Kunst-Werke Berlin - KunstFilmBiennale

Grenzgänger

Die Kunst-Werke Berlin zeigen Höhepunkte der Kölner KunstFilmBiennale – und art präsentiert exklusiv Ausschnitte aus zwei Filmen.
Grenzgänger:Höhepunkte der KunstFilmBiennale in Berlin

Gewinner des Internationalen Wettbewerbs der Kölner KunstFilmBiennale 2007: Julian Rosefeldt, "Loneley Planet", DE/IN 2006, 16’ – Filmstill

Früher rief die Affäre zwischen Kunst und Kino noch die Sittenwächter auf den Plan, heute ist für den Videokünstler Doug Aitken selbst Hollywoods Starkino nicht mehr Tabu. In seinem Film "Sleepwalker" komplettieren Tilda Swinton und Donald Sutherland ein Quintett von Schichtarbeitern, deren Wege Aitken aus exakt aufeinander abgestimmten Kameraperspektiven verfolgt und auf der Leinwand zu einem faszinierenden Kaleidoskop des großstädtischen Nachtlebens zusammensetzt.

Auch in Sarah Morris‘ Stadtporträt "Los Angeles" geben sich Berühmtheiten die Klinke in die Hand: Die gelernte Malerin stilisiert die alljährliche Oscar-Verleihung mit den Mitteln des abstrakten Films zum Marktplatz der Eitelkeiten. Ähnliches gelingt ihr, indem sie in "Capital (Washington D.C.)" die diskreten Zeichen der Macht nach musikalischen Gesichtspunkten aneinanderreiht.

Seit sieben Jahren widmet sich die Kölner KunstFilmBiennale den Grenzgängern zwischen Kunst und Kino, zum zweiten Mal sind die Höhepunkte ihres Programms im Haus der Berliner Kunst-Werke Institute for Contemporary Art zu sehen. Noch bis 25. Januar sind dort etliche schöne Entdeckungen zu machen: So lässt Florian Gwinner in "Das Modell" eine Kamera im Schritttempo rückwärts durch eine urbane Miniaturlandschaft gleiten, bis am "Stadtrand“ die Möbel seines Arbeitszimmers ins Blickfeld kommen und dadurch selbst wie ein Modellbau erscheinen.

Eine künstliche Welt entwirft auch Sylvia Schedelbauer: Sie bastelt sich in "Ferne Intimität" aus gefundenen Schwarzweißaufnahmen von spielenden Kindern, Fischerbooten oder Waldarbeitern eine unwirkliche Realität zusammen, unterlegt sie mit eigenen Erinnerungen und Gedanken und stürzt den Betrachter in einen assoziativen Bilderfluss.

Immer ein Vergnügen sind die Filme des israelischen Künstlers Guy Ben-Ner. Für "Stealing Beauty" hat er sich mit Ehefrau und Kindern in der Wohnecke eines schwedischen Möbelkonzerns einquartiert. Die ganze Familie benimmt sich, als wäre sie hier zu Hause, und während die vorbeischlendernden Konsumenten staunen, erklärt der Vater seinem Nachwuchs, warum es in den eigenen vier Wänden am schönsten ist. Auf seine Weise schließt er damit an die heroische Frühzeit der Performance an, deren Wiederbelebung Babette Mangoltes Film "Seven Easy Pieces by Marina Abramovic" in Auszügen dokumentiert. Abramovic stellte in den Räumen des New Yorker Guggenheim Museum fünf berühmte Auftritte von Bruce Nauman ("Body Pressure"), Valie Export ("Action Pants: Genital Panic") oder Joseph Beuys ("Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt") nach und erinnert uns damit an eine Kunst, die statt an die Kamera noch an die körperliche Gegenwart gebunden war.

"Höhepunkte der Kölner KunstFilmBiennale in Berlin"

Termin: bis 25. Januar, Kunst-Werke, Berlin. Veranstaltungen: 15. Januar 2009, 19 Uhr: Artist's Film and Video Association Berlin – vorgestellt von Köken Ergun, Hito Steyerl, Clemens von Wedemeyer, Guy Ben-Ner und anderen. 21. Januar 2009, 19 Uhr: Jesper Just und Henriette Huldisch im Gespräch. 25. Januar 2009, 19 Uhr: You Killed The Underground Film Or The Real Meaning Of Kunst Bleibt...Bleibt... von Wilhelm Hein – Expanded Cinema-Version mit Gästen
http://www.kw-berlin.de/

Mehr zum Thema auf art-magazin.de

Mehr zum Thema im Internet