Emil Nolde - Hamburg/Neumünster

Große Feier für den Expressionisten

Das Hamburger Ernst-Barlach-Haus zeigt, wie die Kulturen ferner Länder den Maler inspirierten. In der Herbert-Gerisch-Stiftung Neumünster wird an die Privatsammlung Ströhmer und ihren Protagonisten Emill Nolde erinnert.
Zweimal Nolde:Nolde, Figuren, Masken aus einer Privatsammlung

Ernst Nolde: "Südsee-Insulaner II", Lithografie

Emil Nolde (1867 bis 1956) war nicht nur ein großer Expressionist, sondern auch ein passionierter Sammler von Volkskunst aus fernen Ländern, vor allem aus der Südsee. Wie diese pittoresken Masken und Figuren als Motive in seine Malerei einflossen, demonstriert die Ausstellung "Emil Nolde. Puppen, Masken und Idole" in Hamburg.

Das Hamburger Ernst-Barlach-Haus feiert damit sein 50-jähriges Bestehen. Nolde hat insgesamt rund 100 dieser Figurenbilder gemalt, ein Drittel von ihnen ist in der Hamburger Ausstellung zu sehen. Von Herbst 1913 bis Ende August 1914 hatte Nolde als Mitglied der "Medizinisch-demographischen Deutsch-Neuguinea-Expedition des Reichskolonialamtes" eine Reise in die Südsee unternommen, zur Zeit der Rückreise brach der Erste Weltkrieg aus.

Von friesischem Porzellan bis zum javavanischen Schattentheater

Die oft farbenprächtigen, magischen Fetische, die figurativen Darstellungen von Menschen, ihrem alltäglichen Leben und ihrer kultischen Handlungen waren für Nolde eine fruchtbare Inspirationsquelle. Manchmal wählte er auch einen einfachere Weg und malte vor den Objekten im Berliner Völkerkundemuseum, das er eingehend studiert hatte. Nolde hatte nach 1910 seine Sammlung von Figuren, Puppen und Masken angelegt. Im Barlach-Haus kann sich der Besucher von der Sammelleidenschaft des Künstlers überzeugen: Das Spektrum reicht von friesischem Steinzeug über russische Porzellanpuppen, chinesische Bronzetiere und afrikanische Holzidole bis zu No-Masken, die im traditionellen japanischen Theater benutzt wurden. Auch Schattenspielfiguren aus Java, ozeanische Totems und altägyptische Statuetten sowie etruskische Terrakotten und süddeutsche Barockmadonnen sind zu sehen.

Ein mutiger, engagierter Sammler

Auch im Schleswig-Holsteinischen Neumünster spielt Emil Nolde eine Hauptrolle: Die Villa Wachholtz des Buntpapierfabrikanten und Kunstsammlers Paul Ströhmer (1861 bis 1945) dient seit 2007 als Ausstellungshaus mit Skulpturenpark. Ströhmer war zu seiner Zeit ein mutiger und engagierter Sammler, der vor allem Kunst der Zeitgenossen gesammelt hat, die damals umstritten waren, aber heute als Expressionisten Weltgeltung haben. Die Villa Wachholtz war einer der wenigen Orte in Norddeutschland, in der die Avantgardekunst jener Zeit zentriert war. Protagonist war Emil Nolde, der Ströhmer mehrmals in der Villa besucht hatte. Nolde steht auch im Mittelpunkt der Ausstellung in der Herbert-Gerisch-Stiftung. Bilder, Zeichnungen und Keramiken, die im Laufe der Jahrzehnte in alle Welt zerstreut worden waren, konnten für die Ausstellung ausgeliehen werden. Darunter ein Werk, das vier Jahrzehnte in einer Prvatsammlung vor der Öffentlichkeit verborgen gewesen ist, Noldes Bild "Die Philister" von 1915.

Emil Nolde

Hamburg, Ernst-Barlach-Haus: "Puppen, Masken und Idole", 22. Januar bis 26. Mai 2012, Begleitbuch im Hamburger Corso Verlag, 26,90 Euro.

Neumünster, Herbert-Gerisch-Stiftung: "Emil Nolde und sein Sammler Paul Ströhmer", bis 3. März 2012, Katalog im Wachholtz Verlag, 28 Euro