Takashi Murakami - Art Basel Miami

Jeder zittert und bald wird es ganz ruhig

Der japanische Künstler Takashi Murakami ist bekannt für seine kitschig-verspielten Blumenarrangements, aufgeladen durch spirituelle Symbole und die übliche, niedliche Manga- und Anime-Bildsprache. art sprach mit Murakami über die Finanzkrise, Parallelen zur Musikindustrie – und Star Trek.

Herr Murakami, warum sind Sie als eine Ihrer Blumen verkleidet über die Messe gelaufen?

Takashi Murakami: Das macht mir Spaß. Mit dem Anzug verändere ich mich. Mir gefällt es, der Verrückte zu sein und eine Show hinzulegen, damit die anderen auch wirklich glauben, dass ich verrückt bin.

Sie haben hier in Miami zum zweiten Mal Ihre Geisai-Galerie auf die Beine gestellt und geben damit jungen, unbekannten Künstlern die Chance, bei einer Weltmesse dabei zu sein.

Mein Ziel ist eine eigenständige, gigantische Geisai-Messe. Eine große Veranstaltung, die die Menschen überrascht und bei der sie sich fragen: Ist das Kunst? Viele Leute meinen, das sei riskant. Ich selbst weiß noch nicht, wie ich es schaffe, so viele Künstler einzuladen und wie ich die Verbindung nach Europa bekomme. Deshalb wurde das Projekt erst einmal gestoppt. In Tokio habe ich Geisai in diesem Jahr zweimal gemacht – und viel Geld damit verloren. (macht einen Pfeifton).

Wie viel denn?

Drei Millionen Dollar im Mai und sieben Millionen Dollar im September.

Hier in Miami wirken die meisten Aussteller sehr angespannt. Geht es Ihnen auch so?

Es liegt daran, dass kein Geld da ist. Die Musikindustrie hat uns ein gutes Beispiel gegeben. Vor zehn Jahren machte sie noch viel Geld, heute nicht mehr. Die jungen Leute wollen Musik mit freien Downloads umsonst genießen.

Und so etwas steht der Kunstwelt ebenfalls bevor?

Ich glaube schon. Dies ist ein großartiger historischer Moment. Als ich in den frühen neunziger Jahren mit meiner Kunst anfing, herrschte ein ähnlicher Moment. Unsere Kunstwelt wird um einiges kleiner werden. Jeder zittert und bald wird es ganz ruhig.

Ein Zusammenbruch des Marktes scheint Sie nicht besonders zu stören. Dabei haben doch gerade Sie in den vergangen Jahren ausgesprochen gut verdient.

Und so viel wieder ausgegeben.

Was sagen Sie zu den New Yorker Auktionen, bei denen einige Ihrer Arbeiten keinen Abnehmer fanden.

Auktionen sind ein riskantes Geschäft. Ich selbst kann nicht eingreifen. Und wenn zum Beispiel meine Hauptgalerie nicht in den Markt eingreifen kann, ist das ein deutliches Zeichen. Es sagt mir: "Bye-bye".

Aber während Damian Hirst Mitarbeiter entlässt, starten Sie ein Animationsfilmstudio in Los Angeles und wachsen mit Ihrem Kaikai-Kiki-Unternehmen.

Damian Hirsts Ziel war die letzte Auktion bei Sotheby's. Also musste er viele Leute anstellen, um die Arbeiten dafür zu produzieren. Wir bei Kaikai Kiki sind vergleichsweise klein und bringen es auf 40 bis 50 Leute in Tokio und den USA. Aber weil ich kein Geld mehr habe, war auch ich gezwungen, die Renovierungen in Los Angeles zu stoppen. Mein Animationsfilm, an dem ich bereits seit längerer Zeit arbeite, kostet mich jeden Monat eine Million Dollar. Deshalb will ich den Film in meinem neuen Studio selbst weiter produzieren.

Warum nahmen Sie sich Filme als nächstes Projekt vor?

Das ist mein Traum. Meine Stars sind George Lucas and J.J. Abrams, die Macher von Star Trek. Ein 20 Jahre alter Film wirkt sehr alt, ein Gemälde hingegen nicht. Genau das ist mein Thema: Es geht mir darum, ob Animationen wie Gemälde funktionieren und für immer leben können. Ein Filmset zu bauen ist für mich wie eine Skulptur zu machen.

Hat George Lucas Sie so stark wie Warhol beeinflusst?

Als ich jung war auf jeden Fall. Bis vor vier, fünf Jahren habe ich mich mit Warhol beschäftigt. Heute ist es Picasso, denn er hat eine sehr starke Marke geschaffen. Mir geht es darum, wie Bilder und die DNA eines Künstlers überleben können.

In welche Richtung wird der Kunstmarkt Ihrer Meinung steuern?

Wir können von den frühen neunziger Jahren lernen. Vielleicht wird es um große Namen wie Damian Hirst, Jeff Koons und mich ganz leise werden. Junge, neue Künstler werden statt dessen nachrücken. Es wird auf jeden Fall ein historischer Moment sein. Deshalb will ich weiter mit jungen Künstlern arbeiten, ihnen die Chance geben, ein Geschäft zu starten. Leider habe ich es nicht geschafft, mein Geld zusammenzuhalten. Ich bin so neidisch auf Damian Hirst. Er hat noch genau den richtigen Moment für seine Auktion erwischt.

Vielleicht können Sie einen solchen kommerziellen Erfolg eines Tages nachholen?

Zeiten wie diese sind vorbei. Hirst ist ein guter Spieler. Ich bin zu spät dran.

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