Hans-Ulrich Obrist - Everstill

Im Bett mit Lorca

Der Ausstellungsmacher Hans-Ulrich Obrist bespielt das Haus von Federico García Lorca in Granada mit Gegenwartskünstlern wie Gilbert & George, Cy Twombly, Franz West und Douglas Gordon – und überrascht mit einem äußerst lebendigen und intimen Kunsterlebnis.
Vom Genius Loci zum ortsspezifischen Werk:Gegenwartskunst im Haus García Lorca

Annäherung an den Dichter: "In bed with Lorca" von Gilbert & George

Hans-Ulrich Obrist bespielt gern Räume mit zeitgenössischer Kunst, die eigentlich gar nicht dafür ausgelegt sind. Immer wieder einmal nimmt er sich die Wohn- oder Arbeitsstätten gestorbener Geistesgrößen vor und bittet bekannte Künstler, sich vom jeweiligen Ort und spezifischen Arbeiten inspirieren zu lassen.

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Derzeit ist Obrist im spanischen Granada mit "Everstill" zu Gast, einer Ausstellung auf zwei Etagen in der Huerta de San Vicente, dem ehemaligen Sommerhaus der Familie García Lorca. Der schriftstellernde Sohn der Familie, Federico García Lorca, hat viele Monate in der Huerta verbracht und dort einige wichtige Werke verfasst – bis er 1936 in der Nachbarschaft von Francos Anhängern verhaftet und umgehend erschossen wurde. Heute dient das Haus, mit den Möbeln und Fliesen von einst, als bescheidene, aber stimmungsvolle Gedenkstätte.

Wer deren Rahmen nicht sprengen will, muss vorsichtig damit umgehen. Für große Installationen fehlt einfach der Platz. Den gut zwei Dutzend Künstlern, die Obrist für "Everstill" ausgewählt hat, gelingen deshalb besonders jene Werke, die mit dem Interieur spielen und sich dem Ort fast anschmiegen: Philippe Parenno etwa hat schlicht einen geisterhaften Atemhauch in eine Fensterscheibe brennen lassen; Rivane Neuenschwander hat Buchstaben aus einer Obstschale voll getrockneter Zitronen und Orangen hervorgekitzelt; Roni Horn hat einem alten Tonkrug ein trügerisches Double beigesellt; Gilbert & George haben sich für ein Foto still nebeneinander in des Dichters schmales Bett gelegt.

Viele Arbeiten setzen sich mit der Aufgabe des Hauses auseinander, der Vergegenwärtigung eines vergangenen Geistes, und machen sie sich damit zu eigen. Obrists kluge Auswahl sorgt – von ein paar Ausreißern abgesehen – für einen faszinierenden Dialog mit dem Gestern. Lorca ist zwar schon lange fort, doch voller Neugier geht man den frischen Fährten nach, die der Kurator über seine vier Wände verteilt hat.

"Everstill"

Seit dem 24. November bis 22. Juli 2008 im Frederico-García-Lorca Haus in Granada, Spanien. Ein Katalog erscheint gegen Ende des Gesamtprojekts – im September 2008.

http://www.huertadesanvicente.com/