Pipilotti Rist - New York

Tulpenwälder, Fliegenpilze und Glückschweine

Die Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist begeistert mit ihrer neuen Videoinstallation "Pour your body out" das Publikum im New Yorker Museum of Modern Art.

Mit viel Gintonic und Vodkaorange, redseliger Laune und kollektivem Wohlgefühl wurde am Mittwoch abend die für das New Yorker MoMA konzipierte Videoinstallation mit dem schönen Titel "Pour your body out" (in etwa: "Schütte deinen Körper aus") der Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist eröffnet.

Über Tausend geladene Gäste drängten in das gigantische Marron Atrium im ersten Stock der Eingangshalle, wo über alle Wände rosarote, lilafarbene und giftgrüne Bildsinfonien von Blumenfeldern, überlebensgroßen Pilzwäldern und viel Obst und Gemüse flimmerten. In kleinen Gruppen beieinanderstehend oder sich in Socken auf der von der Künstlerin entworfenen, kreisförmigen Sitzlandschaft räkelnd, genoss das Publikum eine visuelle Orgie verkitschter Natur, die ab und zu in Zivilisationsmüll degenerierte, um gleich wieder zum organischen Traumland zu werden.

Pipilotti Rist über "Pour Your Body Out", 2008

Unterwasseraufnahmen, fließende Blenden und eine perfekte Bespielung der Projektionsflächen sorgten für Wohlgefühl ohne Ecken und Kanten. Ein Dutzend High-Definition-Projektoren wurden unter Anleitung von Chefkustos Klaus Biesenbach perfekt in die Wände integriert und tauchten das ehrwürdige, aber stets etwas steife MoMA in haushohe elektronische Traumwelten. Dazu summte Musik in Wohlfühlakkorden – und ein überwiegend junges Publikum vergaß ob so viel Harmonie Wintereinbruch und Finanzkrise, um sich im elektronischen Eden der Schweizerin zu suhlen, die dieses Mal auf hintersinnige Provokationen, nackte Haut und Anarchohumor verzichtet hatte. Gefleckte Glücksschweine, barfüssige Jünglinge oder strahlende Blondinen wanderten durch rosa Landschaften, zusammen mit den Besuchern, die als Schattenriss in der Videoinstallation auftauchten.

Kurator Klaus Biesenbach über die Ausstellung

Auch am Morgen nach der Eröffnung zeigte sich das "normale" Laufpublikum des MoMA, sprich Touristen aus aller Welt, entzückt. Auf dem Weg zu den Kassenschlagern van Gogh und Miró machten zahlreiche Besucher aller Altersklassen in Pipilotti Rists durch lilafarbene Vorhänge vor dem Tageslicht geschützten Atrium halt, zogen sich die Schuhe aus und legten sich auf das blaue Fellmöbel.

"Pipilotti Rist: Pour Your Body Out (7354 Cubic Meters)"

Termin: bis 2. Februar 2009, Museum of Modern Art, New York.
http://www.moma.org/exhibitions/exhibitions.php?id=9760

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