Birgit Dieker - Friedrichshafen

Blicke ins Innenleben des Menschen

Der Körper steht im Mittelpunkt des Werks von Birgit Dieker – sie zerfetzt ihn, stülpt das Innere nach außen und schaut unter die Oberfläche

Das Ausgangsmaterial von Birgit Dieker ist der menschliche Körper. Mit dem stellt sie allerhand an: Da werden die Innereien zu einem Punchingball-ähnlichen "Organsack" zusammengeknäuelt, den "Inneren Schweinehund", einen Haufen undefinierbaren Gekröses, formt sie aus Menschenhaar und Schafwolle ebenso wie "Wildes Herz" und das lebensgroße "Beasty Girl". Im Kunstverein Friedrichshafen sind nun diese Wesen in einer Einzelausstellung zu sehen.

"The Big Striptease", so der Titel, meint jedoch nicht "die Kunst der erotischen Entkleidung", wie es bei "Wikipedia" heißt. Vielmehr "entkleidet" Birgit Dieker den menschlichen Körper seines eigentlichen Wesens als fleischliche Hülle für Geist und Seele. Sie zerfetzt ihn, zerlegt ihn in seine Einzelteile, die sie zu neuen, absurden Gebilden wieder zusammenfügt, schaut in ihn hinein, stülpt das Innere nach außen. Abgründe, das signalisieren ihre häufig aus Leder oder Kunstleder geformten, mit Füllstoff in Form gehaltenen Objekte, verbergen sich unter jeder noch so perfekten Oberfläche, Dieker bringt sie zum Vorschein.

Herz aus Trainingsjacken, Wirbelsturm aus Stoff

"Ich biete Assoziationsräume an", erklärt sie, "und versuche, dem Betrachter abzugewöhnen, nur über den Kopf, den Intellekt an die Arbeiten heranzugehen, sondern über die sinnliche Ebene."
Als Material dienen ihr auch alltägliche Dinge wie Trainingsjacken, die sie zu einem Herz zusammenschneidert, Steppdecken, Kleidungsstücke, die sie zu einem gigantischen Wirbelsturm aufdreht, Motorradklüfte oder Rettungsringe. Birgit Dieker, Jahrgang 1969, studierte von 1993 bis 1999 Bildhauerei an der Hochschule der Künste Berlin, dort war sie Meisterschülerin bei Michael Schoenholtz.

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