Bergen Assembly 2013 - Norwegen

Das Institut für Zauberei

Der Ort ist weniger für sein Künstlertum bekannt. Die erste Triennale im norwegischen Bergen könnte dies schlagartig ändern und verspricht in diesem Jahr Magie und Recherche.

Das norwegische Bergen gehört normalerweise nicht zu den Städten, die man wegen der Kunst besucht. Wer hierher kommt, sucht die Behaglichkeit einer kleinen nordischen Hafenstadt oder will sich aufmachen zu den Fjorden. Das könnte sich nun ändern: Zum ersten Mal findet in diesem Monat die "Bergen Assembly" statt, eine neue Triennale. Dafür mussten keine alten Hafenanlagen umgewidmet werden: Neben der Bergener Kunsthalle gibt es auch noch ein paar andere Räume in der Stadt, wo Gegenwartskunst präsentiert wird.

Die erste Ausgabe ist durch ihre Kuratoren russisch geprägt: Ekaterina Degot lebt als Kuratorin und Publizistin in Moskau, der Deutsche David Riff ist Künstler und lehrt an der Moskauer Rodtschenko-Schule für Fotografie und Multimedia. Das Duo folgt dem gerade sehr angesagten Kuratoren-Trend, sich auf Bücher zu beziehen, die kaum jemand kennt oder gelesen hat. Ihre Wahl fiel auf den 1965 in der Sowjetunion erschienenen Science-Fiction-Roman "Montag beginnt am Samstag" der Gebrüder Arkadi und Boris Strugatzki. Dort geht es um ein "naturwissenschaftliches Institut für Zauberei und Wohlfahrt", das Fabelwesen, kollektive Wunschfantasien und Märchenfiguren untersucht und benutzbar macht. Von dieser Romanfantasie ist es dann gar nicht mehr so weit zur Kunst, beziehunsgweise der "künstlerischen Recherche". Ähnlich wie bei der documenta wird zwischen Kunst und Theorie nicht unterschieden, etwa 40 Teilnehmer wollen den Roman der Strugatzkis mit ihren Mitteln "neu schreiben", im Programm finden sich jüngere Künstler wie Clemens von Wedemeyer, aber auch Klassiker wie Carlfriedrich Claus und Alexander Rodtschenko.

Bergen Assembly 2013

bis 27. Oktober,
Bergen, diverse Orte
http://bergenassembly.no/

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