesse

Mit der Kunstfigur André S. Solidor lebt der Magnum-Fotograf Elliott Erwitt sein zweites Ich aus und parodiert mit viel Humor die zeitgenössische Fotografie. art sprach mit Erwitt über große Brüste und rauchende Fischköpfe.
Extreme Exzesse:Elliott Erwitt alias André S. Solidor

André S. Solidor: "Self-Portrait with Roach"

Herr Erwitt, Sie besitzen zwei Persönlichkeiten: Elliott Erwitt und André S. Solidor. Wo liegt der Unterschied?

Elliott Erwitt: Es ist gefährlich, eine glaubhafte Beurteilung seiner selbst vorzunehmen. Aber ich riskiere es mal: Solidor ist sich wesentlich sicherer über sein Handwerk. Er hat eine gute Vorstellung davon hat, welche Art Bilder er machen will, während Elliott Erwitt abhängig ist von nicht-vorgefassten Momenten in seiner Arbeit.

Ihr Buch ist eine satirische Parodie auf zeitgenössische Kunstfotografie. Was denken Sie über die heutige Fotografie?

Zeitgenössische Fotografie erscheint mir oft aufgeblasen und humorlos. Natürlich nicht immer, aber fast immer.

Warum haben Sie rauchende Fischköpfe fotografier?

Fischköpfe erinnern mich an bestimmte Personen, manche haben eine sehr große Ähnlichkeit mit ihnen, und in vielen Fällen sind sie attraktiver als Menschen.

Meistens erscheinen Sie selbst auch in Ihren Bildern. Warum?

Die Selbstporträts sind eine Hommage an André S. Solidors Muse: Cindy Sherman.

In Ihrem Buch gibt es aufallend viele Frauen mit großen Brüsten. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?

André sah diese Models auf einer Pornomesse in Las Vegas, war berührt von ihrer Anmut, engagierte sie auf der Stelle – und ließ sie dann in sein Studio in New York kommen...

Sie haben in den sechziger Jahren viele Bilder für die Werbe- und Filmindustrie gemacht. Ist Ihre Fotografie Kunst?

Nochmals, es ist falsch seine eigene Arbeit zu beurteilen. André und ich folgen nur unserem Schicksal. Die Öffentlichkeit kann dann unsere Arbeit beurteilen.

Aber macht es für Sie einen Unterscheid, ob Sie Fotos für die Kunstszene oder die Werbeindustrie produzieren?

Der Mechanismus der vorgefassten Meinungen ist der gleiche wie in der Werbung. Das Resultat ist offensichtlich anders bei der spontanen Fotografie. Wir mögen beides.

Worin steckt die Kraft eines Bildes, das für Jahre in unserer Erinnerung bleibt?

Das ist und bleibt ein großes Geheimnis.

Wo finden sie ihre Motive? Was ist ihre Quelle der Inspiration?

Jeder muss irgendwo sein, und jeder muss irgendwas tun. Solidors Antwort liegt in der Frage, und die Antwort ist Teil des Buches. Die Inspiration und die Motivation von Elliott Erwitt ist eher praktischer Natur und hat damit zu tun, dass er seinen Lebensunterhalt bestreiten muss.

Haben Sie ein Lieblingsbild? Und was ist die Geschichte dahinter?

Ich arbeite immer noch an meinem Lieblingsstück. Ich werde Sie kontaktieren, wenn es vollendet ist und Ihnen dann die Geschichte dazu erzählen.

"The Art of André S. Solidor a.k.a. Elliott Erwitt"

Termin: Dienstag, 20. Oktober 2009, 19 bis 21 Uhr, TeNeues Store/Kirsten Roschlaub Gallery Milchstr. 10, 20148 Hamburg. Elliott Erwitt ist anwesend; 96 Seiten, teNeues, 49,90 Euro. Außerdem erschienen: "Elliott Erwitt’s Rome", 144 Seiten, teNeues, 59,90 Euro
http://www.teneues.com/shop-de/books-de/single3/?no_cache=1&item=102529&tx_t3nav_displaymode=&cHash=8dcaa643a1

Mehr zum Thema im Internet